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Das Kirchlein von Michelskirchen neben dem Girler-Anwesen erstrahlt bald in neuem Glanz.

Geschichtsträchtige Michaelskirche von Michelskirchen wird für 440 000 Euro erneuert

Kirchenrenovierung vor dem Abschluss

Die geschichtsträchtige Michaelskirche von Michelskirchen wird für 440 000 Euro erneuert. Die Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss.

Michelskirchen – Die umfangreiche Renovierung der St. Michaelskirche von Michelskirchen geht dem Ende zu. Die Hauptarbeit an diesem kleinen Gotteshaus in der Pfarrei St. Stephanus in Hilgertshausen war die Sanierung des Dachstuhls und der Dacheindeckung. „Die morschen Balken wurden ersetzt und das Dach so hergerichtet, dass es mindestens 100 Jahre hält“, ist Kirchenpfleger Winfried Riedel überzeugt.

Schon von weithin sichtbar ist das goldene Kirchenkreuz mit der vergoldeten Kugel. Im Inneren der Kirche steht zwar noch das Gerüst, weil Kirchenmaler Robert Rodenwald aus Augsburg noch zu tun hat. Die Risse im Innenraum sind schon geschlossen, sodass schon geweißelt werden kann. Im Laufe des Frühjahrs wird der Außensockel noch in Schuss gebracht und bemalt.

Die Renovierungskosten von gut 440 000 Euro trägt zum Großteil die Diözese Augsburg, die sich mit 240 000 Euro beteiligt. 25 800 Euro schießt der Bezirk Oberbayern zu, 20 000 Euro kommen von der Gemeinde Hilgertshausen-Tandern. Auch der Landkreis Dachau beteiligt sich, er gibt 8300 Euro. Kirchenpfleger Riedel betont, dass sich auch die Bayerische Landesstiftung mit 15 000 Euro an den Gesamtkosten beteiligt.

90 900 Euro bleiben bei der Pfarrei St. Stephanus. Man könne stolz sein, so Riedel, dass 33 302 Euro davon mit Spenden abgedeckt werden können.

Die Hauptkosten verursachten die Zimmererarbeiten mit 82 400 Euro. Aber auch für das Gerüst (59 300 Euro), die Maurerarbeiten (66 000 Euro) und die Dachdeckerarbeiten (34 000 Euro) musste tief in die Tasche gegriffen werden. Zu den kostenmäßig größeren Gewerken zählten auch die Spenglerarbeiten (16 800 Euro), die Elektroinstallation (11 200 Euro) und der Blitzschutz (11 800 Euro). Nicht unerheblich sind auch die Architekten-Kosten (42 500 Euro).

Die Ansiedelung des kleinen Ortes Michelskirchen geht weit ins erste Jahrtausend, wenn nicht sogar in die Keltenzeit vor Christi Geburt zurück. Dort, wo das Kirchlein steht, könnte einst auch ein vorchristlicher Kultplatz gewesen sein, worauf der Name „Satanasinga“ (Leute des Satans) hinweist. Der Erzengel Michael wurde sicher deshalb als Kirchenpatron gewählt – in Anspielung auf Michael den Drachentöter und Sieger über den Satan –, weil die letzten Heiden sehr spät entweder bekehrt oder vertrieben wurden.

Bis weit ins Spätmittelalter fand nach mündlicher Überlieferung noch jährlich ein Rossmarkt in Michelskirchen statt, was auf keltische Ursprünge schließen lässt. Das Pferd wurde bei den Kelten sehr verehrt. Eine nachgewiesene keltische Besiedelung findet man auch nur wenige Kilometer entfernt an der Keltenschanze von Arnzell.

Wann die Kirche in Michelskirchen erbaut wurde, ist nicht bekannt. Aber in den Jahren zwischen 994 und 1006 bezeugen uralte Urkunden bereits das Bestehen einer Kirche. In Tauschurkunden wird Michelskirchen als Ort mit zwei Höfen erstmals genannt, und recht viel größer ist der Ort auch heute nicht.

Schwer verwüstet wurde das Kirchlein 1648 beim letzten verheerenden Einfall der Schweden und Franzosen in der Endphase des 30-jährigen Kriegs. Sogar die Kirchglocken wurden geraubt.

Hofmarksherr Wolfgang Wilhelm von Lösch ließ auf seine Kosten 1659 die Kirche vergrößern und restaurieren und mit einem Turm ausstatten. Der wunderbare Barockaltar mit zwei gewendelten und zwei glatten Säulen und drei Heiligen-Figuren stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Am Hauptaltar werden der heilige Michael mit dem Flammenschwert und der sogenannten Seelenwaage sowie die beiden Bauern-Heiligen St. Wendelin und St. Isidor dargestellt.

Eine große steinerne Tafel im Inneren des Gotteshauses erinnert an eine Renovierung im Jahre 1875 und an den Brandschaden nach Blitzschlag im Jahre 1930, woraufhin in den Jahren 1930/1931 eine erneute Renovierung notwendig wurde.

Weil der Zahn der Zeit an der Kirche nagte, erfolgte unter Pfarrer Alfred Suyter von 1975 bis 1977 eine weitere große Renovierung mit Trockenlegung der Wände. Die Sakristei an der Nordseite und der Anbau an der Westseite wurden damals abgebrochen, der Eingang kam an die Südseite Neben der freigelegten gotischen Eingangstür kam ein eingemauerter Opferstock zum Vorschein.

Eine große Ehre war es für den kleinen Ort, als am 22. September 1979 der Augsburger Weihbischof Manfred Müller zur Benedizierung nach Michelskirchen kam. Kirchenpfleger Winfried Riedel beabsichtigt auch im Sommer hohe Geistlichkeit und die vielen Sponsoren zu einem Kirchen-Eröffnungsfest einzuladen. Wegen der Corona-Krise mussten jedoch eine begleitende Ausstellung im Mesnerhaus und eine Kirchenführung am Palmsonntag abgesagt werden.

Josef Ostermair

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