Mehrere Menschen stehen nebeneinander.
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Mit mehreren Traktoren demonstrierten Landwirte aus Tandern und Umgebung gegen den Michalke-Protest zum Aussiedlerhof.

Gegendemo der Bauern

Drehbuchautorin Karin Michalke bleibt mit ihrem Protest allein

  • vonJosef Ostermair
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Der Protest der Drehbuchautorin Karin Michalke gegen den genehmigten Bau eines Rinderstalls in Tandern ist verpufft. Niemand im Gemeinderat schloss sich ihrem Aufruf an.

Tandern – Hohe Wellen geschlagen hatte der Protest der Drehbuchautorin der Rosenmüller-Filmtrilogie, Karin Michalke, gegen den bereits genehmigten Bau eines Aussiedler-Rinderstalls samt Güllegrube und Fahrsilo im Norden von Tandern (wir berichteten) – vor allem in der Bauernschaft im Landkreis.

Das wurde auch am Montagabend vor der Sitzung des Gemeinderats deutlich, als vor dem Häuserer-Saal in Hilgertshausen, wo die Sitzung stattfand, Bauern und Bäuerinnen aus Tandern und Umgebung mit fünf großen Bulldogs zu einem Gegenprotest kamen und zeigten, dass sie sich nicht zum Sündenbock in der heutigen Gesellschaft machen lassen.

Wie berichtet, hat die Landwirtsfamilie Wenger, die einen Bauernhof im Zentrum von Tandern bewirtschaftet und hier sehr eingeengt ist, die Aussiedelung ihres Betriebes beantragt, der mehr als doppelt so groß werden soll wie jetzt. Geplant ist ein Rinderstall für 78 Milchkühe und 64 Kälber zwischen Daumiller-Berg und Wieskapelle.

Wie Michalke in ihrem Aufruf zum Protest gegen den Aussiedlerhof auf einen Stall mit 400 Rinder kam, ist nicht nur den Tanderner Bauern unerklärlich. Sie wollen auch von einem Mega-Bau, oder gar einer „Milchfabrik“, wie Michalke in ihrem öffentlichen Protest anführt, nichts wissen. Auch der Vorwurf, dass mit Millionen an Subventionen Steuergelder in der Landwirtschaft verschleudert werden, lassen die Bauern, wie das Gespräch mit den Demonstranten zeigte, nicht gelten. „Wir wissen, dass die Familie Wenger aus Platzgründen im Ortskern von Tandern aussiedeln muss und stehen hinter diesem landwirtschaftlichen Betrieb. Heute wollen wir ein Zeichen setzen“, sagte der junge Bauer Ludwig Schmidt.

Dass Äußerungen wie von Michalke nur der bäuerlichen Landwirtschaft schaden, sagte Benedikt Wenger, der junge Bauer auf dem künftigen Aussiedlerhof. „Wir sind für Euch da“ und „Heimat der Vielfalt“ war auf den vor dem Häuserer-Saal abgestellten Traktoren zu lesen. Benedikt Wenger, der mit seinem Vater Albert Wenger nach Hilgertshausen kam, wollte sich nur ungern zu den Vorwürfen von Michalke äußern, erklärte aber: „Es wäre besser mit und nicht über die Landwirte zu reden.“ Michalke habe sich eindeutig zu wenig informiert und sowohl sachlich als auch fachlich falsch argumentiert. Die Familie Wenger sei stolz, dass auf den Protest hin nun die Landwirtschaft so stark zusammenhält. Ähnlich äußerte sich auch der Tanderner Bauernverbands-Ortsobmann Johann Stegmair.

Dass sich auch bei der Bau- und der Gemeinderatssitzung, bei der es lediglich noch um eine Tektur zum Bauantrag ging, kein einziger Tanderner auf die Michalke-Seite schlug und die Drehbuchautorin selbst fehlte, überraschte schon ein wenig. Der Tanderner CSU-Gemeinderat Peter Schadl bemerkte, dass er außer Michalke keinen in Tandern kenne, der mit dem genehmigten Aussiedlerhof so hart ins Gericht gehe. Die Kritik am Aussiedlerhof passe nicht in eine Zeit, wo CDU/CSU und die SPD Erleichterungen für zukunftsträchtige landwirtschaftliche Betriebe wollen, ergänzte Schadl.

Bürgermeister Markus Hertlein erklärte erneut, dass die Gemeinde bei so einem privilegierten Bauvorhaben keinerlei Einfluss habe. „Da hat der Gesetzgeber ganz bewusst der Landwirtschaft Gestaltungsmöglichkeiten für eine Aussiedelung in die Hand gegeben“, so der Bürgermeister. Lediglich Christoph Hardt (Tanderner Bürgerliste) erklärte, dass man verstehen müsse, dass Bürger, die sich in der Nähe des Aussiedlerhofes mit Güllegrube und Fahrsilo für ein Wohnhaus entschieden haben, nicht begeistert sind von zu erwartenden Gerüchen und Lärm. „Da sollten auch wir ein Auge drauf haben“, so Hardt. Klären müsse man seiner Ansicht nach auch die Zufahrt zu dem neuen Hof.

Die Tekturplanung, wonach der Abstand zwischen Stall und Feldweg von 10 auf 20 Meter erhöht wird, kommt schon mal dem Wohngebiet ein wenig entgegen.

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