Eine Kirche
+
Schmuckstück in der Pfarrei: Das in neuem Glanz erstrahlende Kirchlein in Michelskirchen bekommt Besuch vom Bischof.

Filialkirche St. Michael in Michelskirchen ist umfangreich renoviert worden

Kleinod mit dramatischer Geschichte

  • VonJosef Ostermair
    schließen

Die Filialkirche St. Michael in Michelskirchen ist umfangreich renoviert worden. Am Samstag, 18. September, findet der Wiedereröffnungsgottesdienst statt.

Michelskirchen – In der Hilgertshauser Pfarrei St. Stephanus gibt es Grund zum Feiern: Die generalsanierte Filialkirche St. Michael im kleinen Michelskirchen erhält am Samstag, 18. September, Besuch vom Augsburger Bischof Dr. Bertram Meier, der mit den Gläubigen um 18 Uhr einen Wiedereröffnungsgottesdienst feiern wird. Dieses Fest hätte eigentlich schon im vergangenen Jahr stattfinden sollen, doch die Corona-Pandemie hat dies verhindert.

Ein echtes Kleinod im Nordwesten des Landkreises

Bei der Kirche von Michelskirchen handelt es sich um ein echtes Kleinod im Nordwesten des Landkreises. Die Ansiedelung von Michelskirchen geht weit ins erste Jahrtausend zurück, wenn nicht sogar in die Keltenzeit vor Christi Geburt. Heimatforscher gehen davon aus, dass in Michelskirchen ein vorchristlicher Kultplatz gewesen war, worauf der Name „Satanasinga“ (Leute des Satans) hinweist. Der Erzengel Michael wurde sicher deshalb als Kirchenpatron gewählt, in Anspielung auf Michael den Drachentöter und Sieger über den Satan, weil die letzten Heiden sehr spät vertrieben beziehungsweise bekehrt wurden.

Bis weit ins Spätmittelalter fand nach mündlicher Überlieferung noch alljährlich ein Rossmarkt in Michelskirchen statt, was auf keltische Ursprünge schließen lässt. Das Pferd wurde nämlich bei den Kelten sehr verehrt.

Eine nachgewiesene keltische Besiedelung findet man nur wenige Kilometer von Michelskirchen entfernt, in Arnzell. In den Jahren zwischen 994 und 1006 wird bereits in Urkunden eine seit Langem bestehende Kirche bezeugt.

Wann die Kirche erbaut wurde, ist allerdings nicht bekannt. In der vorhandenen Tauschurkunde wird der Ort erstmals mit zwei Höfen genannt. Heute dagegen besteht Michelskirchen aus drei Höfen, nämlich dem Fobi-Hof, den Neibaur-Hof und dem Girler-Anwesen, direkt neben der Kirche. Eine Tafel an der Innenwand der Kirche zeigt auf, dass das Kirchlein – wenn es sprechen könnte – viel zu erzählen hätte. 1648, also im letzten Jahr des Dreißigjährigen Krieges, wurde beim letzten Einfall der Schweden und Franzosen das Gotteshaus schwer verwüstet und der Glocken beraubt. 1659 ließ der damalige Hofmarksherr Wolfgang Wilhelm von Lösch auf seine Kosten dieses Gotteshaus vergrößern, restaurieren und mit einem Turm ausstatten.

Der wunderbare Barock-Altar mit zwei gewendelten und zwei glatten Säulen und drei Heiligen-Figuren stammt ebenfalls aus dieser Zeit. In der Mitte des Altars thront der heilige Michael mit dem Flammenschwert und der sogenannten Seelenwaage. Auch die beiden Bauernheiligen St. Wendelin und St. Isidor sind auf dem Altar zu sehen.

Schon 1875 wird von einer Kirchenrenovierung berichtet. 1930 ist durch Blitzschlag ein größerer Brandschaden entstanden, sodass noch im selben Jahr und auch ein Jahr später erneut renoviert werden musste.

Schon während des Ersten Weltkrieges (1916) mussten die Glocken abgeliefert werden. Pfarrer Andreas Hösle ist es 1931 gelungen, neue Glocken anzuschaffen. 1942 dann das gleiche Spiel: Wiederum zu Kriegszwecken musste eine Kirchenglocke geopfert werden. Die zweite Glocke durfte auf das Veto von Pfarrer Dr. Blinzler hin aber weiter schlagen. Stattdessen musste eine alte, beschädigte Glocke abgeliefert werden.

Zu einer großen Renovierung mit Trockenlegung der Wände ist es unter der Regie von Pfarrer Alfred Suyter von 1975 bis 1977 gekommen. Die Sakristei an der Nordseite und der Anbau an der Westseite wurden abgebrochen und der Kircheneingang an die Südseite verlegt. Damals ist sogar ein eingemauerter Opferstock zum Vorschein gekommen. Der Altar und die Heiligen-Figuren wurden damals ebenfalls restauriert. Die Baukosten beliefen sich auf 77 000 Mark, für die Innenrenovierung waren 11 000 Mark aufzubringen. Die Diözese Augsburg hat damals 46 000 Mark beigesteuert, 17 200 Mark betrug die Eigenleistung, und aus der Kasse der Pfarrei entnahm man 24 800 Mark.

Renovierung ist billiger als gedacht

Die meisten Michelskirchener erinnern sich noch gut an den Festtag im Jahr 1979, denn da ist der Augsburger Weihbischof Manfred Müller zur Benedizierung nach St. Michael gekommen.

Wiederum von einem Blitz heimgesucht wurde die Kirche 1985, ohne dass ein größerer Schaden entstand. Die schon 2020 begonnene Generalsanierung des Dachstuhls und die Außenrenovierung wurden von Fachleuten auf 400 000 Euro geschätzt. Erfreulicherweise kam man aber für den teilweisen Dachstuhl-Austausch, die Ausbesserung von Rissen, die Dachneueindeckung und das Vergolden von Kreuz und Kugel letztlich mit 354 000 Euro aus. Diese Investition war nur zu schultern dank großzügiger Spenden in Höhe von 35 500 Euro und einem Eigenanteil der Kirchenstiftung von 36 500 Euro. Kirchenpfleger Windfried Riedel ist stolz, weil so nun ein Schmuckstück in der Pfarrei wohl für lange Zeit erhalten bleibt.

Das Landkreiswetter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare