Gülle Bauernhof Feld
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Einer kleinen Arena gleicht der Güllerundbau. Der große Milchviehstall und das Fahrsilo müssen erst noch gebaut werden.

Drehbuchautorin der Rosenmüller-Filme ruft zu Widerstand gegen Bauprojekt in Tandern auf

Prominente protestiert gegen Kuhstall

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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  • Josef Ostermair
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Der geplante Bau eines Kuhstalls im Norden von Tandern bewegt das Gemüt einer prominenten Bürgerin: Die Drehbuchautorin der Rosenmüller-Filmtrilogie, Karin Michalke, ruft zum Widerstand gegen das privilegierte Bauvorhaben eines Landwirts auf, dem es im Ort zu eng wird.

Tandern – Im Norden von Tandern entsteht derzeit ein Güllerundbau, der mit einem Durchmesser von 18 Metern, wenn er fertig ist, 1526 Kubikmeter Gülle aufnehmen kann. Darüber hinaus ist sowohl von der Gemeinde als auch vom Landratsamt auf dieser Fläche der Neubau eines 54 Meter langen und 33 Meter breiten Milchviehstalls sowie eines großes Fahrsilos genehmigt. Dagegen regt sich nun Widerstand – initiiert von einer prominenten Tanderner Bürgerin, der Drehbuchautorin Karin Michalke.

Der Landwirt, der diesen Aussiedlerhof bauen will, betreibt bereits einen Bauernhof in der Ortsmitte. Er ist dort nach den Worten von Bürgermeister Markus Herlein aber massiv eingeengt, „regelrecht reingepfercht“, so Hertlein, der aus diesem Grund versteht, dass sich der Landwirt für diese Aussiedelung entschieden hat. In dem neuen Stall soll Platz für 78 Milchkühe und 64 Kälber geschaffen werden, was eine Verdoppelung des Viehbestands darstellt.

Darüber sind mehrere Tanderner natürlich nicht glücklich, entsteht dieser Aussiedlerhof mit Güllegrube doch laut Rosenmüller-Trilogie inmitten Bayerns „bester Gegend“. Wohl schon zu spät ruft Karin Michalke, die Autorin der Rosenmüller-Trilogie „Beste Zeit/Beste Gegend/Beste Chance“ ist, zum Protest gegen die in ihren Augen gigantische landwirtschaftliche Anlage auf. In ihrem Schreiben an die Heimatzeitung beschreibt sich Michalke als „gnadenloses Gerät aus Tandern, das nichts lieber tut, als am Daumiller Berg zu hocken und sich die große weite Welt zu erträumen“. Von dieser schönen Gegend zwischen Wieskapelle und Daumiller Berg könne man bald nur noch träumen, spätestens wenn der Bau der „gigantischen landwirtschaftlichen Anlage“ Wirklichkeit ist.

Michalke geht zwar von 400 Rindern aus, aber auch die im Plan angegebenen 142 Rinder sind in ihren Augen schon eine Milchfabrik. Man müsse mit Gestank durch Gülle und Silo rechnen, und mit der beschaulichen Stille sei es auch bald vorbei. Traurig sei es laut Michalke, „dass wir eine Gesellschaft geformt haben, in der so was möglich ist und es für notwendig erachtet wird, dass Kühe und Kälber mit ihrem Leben herhalten müssen, für unseren Luxus“. Wer so einen „Mega-Stall“ genehmigt, sollte bedenken, dass den Leuten aus dem Dorf dadurch viel Freizeitwert genommen wird. „Mir ist schon klar, dass wir immer mehr Leute werden und die Steaks irgendwo herkommen müssen. Doch egal ob aus Tandern oder der Tschechei, muss man sich fragen, ob das sein muss in dieser Zeit, mitten im Klimawandel und mitten in ein Pandemie“, unterstreicht Michalke und fragt sich, ob ein Landwirt nicht mehr leben kann, „ohne so einen Mega-Wahnsinn“. Daher ruft Michalke die Tanderner auf, die nächste Gemeinderatssitzung am Montag, 14. September, zu besuchen, und dabei dem Gemeindeparlament zu zeigen, dass man so etwas nicht haben will.

Während Bürgermeister Hertlein jegliche Schuld des Gemeinderats von sich weist, „weil es sich hier um ein landwirtschaftlich privilegiertes Bauvorhaben handelt und wir dieses hohe Rechtsgut der Landwirtschaft nicht verbieten können“, seien der Gemeinde die Hände gebunden. Hertlein könne es gut verstehen, dass gerade die Leute in dem erst kürzlich genehmigten neuen Wohnbaugebiet von dem großen Bauernhof mit all seinen negativen Auswirkungen nicht begeistert sind, „aber irgendwo muss der Fortbestand dieses Betriebes gesichert sein“. Aussiedelungsvorhaben habe man auch schon in Hilgertshausen genehmigt, „denn irgendwie muss man den Bauern ihre Zukunft sichern“. Damit gibt sich Michalke aber nicht zufrieden. Sie kritisiert auch, dass auf diese Weise Millionen an Subventionen verbraten würden.

Interview mit BBV-Vize-Kreischef Simon Sedlmair: „Ich bin froh, wenn in unserem Landkreis noch ein Stall gebaut wird!“

Simon Sedlmair, stellvertretender Kreisvorsitzender im Bayerischen Bauernverband Dachau, ist selbst Milchviehhalter. Im Gespräch mit der Heimatzeitung bezieht der Puchschlagener zu dem geplanten Stall in Tandern daher deutlich Stellung.

Herr Sedlmair, entsteht in Tandern gerade eine Milchfabrik?

Simon Sedlmair: Ganz klar nein. Als Milchfabrik würde ich eine industrielle Anlage bezeichnen, in der – neben der eigentlichen Landwirtsfamilie – auch noch Fremdarbeitskräfte beschäftigt sind. Bei einer Milchfabrik bewegen wir uns meiner Meinung nach in einer Größenordnung von 1500 bis 2000 Tieren.

Das heißt, ein Stall in der Dimension von zirka 80 Kühen ist normal für unsere Gegend?

Wenn der Bauherr ein Vollerwerbslandwirt ist, ist diese Größe sogar das absolute Minimum! Ich kenne wenige Landwirte, die neu investieren, und nur für so wenige Tiere bauen. Die Investition muss sich ja langfristig rentieren.

Wie steht es mit dem Tierwohl?

Für die Tiere ist ein Neubau immer besser, da haben sie mehr Luft und Licht.

Sie können die Beschwerden über den Neubau also nicht nachvollziehen?

Sagen wir es so: Ich bin froh, wenn in unserem Landkreis noch ein Stall gebaut wird und eine Familie in Milchviehhaltung investiert. Die Realität ist nämlich, dass hier immer mehr Landwirte aufhören, weil es sich einfach nicht mehr lohnt.

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