Kann nicht mehr: Isabell Kühnl tritt als Jugendreferentin zurück. foto: bb

streit im gemeinderat Hilgertshausen-tandern eskaliert

Jugendreferentin tritt nach massiven Anfeindungen zurück

Seit über zwei Jahren ist die Stimmung im Hilgertshauser Gemeinderat alles andere als rosig. Immer wieder kommt es zu Zankereien und Streit. Sogar im Gottesdienst war der Streit bereits Thema. Das Misstrauen zwischen den Fronten Hilgertshausen und Tandern nimmt beängstigende Formen an und erinnert an die harten Auseinandersetzungen zu Zeiten der Gebietsreform vor 40 Jahren.

Hilgertshausen – Der Grund: Was der eine Ortsteil will, fordert der andere auch. Streitereien, die es sonst so in keiner anderen Gemeinde gibt. Beispiele: Bekommt Hilgertshausen einen Jugendraum, will Tandern auch; ähnlich sieht es beim Thema neue Grundschule aus. Der Umgang der Räte untereinander geht teilweise unter die Gürtellinie.

Jetzt haben die Streitereien ihren traurigen Höhepunkt erreicht: Eine Kommunalpolitikerin kann nicht mehr und gibt ihr Amt auf. Mit einem Paukenschlag endete die erste Gemeinderatssitzung im neuen Jahr: Isabel Kühnl (Wählergemeinschaft Hilgertshausen-Tandern) erklärte ihren sofortigen Rücktritt als Jugendreferentin. Sie begründete diesen Schritt mit bösen persönlichen Angriffen im Zusammenhang mit der Jungbürgerversammlung (wir berichteten). Ihr wurde unterstellt, bei Streitereien zwischen Jugendlichen aus Hilgertshausen und Tandern weggeschaut zu haben. Auch die Angriffe von Gemeinderat Hans Glas (Tanderner Bürgerliste) setzten ihr stark zu.

Kühnl war fast zehn Jahre Jugendreferentin, zunächst noch als Stellvertreterin und seit 2010 dann als Jugendreferentin. „Diese Aufgabe hat mir immer Spaß gemacht und hat immer wieder neue Herausforderungen mit sich gebracht. Die Zusammenarbeit mit beiden Bürgermeistern, der Verwaltung und dem Zweckverband Kinder- und Jugendarbeit war stets positiv. Zu meiner ersten Amtszeit waren die Bearbeitung der Sachthemen und die dazu geführten Diskussionen im Gemeinderat sowie mit den Bürgern auf einem normalen zwischenmenschlichen Level. Mittlerweile nehmen Angriffe gegen meine Person aber Ausmaße an, die mir an die Substanz gehen und meine persönlichen Grenzen überschreiten“, erklärte Kühnl vor dem Gemeindeparlament.

Kühnl sieht die Entwicklungen in der Gemeinde mit Sorge: Sie kommt zu dem Schluss, dass die Ende 2017 erfolgten Angriffe zur Jugendarbeit sowohl im Gemeinderat als auch über Leserbriefe in Zeitungen der Zusammenarbeit mit den Jugendlichen in beiden Ortsteilen sehr geschadet haben. „Es scheint nun, dass Einiges, was so mühevoll zusammengeführt worden war, auseinanderbricht. Den Jugendlichen möchte ich sagen, dass das Vertrauen und die Zusammenarbeit mit ihnen was ganz Tolles war und mir sicherlich sehr fehlen wird“, unterstrich Kühnl, die viel Freizeit in ihre ehrenamtliche Tätigkeit investierte.

Dem Gemeinderat legte sie ans Herz, zu einer sach- und lösungsorientierten Gemeindepolitik zurückzukehren. „Persönliche Angriffe werde ich zukünftig nicht mehr einfach hinnehmen“, so der Schlusssatz in Kühnls Rücktrittserklärung.

Ihre Gemeinderatskollegen reagierten sehr betroffen. Hans Pröbstl (WG Hilgertshausen-Tandern) stellte fest, „dass verschiedene Leserbriefe schon wirklich unter die Gürtellinie gegangen sind“. Pröbstl betonte: „Wenn sogar der Pfarrer in der Kirche über den Streit spricht, dann wissen wir, wie weit wir es gebracht haben!“

Der stellvertretende Jugendreferent Hubert Oberhauser lobte das Engagement Kühnls. Dabei hob er die professionelle Jugendarbeit an der Schule hervor. „Sie hat viel mehr Energie aufgebracht, als sich jeder von uns vorstellen kann“, sagte Oberhauser und auch dessen Ratskollege Simon Schlatterer erinnerte daran, wieviel Herzblut Kühnl in die Jugendarbeit in Hilgertshausen und Tandern gesteckt habe. Er betonte schuldbewusst: „Wir hätten nicht dulden dürfen, dass die Jugendreferentin in so eine Lage gedrängt wurde.“ Jetzt sei ersichtlich, was für ein Schaden entstanden sei.

Bürgermeister Markus Hertlein bedauerte Kühnls Entscheidung, brachte aber Verständnis auf. Wie es mit der Jugendarbeit in der Gemeinde nun weitergeht, könne er zur Zeit nicht sagen. Was Hertlein an Kühnl besonders schätzte, sei ihre Art gewesen, auch die Jugendlichen zu Wort kommen zu lassen. Gerade in Sachen Ferienprogramm, Spielplatzgestaltung und Jugendraum habe Kühnl „Großartiges für die Gemeinde geleistet“. An den Gemeinderat appellierte er: Nun müsse man möglichst schnell zu sachorientierten Themen zurückkehren! Josef Ostermair

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