Hochkarätig: Händels Messiah

Dachau - Die Liedertafel Dachau hat die lange Kette ihrer hochwertigen Konzerte mit einem weiteren Juwel bestückt: Das Oratorium „Messiah“ von Georg Friedrich Händel ist ein Hochkaräter. Im Dachauer Schlosssaal gab es knapp drei Stunden lang Lobpreis zu Gottes Ehren, dessen Aufführung auch dem Chorleiter zur Ehre gereichte.

Der „Messiah“ war finaler Höhepunkt der Chorleitertätigkeit von Peter Frank, der die Liedertafel im 135. Jahr ihres Bestehens mit wachsenden Aufgaben zum Gipfel ihrer Leistung geführt hat.

Das Konzert war ein Paukenschlag, der nachdrücklich unterstreicht, dass sich der Laienchor stetig entwickelt hat, an seinen Herausforderungen gewachsen ist. Und die 70 Sängerinnen und Sänger blieben ihrem Maestro nichts schuldig. Sie dankten ihm seine Mühe, seine Visionen und den Glauben an ihre Fähigkeiten mit einer gigantischen Leistung. „Es war ein großartiges Erlebnis“, sagte ein Sängerin, und Dr. Kurt Benedini, Vorsitzender des Musikvereins, bestätigte: „Es war schwieriger als alles, was wir je vorher gesungen haben.“ Das haben auch die treuen Konzertgänger im beinahe ausverkauften Schlosssaal registriert: Tosender Beifall brach sich Bahn, das Publikum klatschte bis die Handflächen brannten. Es gab sogar Pfiffe und Getrampel, so groß war die Begeisterung.

Ein Jahr lang hat sich der Chor auf die hohen Anforderungen vorbereitet. Diese umfassten nicht nur ein Textbuch in Mittelhochenglisch, der Sprache jener Zeit, als Georg Friedrich Händel, ab 1727 englischer Staatsbürger, das Werk komponierte. Der Text stammt aus der Feder von Charles Jennens, der für das Libretto Bibelverse des Neuen Testaments, Prophezeiungen der Propheten und Psalme des Alten Testaments heranzog.

Das musikalische Werk ist eine christliche Offenbarung, die zuversichtlich stimmt und das ewige Leben verspricht. In 44 Einzelbeiträgen, davon 17 von beachtlicher Länge und Dichte für den Chor, behandelt es im ersten Teil die Verheißung Gottes, seine Geburt und die Erfüllung der Weissagungen. Im zweiten Teil wird das Leiden Christi, seine Auferstehung und den Sieg über das Heidentum dargestellt, während es im dritten Teil um das Jüngste Gericht und die Erlösung der Christen, den Sieg über den Tod, geht.

Mit großem Einfühlungsvermögen und energischem Dirigat hat Peter Frank die Aufführung gestaltet, Solisten, Orchester und Chor in einem großartigen Konzert homogen und harmonisch zusammengeführt. Konzertmeister Michael Friedrich hatte die Musiker, die allesamt Mitglieder des BR-Sinfonieorchesters sind, optimal vorbereitet. Als Garanten für den Wohlklang waren die professionellen Gesangssolisten Annette Mühlhans (Sopran), Barbara Müller (Alt), Bernhard Schneider (Tenor) und Benedikt Weiß (Bass) verpflichtet worden. Sie überzeugten mit klaren, prägnanten Stimmen und über weiten Strecken mit gut verständlicher Artikulierung. Barbara Müller gefiel einmal mehr mit ihrem samtigen Alt, Bernhard Schneider mit kräftigem und strahlendem Tenor.

Dem Chor gelang es hervorragend, die Glaubensinhalte zu transportieren. Die Sängerinnen und Sänger schienen von Euphorie getragen, erfüllten ihre Aufgaben bravourös. Sie meisterten die solistischen Kolorationen ebenso wie die effektvollen zeitverzögerten Einsätze, den Wechsel von innigen und sanften zu mächtigen, voluminösen Klangbildern. Und gaben dabei selbst ein prächtiges Bild ab: Selbstbewusst, strahlend und mit sichtbarer Sangesfreude. Hatte der Chor mit dem Hallelujah, dem bekanntesten Lied der Komposition, schon einen prächtigen Höhepunkt gesetzt, so geriet der Abschlusschor „Würdig ist das Lamm...“ noch einmal gewaltig und monumental. Und als bedurfte es noch deutlicher Nachdrücklichkeit als Schlusspunkt das Amen als kräftige, unantastbare Bestätigung hinterher.

Ergriffenheit und Begeisterung legte sich über das Publikum, ehe es nach kurzem Durchatmen donnernden Applaus spendete. Immer und immer wieder musste Peter Frank auf die Bühne zurückkehren - verdiente Ehre und angemessener Dank für eine gigantische Leistung: 27 Jahre Engagement und harte Arbeit, die seine Vision und Euphorie nicht dämpfen konnten. (don)

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