L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt ist gestorben

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Wie Zwillinge: Eva Hönigschmid und Max Mannheimer wurden am selben Tag in Mähren geboren.

Die Geschichte von Eva Hönigschmid

Viel mehr als eine Vorlese-Oma

Eisolzried - Viele Menschen kennen und kennt Eva Hönigschmid im Landkreis Dachau. Die Geschichte der 96 Jahre alten Eisolzriederin, der die Gemeinde Bergkirchen für ihre Verdienste sogar einen Baum gepflanzt hat, ist allerdings nur wenigen bekannt.

Eine besonders herzliche Begegnung fand am Rande des Holocaust-Gedenkkonzerts in der ehemaligen Papierfabrik in Dachau (wir haben berichtet) statt: Eva Hönigschmid, die aufgrund der Folgen des Krieges ihre Heimat in Mähren verlassen musste und sich vor Jahrzehnten mit ihrer Familie in Eisolzried in der Gemeinde Bergkirchen niedergelassen hatte, traf ihren alten Freund Dr. Max Mannheimer wieder. Es verbinde sie, wie Hönigschmid erzählt, „eine große Freundschaft“.

Kaum zu glauben, aber wahr: Beide wurden am selben Tag, dem 6. Februar 1920, in Mähren geboren und lebten, wie sie inzwischen wissen, damals nur 70 Kilometer voneinander entfernt. „Wir nennen uns Zwillinge, und wir sprechen Tschechisch miteinander“, sagte die 96-Jährige voller Freude beim Wiedersehen in Dachau.

Ihre Lebensgeschichten indes könnten unterschiedlicher nicht sein. Zur Premiere des Erzählcafés im Bruggerhaus in Bergkirchen durfte Eva Hönigschmid jetzt die Ihre erzählen. „Bürger erzählen Bürgern aus ihrem Leben“ – das ist eine Initiative von Sozialbüro, Gemeindebücherei und Vhs. Die 96-Jährige erzählte mehr als eine Stunde lang lebendig und humorvoll Episoden aus ihrem bewegten Leben. Anita Zacherl, die stellvertretende Vhs-Chefin: „Das ist schwer zu toppen“.

Fasziniert lauschten die rund 40 Zuhörer Eva Hönigschmid. Sie entführte sie in eine ihnen nicht vertraute Welt – nach Mähren, in eine wohlhabende, einflussreiche Industriellenfamilie, in die sie 1920 als Eva von Proskowetz hineingeboren wurde. Diese beeindruckende, sehr gebildete Frau spricht frei, hat alle Daten und Fakten präsent.

Büchereileiterin Inge Bortenschlager, die dreimal mit ihrer Freundin Eva deren alte Heimat besucht hat, illustrierte den Vortrag mit Bildern aus der Kindheit in Mähren, um einen Eindruck von der Landschaft, dem hoch herrschaftlichen Elternhaus und der Familie von Proskowetz zu vermitteln. Das „Naturkind“ Eva kletterte gerne auf Bäume und spielte verbotenerweise am liebsten mit den Kindern der Arbeiter aus der Zuckerfabrik ihrer Eltern, während in der Familie strenge Regeln mit vornehmen Tischsitten herrschten. „Die vier Kinder mussten sehr gesittet sein, um mit den Eltern zu essen“, erzählt sie. Und: „Es servierte ein Diener mit weißen Handschuhen“.

Weil sich Eva in der Schule schlecht benahm, wurde sie von einem Privatlehrer unterrichtet – „alles in Tschechisch“. Zu Hause wurde Deutsch gesprochen, mit der Gouvernante Französisch, und so wuchs Eva dreisprachig auf, was ihr später sehr zu Gute kam. Das Abitur schaffte sie, zwar nicht ganz ohne Mithilfe, und sie hätte gern Chemie studiert. Das klappte erst 1939 in München, als sie sich dann auch mit zwei Mitgliedern der „Weißen Rose“ anfreundete.

Sie lernte früh ihre „zukünftige Liebe“ kennen, war mit 17 Jahren verlobt und 65 Jahre lang mit ihrem Mann Wolfgang, einem Arzt, glücklich verheiratet. In Prag führte sie mit ihm und ihren beiden Kindern zunächst ein luxuriöses Leben und genoss in vollen Zügen die Kultur. Die Liebe zu Musik und Literatur hat sie ihr Leben lang gepflegt, selbst verfasste Texte zeugen von ihrer „ poetischen Ader“.

Als Ehemann Wolfgang im November 1942 eingezogen wurde, endete das schöne Leben, und die junge Frau zog zu ihren Eltern aufs Land, bis es 1944 politisch „brenzlig“ wurde und sie zunächst in Österreich Zuflucht fand. „Ich habe immer Glück gehabt“, sagt sie, „und war damals glücklich mit nur einem Zimmer“. Beruflich sah es für die höhere Tochter schlecht aus: „Ich konnte nichts außer drei Sprachen“. Ihr Mann hatte ebenfalls Glück und kehrte heil aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft zurück. Zwei weitere Buben wurden geboren, die Familie ließ sich schließlich in Eisolzried nieder, das landschaftlich an Mähren erinnert. Bemerkenswert ist, wie Eva Hönigschmid mit ihrer positiven Einstellung das Leben gemeistert hat, ohne die Verluste zu beklagen. Heiter und gelassen blickt sie zurück: „Es hat alles so sein müssen. Jeder hat sein Leben. Ich habe hier Luxus, mein Haus und meinen Garten“. Und dann kommt die Liebeserklärung an Eisolzried, das für sie zwar „keine neue Heimat“, aber in 43 Jahren zu ihrem Zuhause geworden ist: „Ich liebe Eisolzried und gehöre zu Euch“. Für ihre Verdienste in der Gemeinde Bergkirchen ist Eva Hönigschmid die Bürgermedaille in Silber im Dezember 2015 verliehen worden. Sie hat den Grundstein für die Gemeindebücherei gelegt und durch ihre Beiträge das kulturelle Leben bereichert.

ink

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