Vor der Kapelle begrüßte OB Bürgel (M., r.) General Barbato, neben Carlo Giovanardi (l.). sch

Mit Hoffnug auf Helden wie Giovanni Palatucci

Dachau - Italienische Staatspolizei mitten in Dachau: Mit Regierungsvertretern und hochrangiger Militärprominenz aus Rom und Salerno wurde die Wiedereröffnung der restaurierten Gedächtniskapelle Regina Pacis am Leitenberg gefeiert. Nach einer ökumenischen Messe legte die italienische Delegation einen Kranz nieder und enthüllte eine Gedenktafel zu Ehren des ehemaligen italienischen Polizeichefs Giovanni Palatucci an der Mauer des KZ-Friedhofes.

Mehrere Tausend Juden hat Giovanni Palatucci während des Zweiten Weltkrieges - als Polizeipräsident und Kommissar für öffentliche Sicherheit von Fiume. Nach der Kapitulation Italiens am 8. September 1943 kam Fiume unter deutsche Herrschaft. Um den Juden zu helfen, vernichtete Palatucci Polizeiakten, nahm Kontakt zu lokalen Partisanengruppen auf, gab Informationen über bevorstehende Razzien an die Gefährdeten weiter und behinderte Verhaftungen. Eine Beförderung und die damit einhergehende Versetzung nach Caserta lehnte er ab, um den verfolgten Juden weiterhin helfen zu können. Giovanni Palatucci wurde am 13. September 1944 von der SS festgenommen und in Triest ins Internierungslager gesperrt. Am 22. Oktober 1944 wurde er ins KZ Dachau überstellt, wo er wenige Wochen vor der Befreiung am 10. Februar 1945 im Alter von 36 Jahren starb.

Die in der Kapelle in italienischer Sprache gehaltene Messe begann bei Sonnenschein, bei der Wandlung setzte ein Gewitter ein, so dass das Vater Unser unter geöffneten Regenschirmen gebetet wurde - es endete bei Starkregen. Nach der Messe begaben sich die Anwesenden in die Krypta, um das neue Altarbild des Berliner Künstlers Norman Gebauer zu betrachten.

Oberbürgermeister Peter Bürgel bezeichnete das Treffen als Höhepunkt in den vielfältigen Beziehungen Dachaus zu Italien. Er sprach über das Schicksal der italienischen Häftlinge im KZ Dachau, das in seinem Ausmaß erst in den letzten Jahren durch neue Forschungen erkennbar geworden ist. Sie stellten 7,6 Prozent der Häftlinge und machten die sechstgrößte Gruppe aus. Insgesamt waren 10 000 Italiener im Laufe von eineinhalb Jahren in Dachau inhaftiert. Mehr als 1600 kamen um. „Nicht nur Giovanni Palatucci liegt hier begraben, auch viele andere Italiener haben hier auf dem Leitenberg ihre letzte Ruhestätte gefunden“, sagte Bürgel. Im Namen der KZ-Gedenkstätte sprach Dr. Kay Kufeke über die italienischen Häftlinge im KZ Dachau, die besondere Nachteile erdulden mussten und eine höhere Sterblichkeitsrate hatten.

Der italienische Staatssekretär Carlo Giovanardi und General Vittorio Barbato erinnerten an die Opfer aller Nationen, die ihr Leben für die Verteidigung des Vaterlandes gegeben haben. Sie bedauerten, dass die Welt leider immer noch voll des Bösen, der Gewalt und des Terrorismus sei, wie kürzlich in Oslo erfahren, und riefen Menschen aller Glaubensrichtungen auf, zusammenzuarbeiten, damit es auf dieser Welt noch weitere Giovanni Palatuccis gebe.

(sch)

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