Heiligenfigur
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Auch der heilige Leonhard kehrte vom Chiemsee wieder zurück nach Schönbrunn, wo er nun auf bessere Zeiten hoffen muss.

Seit mehr als 20 Jahren Baugerüste im Innenraum

Hofmarkkirche Schönbrunn bleibt eine Baustelle

Die Hofmarkkirche in Schönbrunn ist ein Juwel - und seit Jahren ein „Pflegefall“. Dass die Sanierung nicht fortgesetzt wird, ärgert nicht nur den Förderverein.

Schönbrunn – Seit 21 Jahren ist der Innenraum der Schönbrunner Hofmarkkirche von Gerüst umgeben, und seither warten die Gläubigen vergeblich auf die notwendige Innensanierung. Doch der Finanzkammer des Erzbischöflichen Ordinariats fehlt dazu das Geld. Von außen betrachtet, möchte man nicht glauben, dass diese wertvolle Kirche schon seit so langer Zeit unzugänglich ist.

Weil man aber in all den Jahren die Hoffnung nicht aufgab, dass auch die Innenrenovierung noch in Angriff genommen wird, hatte man die 1724 erbaute Hofmarkkirche Heilig Kreuz mit der damaligen Schließung völlig ausgeräumt und die gesamte Innenausstattung mit Altären, Skulpturen und Gemälden in den Restaurationswerkstätten Neubauer am Chiemsee ausgelagert.

Dass vor wenigen Tagen die Kunstwerke nun wieder mit Lkw in die Ewigkeitsbaustelle in Schönbrunn zurückgebracht wurden, obwohl der Putz an den Wänden und vieles mehr noch fehlt, enttäuscht vor allem den zum Zwecke der Renovierung gegründeten Förderverein „Hofmarkkirche Schönbrunn“. Diese Rückführung kommt auch für viele Gläubige aus der Gemeinde Röhrmoos einer Kapitulation gleich. Manche sprechen von einem Schildbürgerstreich.   

Kreisheimatpflegerin Dr. Birgitta Unger-Richter, die auch Mitglied im Vorstand des Fördervereins der Hofmarkkirche ist, macht kein Hehl daraus, „dass die Planungen ursprünglich anders aussahen“. Nach der Außensanierung dieses wertvollen Gotteshauses, die bereits vor acht Jahren abgeschlossen wurde, sollte – so Unger-Richter – „der Innenraum instand gesetzt werden, um dann die Altäre und Skulpturen nach erfolgter Restaurierung aufzunehmen. Dann wäre sowohl innen als auch außen das barocke Gesamtkunstwerk wieder als Kirchen- und Veranstaltungsraum erlebbar gewesen.“

Doch die Ausstattung kehre „nun in dem Zustand zurück, in dem sie die Kirche vor über 20 Jahren verlassen hat, von den Einlagerungskosten ganz zu schweigen“.  

Das Erzbischöfliche Ordinariat informierte die Kirchenverwaltung und den Förderverein bereits im Januar 2020 darüber, dass die Sanierung von Kirchen, die „unter Dach und Fach“ seien, also deren baulicher Zustand erst einmal gesichert ist und die über keine hohe Priorisierung verfügen, nicht mehr finanziell gefördert würden. In diesem Zuge werden – nicht nur in Schönbrunn – die Maßnahmen bis auf Weiteres eingefroren und die Ausstattungen wieder an die ursprünglichen Orte zurückgebracht, bis über weitere Maßnahmen entschieden wird.

In Höhe des Hochaltars werden in einer riesigen Kiste all die Kunstwerke im nach wie vor eingerüsteten Gotteshaus hoffentlich nicht auf Ewigkeit eingelagert.

Wie ist diese Entwicklung zu sehen? Von den Mitgliedern des Fördervereins wird das unterschiedlich bewertet. Auf der einen Seite herrscht Enttäuschung und Ratlosigkeit im Verein, der im Januar dieses Jahres durch den Tod von Gerhard Schmidbauer auch seinen bisherigen Vorsitzenden verlor. Positiv wird allein vermerkt, dass die Kunstwerke nach langer Zeit wieder „zuhause“ sind.

Und wie kann es weitergehen? Dazu sagt die Kreisheimatpflegerin: „Das Vorgehen für eine weitere Sanierung des Innenraums beinhaltet nach wie vor im ersten Schritt eine Untersuchung und Instandsetzung der Raumschale mit dem Deckengemälde und der Stuckausführung. Dann wäre im nächsten Schritt die Stein- und dann die Holz-Ausstattung wie das Gestühl, die Oratorien und Schränke in der Sakristei an der Reihe. Der letzte Bestandteil der Restaurierung wären dann die Altäre, Altargemälde und Skulpturen.“

Für die Sanierung wird viel Geld benötigt – vor Jahren ging der 2014 eigens zur Unterstützung dafür gegründete Förderverein von 5 Millionen Euro und einem Anteil der Pfarrgemeinde von 15 Prozent aus. Der zurzeit amtierende 2. Vorsitzende des Vereins, Burkhard Haneke, betont, „dass der Förderverein jetzt natürlich auch Überlegungen zu neuen Fundraising- und Spendenmaßnahmen anstellen wird“. Er weist allerdings nachdrücklich darauf hin, „dass die Erzdiözese bei allen Haushaltsproblemen ihre Verantwortung für die Sanierung der Hofmarkkirche nicht auf einen kleinen Förderverein abschieben kann“.

Der Verein trifft sich in diesem Monat zu einer Mitgliederversammlung mit Neuwahl des Vorstands. Dann soll das weitere Vorgehen besprochen werden. Unterstützer seien jederzeit willkommen. Einstweilen akklimatisieren sich die Kunstwerke an ihrem alten und gleichzeitig neuen Aufenthaltsort in einer großen Holzkiste und warten auf bessere Zeiten.

Josef Ostermair

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