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Humorvolle, grotesk überhöhte Darstellung: Janet Bens, die machtgierige Königin, und Ansgar Wilk als Claudius.

Operette im Hoftheater

Ins Groteske überhöht

Bergkirchen - In der ersten Premiere der neuen Spielzeit hat das Hoftheater Bergkirchen gleich ein Feuerwerk gezündet: Spritzig, witzig, temporeich und vor allem wunderbar schräg hat Herbert Müller die freche Operette „Königsmörder küsst man nicht“ von Claus Martin inszeniert.

Wie William Shakespeares tragische Helden und Jaques Offenbachs schwungvolle Musik in Einklang gebracht werden, fasziniert die Besucher vom ersten Augenblick an, und sie sparen nicht mit Szenenapplaus. In der operettenhaften Persiflage „Königsmörder küsst man nicht“ fließt viel Blut, bis endlich der junge Hamlet, Prinz von Dänemark, seine Ruhe hat, die lüsterne Ophelia mit dem aufreizenden rosafarbenen Kleid und der wirren blonden Perücke ihm nicht mehr auf den Leib rückt. Hamlet spricht das berühmte letzte Wort: „Der Rest ist Schweigen“.

Für die Sopranistin Helena Schneider ist diese vielseitige Rolle ein gelungener Einstieg als neues Mitglied des Ensembles, sie kann sich voll entfalten, singt und spielt den quirligen jungen Hamlet mit roter Perücke kess und charmant. Hamlet dichtet, rezitiert und will vor allem seinen Vater, den ermordeten alten König (Herbert Müller), rächen.

Dieser hatte mit Stil nichts im Sinn, doch wenn er jovial ins Publikum ruft „Hallo Volk“, kommt die Antwort prompt: „Hallo lieber König“. Gierig nach Macht, schreckt die blutrünstige Königin Gertrud (Janet Bens) vor nichts zurück und umgarnt Claudius (Ansgar Wilk), um ihn als Zwischenlösung auf den Thron zu bringen. Sie stimmt mit großen Gesten ihren dramatischen Gesang an, ist wie alle Figuren grotesk überzeichnet, aber sie agiert umwerfend komisch. Ein Gewinn, dass die Sopranistin und Schauspielerin Janet Bens nach längerer Pause wieder auf die Bergkirchner Bühne zurückgekehrt ist.

Ansgar Wilk spielt ebenfalls sein komödiantisches Talent voll aus, stolziert wie ein Gockel über die Bühne und hat immer Lust auf seine Maitresse (Lisa Wittemer), die wie alle Mitwirkenden in mehreren Rollen zu sehen ist. Jürgen Füser gibt gekonnt dem buckligen Henker die Konturen. „Ein Henker trägt rot“, lässt er verlauten, als ihm gleich zu Beginn des Stücks der Schneider aus Paris (Tobias Zeitz) die neuesten Kreationen präsentiert. So wie Tobias Zeitz über die Bühne wirbelt, avanciert er sofort zum Publikumsliebling. Die Darsteller spielen alle hervorragend: Die Sänger zeigen ihr schauspielerisches Talent, und die Schauspieler können gut singen.

Die Pianistin Petra Morper hat die musikalische Leitung der Aufführung und begleitet souverän. Die von Ulrike Beckers kreierten Kostüme sprechen eine eigene Sprache, aufwändig sind sie und wie die Figuren ins Groteske überhöht. Das Bühnenbild lehnt sich mit seinen Säulen an das Elisabethanische Theater an.

Die Premierengäste waren hingerissen von der humorvollen Darbietung mit 21 Rollen, sieben Darstellern, einer Pianistin – und zehn Toten. Sie bedankten sich mit lang anhaltendem Beifall für den äußerst unterhaltsamen Theaterabend.

ink

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