Ein Hotel mit 314 Zimmern

Dachau - Ein Bauherr plant, in Dachau-Süd ein Hotel zu errichten. Mit 314 Zimmern. Grund genug für den Bauausschuss, sich Gedanken zu machen - über Geschosse, Gebühren und Gewinn.

Es ist ein gewaltiges Gebäude, das dort draußen, am Ende an der Karwendelstraße, im Süden Dachaus entstehen soll: ein Hotel mit sage und schreibe 314 Zimmern. Der Investor hat einen Antrag auf Baugenehmigung eingereicht, den der Bauausschuss nun diskutiert hat.

Selbst die Stadträte waren etwas überrascht von dem Projekt: „Brauchen wir überhaupt so ein großes Hotel?“, fragte Erwin Zehrer (CSU) irritiert. Und: „Schon heftig“, urteilte er über die Geschossflächenzahl von 1,62 - das Verhältnis der gesamten Geschossfläche zu der Fläche des Baugrundstücks. Das Grundstück hat etwa 5700 Quadratmeter, insgesamt sollen etwa 9300 Quadratmeter Geschossfläche darauf gebaut werden.

Und damit 3000 mehr als eigentlich zulässig. „Das ist eine Geschossflächenmehrung von 3000 Quadratmetern“, betonte deshalb auch Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) in der Sitzung. Und ließ das Stichwort fallen: sozialgerechte Bodennutzung. Ein Begriff, der in den Sitzungen kaum vorkommt - es sei denn, Kühnel spricht es an.

Vor fast 13 Jahren hat der Stadtrat beschlossen, die sozialgerechte Bodennutzung anzuwenden. Denn damit kann die Stadt einen Teil der Kosten städtebaulicher Planungen von den Investoren bezahlen lassen (siehe Kasten). Doch diese Möglichkeit wird von der Verwaltung kaum erwogen. Wie auch in diesem Fall. In der Beschlussvorlage stand nur, dass geplant ist, eine „Befreiungsgebühr“ zu erheben. Die, wie Bauamtsleiter Michael Simon in der Sitzung erklärte, sich „am wirtschaftlichen Vorteil orientiert“ und in diesem Fall etwa 100 000 Euro belaufen würde.

Doch genau dieses Übergehen trieb Kühnel fast zur Weißglut: „Ich hab jetzt wirklich mal den Kanal voll, dass man das immer wegwischt“, polterte der Stadtrat. Rechtsamtsleiter Josef Hermann polterte sogleich zurück: „Wenn Sie Gewinn abschöpfen wollen, dann können Sie das: mit der Befreiung.“ Und Simon unterstützte seinen Kollegen mit der Aussage: „Die sozialgerechte Bodennutzung ist sowieso nur bei einer Baupländerung möglich.“ Doch Kühnel störte sich daran, dass die Möglichkeit, die sozialgerechte Bodennutzung anzuwenden, von der Verwaltung nicht einmal aufgeführt wurde. „Wir könne das Ganze auch einfach verschenken für 0 Euro - aber wir sollten zumindest hier darüber abstimmen können.“ Dem Bündnispolitiker zur Seite sprang schließlich ein CSUler: Christian Stangl. „Ich kann den Ärger verstehen - weil wir uns diesem Thema nicht so stark widmen. Sie sollte jedoch in aller Kürze und Würze dargelegt werden.“

Schließlich ging der Oberbürgermeister diplomatisch dazwischen. „Dass die Befreiung an der Grenze liegt, ist uns eh klar“, betonte Peter Bürgel (CSU). „Aber eine Änderung des Bebauungsplans dauert etwa eineinhalb Jahre - und jetzt warten die Anwohner schon so lange darauf, dass was passiert.“ Darauf, dass sie endlich einen Lärmschutz bekommen - und zwar in dem Fall in Form des Hotelgebäudes, das das Wohnquartier von den Bundesstraßen abtrennen soll. Das, so erklärte Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU), wäre für die Anwohner „eine Wohltat“.

Schließlich beschlossen die Räte die Baugenehmigung harmonisch und einstimmig. Das 9000-Quadratmeter-Hotel wird also wohl kommen. „Wir sind hoffnungsfroh“, frohlockte Schmidt-Podolsky. „Wobei wir es fast nicht glauben können.“

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