Das Hörbuch kostet 14 Euro.kn

„Ich taugte nicht zum Helden“

Dachau - Unter dem Titel "Die Zeitzeugen sind nicht verstummt: Gesprochene Erinnerungen“ wurde von Historiker Wolfgang Benz und der ehemaligen Leiterin der Gedenkstätte Dachau, Barbara Distel, ein Hörbuch herausgegeben.

Mit ruhiger Stimme liest Caroline Ebner die Leidensgeschichte von Anise Postel-Vinay vor. Der Zeitzeugenbericht der Französin ist mit sieben weiteren Zeugnissen von KZ-Überlebenden unterschiedlicher Herkunft aufgenommen worden. Die Berichte der männlichen Überlebenden spricht Wolf Euba. Das daraus entstandene Hörbuch „Die Zeitzeugen sind nicht verstummt: Gesprochene Erinnerungen“ wurde vom Historiker Wolfgang Benz und der ehemaligen Leiterin der Gedenkstätte Dachau, Barbara Distel, herausgegeben. Die CD ist gerade im Verlag Dachauer Hefte erschienen.

„Wir wollten uns bei den Berichten nicht auf Dachau festlegen“, erklärte Barbara Distel. „Deshalb haben wir diese acht Zeitzeugenberichte ausgesucht, weil sie das breite Spektrum der Lagererfahrung und Verfolgung aufzeigen.“ Auch wird deutlich, welche emotionalen Verletzungen die Inhaftierten neben den physischen Schmerzen durchleben mussten. Verletzungen, die sie bis heute nicht verwunden haben.

Postel-Vinay beschreibt dieses Gefühl anhand eines Schlüsselerlebnisses. Als ihre Freundin Germaine Tillion wegen eines Kieferabszesses im Revier des Ravensbrücker KZs behandelt wurde, versprach sie ihr, sich um die 72-jährige Mutter Émilie zu kümmern. Am nächsten Tag war Germaine noch nicht zurück, und die Frauen mussten sich zur Selektion auf dem Hof aufstellen. Anise versuchte, die schwache Madame Tillion vor den wachsamen Augen der Aufseher zu verstecken - vergeblich. Einer der Wärter entdeckte die beiden und riss sie auseinander. Daraufhin wurde Madame Tillion in die Todeskolonne gesteckt. „Ich fühlte mich feige. Ich war von Kummer und Gewissensbisse wie erschlagen, und der Gedanke an Germaine folterte mich“, sollte Anise Postel-Vinay später erzählen. „Nun war also der Beweis erbracht: Ich taugte nicht zum Helden.“

Trotz dieser schmerzlichen Erfahrung blieb Postel-Vinay stark und überlebte den Holocaust. Auch ihre Freundin Germaine Tillion wurde aus Ravensbrück befreit. Beide Frauen setzen sich bis heute in Frankreich unermüdlich für die Aufklärung der Nazi-Verbrechen ein. (mhz)

Am Sonntag, 16. Januar, findet um 11 Uhr im jüdischen Gemeindezentrum am Jakobsplatz in München eine Matinee des Verlags Dachauer Hefte statt. In diesem Rahmen wird das Hörbuch vorgestellt. Der Eintritt ist frei. Das Hörbuch kostet 14 Euro.

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