Die falschen Container stehen nun am Kaufland-Parkplatz. foto: hab

Illegale Firma lässt Container verschwinden

Dachau - Kleidercontainer sind gut, wenn sie Spenden sammeln. Denn illegale Firmen wittern leichtes Geld - und machen Benefiz-Organisationen das Leben schwer.

Auf einmal waren sie weg. In einer Nacht- und Nebelaktion verschwanden die zwei Altkleidercontainer, die vom Arbeitskreis Umweltschutz am Kaufland Parkplatz in der Danziger-Straße aufgestellt waren. Arbeitskreis-Vorsitzender Johann Hechendorfer fiel aus allen Wolken, als ihn der Anruf eines aufgebrachten Grundstückseigentümers an der Theodor-Heuss-Straße erreichte: Er hatte morgens die zwei abgeladenen Container bei sich vorgefunden.

Von einem Böse-Buben-Streich kann dabei keine Rede sein: Schon allein das Gewicht der Container macht einen unprofessionellen Abtransport unmöglich, glaubt Hechendorfer: „Die Dinger sind extrem schwer, es braucht schon einen Kran, um sie von der Stelle zu bewegen. Mit einem normalen Hubwagen wäre das nicht möglich gewesen.“

Doch es wird noch dubioser: Anstelle der Behälter waren über Nacht illegale Container einer mysteriösen Firma namens Content KG mit Sitz im schwäbischen Kissing auf dem Parkplatz des Lebensmitteldiscounters aufgetaucht. „Macht Mit! Der Umwelt zuliebe!“, wirbt das Unternehmen. Darunter eine 01805-Bezahlhotline, die aber lediglich eine endlose Warteschleife bietet.

Der Arbeitskreis Umweltschutz ist nicht das erste Opfer solcher Aktionen. In den vergangenen Jahren ist das zwielichtige Geschäft mit Altkleidern und -schuhen offenbar zu einem regelrechten Trend angewachsen: Städte und Gemeinden werden mit illegalen Containern, die aus dem Nichts auftauchen, überschwemmt. „Das Problem ist, dass deutschlandweit der Preis für gebrauchte Kleidung hoch ist“, erklärt Klaus Prestele, Geschäftsführer des karitativen Vereins „Aktion Hoffnung“, der eng mit Hechendorfers Arbeitskreis zusammenarbeitet. Tatsächlich lassen sich bis zu 500 Euro mit nur einer Containerladung verdienen, der Arbeitsaufwand dabei ist minimal. „Das sind meist Firmen ohne Sammelgenehmigung, die mit fantasievollen und Mitleid erregenden Namen und Symbolen die Spender irritieren und täuschen“, warnt er. Der Dachverband für karitative und kirchliche Sammlungen, FAIRwertung, warnt auf seiner Website: „Sie nennen sich ,Roter Ring Kinderhilfe’ oder ,Pater Rodriguez’. Sie drücken auf die Tränendrüse und bitten: ,Helfen Sie uns!’ Mit dieser Masche wird gezielt an die Hilfsbereitschaft der Menschen appelliert.“

Wohltätige Stiftungen leiden darunter, dass ihnen Spender von solchen Unternehmen ausgespannt werden: „Erstens, weil so die Altkleidersammlungen in Verruf gebracht werden, und zweitens gehen uns so die Sammelmengen verloren“, so Prestele. Seit einiger Zeit bietet die „Aktion Hoffnung“ daher Grundstückseigentümern an, illegal aufgestellte Sammelbehälter kostenfrei zu entfernen. Auch die Stadt Dachau behält sich vor, unerlaubte Blechbehälter zu beseitigen: „Grundsätzlich ist jegliches Aufstellen gewerblicher Container auf öffentlichem Grund in Dachau verboten“, macht Stefan Januschkowetz vom Ordnungsamt klar. „Wenn so etwas trotzdem passiert, gehen wir dagegen natürlich vor.“ Die 15 Arbeitskreis-Sammelstellen sind genehmigt, denn ihr Erlös kommt auf direktem Wege Kindern in einem Kinderheim bei Krakau sowie Projekten in Tansania und Indien zugute.

Trotz allem bleiben die Container nun erstmal beim Arbeitskreis. Hechendorfer hat Angst, dass ihm die Betrüger seine Sammelbehälter demolieren oder gar klauen, sollte er sie wieder aufstellen.

Eine kleine Spitze gegen seine Widersacher hat er sich dann doch erlaubt - und die gesetzeswidrigen Kaufland-Container um 180 Grad gedreht. Die Einwurf-Klappen sind somit versperrt - damit wirklich niemand den Abzockern auf den Leim geht.

(Bartl von Laffert)

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