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Der Dachauer Kinderfestzug ist eine Attraktion beim Volksfest.

Heuer wieder

Immer ein Volksfest-Höhepunkt: Der Kinderfestzug

Dachau - Er ist eine Attraktion, ein Volksfesthöhepunkt, eine Plackerei: der Dachauer Kinderfestzug. Vor 60 Jahren machte er sich erstmals auf den Weg.

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Mit dem Dachauer Kinderfestzug sind für alle Zeiten zwei Namen verbunden: Margarethe Kron, die das Spektakel ins Leben rief, und Heidi Fitzthum, die nach Jahren der Pause den Kinderfestzug wiederbelebte.

Alle zwei Jahre bewegt sich der Kinderfestzug mit über 50 Gruppen und zwischen 500 und 600 Kindern auf der Sechs-Kilometer-Strecke vom Landratsamt Dachau über den Altstadtberg entlang der Festwiese zur Kreuzung Münchner/Schiller/Bahnhofstraße und in einem Gegenzug zurück zur Amperbrücke. Es ist ein Ereignis, das tausende Besucher nach Dachau zieht, auf das die Teilnehmer, besonders die kleinen, hinfiebern, das vieler Helfer bedarf.

Margarethe Kron und ihr Helferteam aus Angestellten und Freunden haben 1953 erstmals die Kinder auf den Weg geschickt, begleitet von Musik, Schaustellern, blumenumkränzten Taferln. Mit den Jahren ist eine Dachauer Spezialität daraus geworden, eine Art Kostümfest mitten im Sommer, bei dem historische Figuren, Märchen und Figuren aus beliebten Kindergeschichten abgebildet werden: als Fußtruppen oder auf Wagen.

Die schönen Dirndl-Madln vom Dachauer Volksfest

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Es war eine organisatorische Herausforderung und keine kleine Aufgabe, über 600 Kinder mit ganz unterschiedlichen Gewändern auszustatten – abenteuerlich als Robin Hood, kriegerisch als Wickie, majestätisch als Kleopatra oder zum Anbeißen süß als kleine Damen und stramme Soldaten der Biedermeierzeit oder als temperamentvolle Spanier. Weitgehend können sie mitbestimmen, bei welcher Gruppe sie mitwirken wollen, wobei Größe und Alter natürlich eine Rolle spielen.

Viele fleißige Hände haben die Kostüme schon Wochen, Monate vorher auf Vordermann gebracht, Knöpfe angenäht, geplatzte Nähte repariert oder einfach nur gelüftet und gebügelt, bevor die Kinder sie anziehen, um für kurze Zeit jemand anderer zu sein. Und auch Mütter und Väter mussten mittun: als Betreuer und Wegbegleiter, Kassierer am Wegrand, und, und, und. So mancher hatte über viele Jahre seine spezielle Aufgabe – und sei es nur, Getränke, Semmeln und Wurst zu „fechten“, für die Kinderbrotzeiten nach dem Umzug.

Dachauer Volksfest: Damen-Lederhose im Trend

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Der Glanz des Kinderfestzugs wurde 1970 mit den Regengüssen eines heftigen Unwetters weggespült: Auf den letzten Metern wurden die Teilnehmer geduscht, in Windeseile die Kostüme eingesammelt und zusammengerafft und auf einen Haufen zusammengetragen. Die klitschnassen Textilien und Dekorationen konnte nicht trocknen und nicht gerettet werden: Der über die Jahre angewachsene Fundus war dahin. Das war das Ende dieses liebenswerten Spektakels. Margarethe Kron und ihre Helfer konnten und wollten nicht mehr: Es fehlte an Kraft, Motivation, aber auch an Geld und Impulsen.

Als Margarethe Kron, die Kron-Maus, wie sie ihre Freunde nannten, im Jahr 1987 starb, schien auch der Kinderfestzug endgültig gestorben zu sein. Vielleicht wäre das auch eingetreten, wenn nicht Heidi Fitzthum ein Versprechen gegeben hätte: Sie wollte den Kinderfestzug wieder zum Laufen bringen – und tat alles, was in ihren Kräften stand. Sie mobilisierte Helfer, sammelte Geld, organisierte Kleider, appellierte an die Behörden. Und sie schaffte es: Ab 1989 gab es wieder einen Kinderfestzug. Erst etwas kleiner und bescheidener mit 190 Kindern auf deutlich kürzerer Wegstrecke. Aber schon 1995 hatte der Zug wieder einen Umfang erreicht, dass der organisatorische Aufwand nur noch alle zwei Jahre zu stemmen war. Der Förderverein Dachauer Kinderfestzug wurde ins Leben gerufen, denn es können gar nicht genug Unterstützer sein. Dass Heidi Fitzthum viele Aufgaben an ihre beiden Töchter Renate Lederer und Tina Seebach „delegiert“ hat, liegt in der Natur der Sache: Die beiden sind samt ihren Familien regelrecht in das Projekt hineingewachsen – wie auch die Vorstandsmitglieder Günther Dietz, Gertrud Stock, Christian Schmid und Michaela Rabe . Sie sind besonders dankbar, wenn sich einzelne Gruppen selbst organisieren: Vereine.

Die Veranstaltung steht und fällt mit dem ehrenamtlichen Engagement und der Unterstützung vieler. Ohne die landwirtschaftlichen Fahrzeuge, die viele Bauern und der Dachauer Bulldog-Club alljährlich unentgeltlich zur Verfügung stellen, und die Aufbauhelfer, die aus dem Material, das vielfach auch gesponsert ist, die Märchen- und Fantasiewelt entstehen lassen, gäbe es keinen Kinderfestzug. Daran sollten die Besucher denken, wenn sie fürs Zuschauen am Straßenrand abkassiert werden – und ruhig einmal tiefer in die Tasche greifen. Vom Applaus und der Begeisterung alleine kann so ein Projekt nicht am Leben erhalten werden.

Annemarie Donaubauer

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