Streit um Bezahlung eskaliert

Prügel statt Pizza

Wegen gefährlicher Körperverletzung standen zwei junge Männer vor dem Amtsgericht. Sie hatten nach einem Streit um unbezahlte Pizzen einen Pizzabäcker verprügelt. Doch auch der hat zugeschlagen.

Dachau – „Es ging doch nur um vier Margheritas“, sagte der Pizzabäcker immer wieder während seiner Aussage. Dass diese Bestellung zu einer ausgewachsenen Schlägerei führen würde, hatte wohl keiner der Beteiligten erwartet. Trotzdem mussten sich jetzt zwei junge Männer vor Gericht dafür verantworten. Vier Jugendliche aus Dachau und München hatten bei einem Dachauer Lieferservice vier Pizzen bestellt, vor Ort dann aber gemerkt, dass sie gar nicht genügend Geld dafür hatten. Was dann geschah, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen.

Die beiden Angeklagten blieben bis zum Ende bei ihrer Version, dass die Aggression von den Angestellten des Pizza-Lieferservices ausgegangen sei. Und eigentlich wollten sie auch gar nicht dort bestellen. „Ein Freund hat aber aus Versehen bei der falschen Pizzeria angerufen“, erklärte einer der Angeklagten, ein 19-Jähriger aus Dachau.

Als sie die Pizzen abholen wollten und vor Ort bemerkten, dass ihr Geld gar nicht reicht, soll der Pizzabäcker laut geworden sein. „Er hat direkt in einem aggressiven Ton geredet“, erklärte der Angeklagte aus München. Dann versuchte er, drei der vier Jugendlichen aus dem Laden zu werfen. Mit dem Vierten, derjenige, der die Pizzen bestellt hatte, habe er sich aber gut unterhalten können, wie der Pizzabäcker betonte. „Der hat einen vernünftigen Eindruck gemacht“, erklärte er vor Gericht.

Als die drei anderen sich jedoch weigerten, zu gehen, habe er einen von ihnen „rausgestellt“, wie es der Pizzabäcker formulierte. Das ließen sich die jungen Männer nicht gefallen – die Angeklagten fingen an, auf den Pizzabäcker einzuschlagen und einzutreten. Doch der wusste sich zu wehren, nahm einen der Angeklagten in den Schwitzkasten und zerrte ihn nach draußen. Dort schlug er auch auf den zweiten Angeklagten ein, wie ein Handyvideo belegt.

Daran erinnern wollte er sich bei seiner Zeugenaussage aber nicht. „Zu schnell“ sei alles gegangen, und da könne er auch nicht ausschließen „selbst geschlagen“ zu haben. Dass es zu dieser Keilerei kam, wollten auch die beiden Angeklagten gar nicht bestreiten.

Die ersten Schläge seien aber von dem Pizzabäcker und seinen Mitarbeitern ausgegangen. Die jungen Männer hätten lediglich versucht, sich zu verteidigen. „Sie waren zumindest diejenigen, die die schwereren Verletzungen davongetragen haben“, stellte Richter Daniel Dorner fest. Ein Veilchen war aber das Schlimmste, was an diesem Abend an Verletzungen zustande kam.

Am Ende ging die Verhandlung aber für alle Beteiligten glimpflich aus. Das Verfahren wurde eingestellt. „Die Körperverletzung ist nicht nachweisbar“, erklärte Dorner den Vorgang. Und auch der Pizzabäcker hat Glück gehabt. „Ich habe mich ehrlich gewundert, dass das Verfahren gegen ihn so einfach eingestellt wurde“, meinte Verteidiger Joachim Schwarzenau.

Thomas Benedikt

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