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Integration beim Taekwondo: Beim TSV Indersdorf trainieren viele Asylbewerber. foto: 

Integration von Flüchtlingen

TSV Indersdorf: Beim Kämpfen Freundschaften schließen

Indersdorf - Sport verbindet – da sind sich die Inderdorfer Sportler einig. Deshalb fördert der TSV Indersdorf die Integration von Asylbewerbern. Beim Taekwondo-Training entstehen Freundschaften.

Seit einiger Zeit hat Amadou Faye ein neues Hobby: Der 28-jährige Senegalese trainiert in Indersdorf Taekwondo. Ein Afrikaner, der in Bayern eine koreanische Sportart übt. So sieht Völkerverständigung in Indersdorf aus. Der TSV Indersdorf legt großen Wert darauf, Flüchtlinge in den Verein zu integrieren. Denn davon profitieren alle.

Amadou Faye ist froh, zum Taekwondo-Training gekommen zu sein. „Ich bin auf die Idee gekommen, hier Taekwondo anzufangen, weil ich immer an den Sporthallen des Gymnasiums vorbeigekommen bin und gesehen habe, dass da irgendetwas ist“, sagt er. „Dann habe ich nachgefragt, was das ist, und konnte anfangen, mitzutrainieren.“

Er hat beim Training auch sein Deutsch verbessern können und kann sich mittlerweile gut ausdrücken. Am Anfang versuchten alle, mit ihm Englisch zu sprechen. Dabei kann er gar kein Englisch, im Senegal spricht man Französisch. Inzwischen klappt die Verständigung.

Amadou Faye ist nicht der einzige Flüchtling, der in Indersdorf Taekwondo trainiert. „In letzter Zeit haben wir sehr viele Asylbewerber als neue Mitglieder dazugewonnen“, sagt Florian Stahl, Taekwondo-Trainer und Abteilungsleiter des TSV. „Als Verein sehen wir unsere gesellschaftliche Aufgabe darin, schwächere Menschen, Menschen mit Handicap oder mit gesundheitlichen Einschränkungen zu integrieren.“ Und dazu gehörten auch Asylbewerber. „Die kommen hierher und haben erst einmal nichts zu tun“, sagt Florian Stahl. Im Taekwondo-Training sind sie willkommen.

Obwohl die Flüchtlinge aus vielen verschiedenen Ländern stammen, gibt es kaum Kommunikationsprobleme. „Der Sport erklärt sich ohne Worte“, meint Friederike Krisch, ebenfalls Taekwondo-Trainerin beim TSV. Sie weiß, dass die Asylbewerber voll motiviert sind und schnell lernen. Kirsch ist überzeugt: „Es geht darum, gemeinsam zu trainieren und Spaß zu haben. “ Alter, Bildungsstand oder Nationalitäten sind zweitrangig. „In unseren Trainings kommen alle Menschen zusammen. Wir haben auch keine getrennten Trainings zwischen Männern und Frauen“, erklärt Abteilungsleiter Florian Stahl.

Die Kampfsport-Abteilung des TSV Indersdorf arbeitet mit der U-Chong-Schule in München zusammen. Deren Meister Chang Jae-Hee hat ein philosophische Prinzip entwickelt, das über das rein körperliche Wissen von Taekwondo hinausgeht. „U-Chong steht für den Geist der Freundschaft, auch unter allen Kulturen“, erklärt Friederike Krisch. Wörtlich übersetzt heißt U-Chong „tief empfundene Freundschaft“.

Ursprünglich kommt die Kampfsportort aus Korea. „Die nehmen uns auf, also nehmen wir auch andere auf. Wir sind eine große Familie“, sagt Florian Stahl. Da schotte sich niemand ab, „niemand lernt etwas und enthält das dann den anderen vor.“ Auch die Flüchtlinge werden in jeder Hinsicht in die Gemeinschaft aufgenommen.

Sie bereichern das Training, findet auch Stefan Wähler, 24, ein anderer Taekwondoka. „Sport ist wichtig, um in die Gesellschaft reinzukommen“, sagt er. „Ich habe selbst ein Semester in Finnland verbracht, da habe ich auch Taekwondo gemacht, um reinzukommen.“ Er hält noch immer Kontakt zu vielen Taekwondoka aus Finnland. Auch Florian Stahl fällt auf, dass alle vom Taekwondo profitieren. „Die Asylbewerber, die länger bei uns trainieren, integrieren sich hervorragend“, sagt er.

Diese Erfahrungen haben im TSV schon die Fußballer gesammelt. Vor mehr als zwei Jahren luden sie Flüchtlinge aus der Unterkunft in der Indersdorfer Tennishalle zum Training ein. „Das sind doch junge Burschen. Die müssen was tun“, sagte Abteilungsleiter Martin Schmeller damals. Sein Plan war erfolgreich: Mittlerweile spielt einer der Flüchtlinge fest in der ersten Mannschaft und drei bei der Jugend. „Wir sind immer offen für jeden, der bei uns mitspielen will“, sagt Schmeller.

Genau wie die Taekwondoka. Die Abteilung arbeitet eng mit dem Indersdorfer Helferkreis zusammen. Ein Problem ist aber, dass Flüchtlinge oft nur unregelmäßig ins Training kommen können. Gründe dafür seien die Fluktuation, weil Asylbewerber in andere Unterkünfte verlegt werden, und die schwierige Anfahrt aus anderen Orten, so Stahl. Gerne holt er die Flüchtlinge ab und nimmt sie mit ins Training. Oft weiß er aber nicht, wann und wohin die Asylbewerber umziehen.

Wenn er etwas mitbekommt, vermittelt er sie an andere Taekwondo-Gruppen in der neuen Umgebung. Er hofft, dass es in Zukunft eine noch engere Zusammenarbeit geben wird. Flüchtlinge wie Amadou Faye würden auf jeden Fall davon profitieren.

Von Eva Lang

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