Andere Kommunen sperren sich

Indersdorf nimmt Flüchtlinge auf

Indersdorf - Das Landratsamt Dachau sucht verzweifelt nach Unterkünften für Asylbewerber. Nun wird Indersdorf als erste Gemeinde neben Hebertshausen Flüchtlinge aufnehmen. Doch die Situation ist immer noch brisant:

Solidarität. Das ist ein Wort, das in der Indersdorfer Gemeinderatssitzung am Mittwochabend sehr oft fiel. Bürgermeister Josef Kreitmeir will sich solidarisch zeigen - mit dem Landkreis und mit seinem Bürgermeister Kollegen aus Hebershausen. Denn den Landkreis erwarten bis Jahresende 150 neue Flüchtlinge, die Quartiere in Dachau sind übervoll. In Hebertshausen sind derzeit 35 Asylbewerber untergebracht, und die Integration läuft gut. Weil es keine Massenunterkunft ist.

Damit das so bleibt, hat Indersdorf bereits vor Monaten dem Landratsamt leere Gebäude und geeignete Grundstücke gemeldet. „Jetzt wird der Kreis für die Unterbringung entweder ein Grundstück bei uns pachten oder eines kaufen“, informierte Kreitmeir. Beide Standorte sind im Industriegebiet, eines an der Riederstraße, eines an der Industriestraße. „Hier könnten wir zwei Wohnmodule aufstellen“, sagt Dr. Markus Meckler vom Landratsamt. Heißt moderne Container - solche, in denen auch demnächst das Landratsamt bei seinem Umbau für drei Jahre untergebracht wird.

Die Indersdorfer Gemeinderäte zeigen sich grundsätzlich einverstanden - wobei der Ton manches mal vom höflichen abkam. „Irgendwo müssen die Leute ja hin“, sagte etwa Phillip Blumenschein (CSU), „wir können sie ja nicht auf den Mond schießen“. Blumenschein verstehe nicht, wieso sich „immer Indersdorf solidarisch zeigen soll, während andere nie Asylbewerber aufnehmen“. Indersdorf hatte bereits in den 90er Jahren Flüchtlinge aufgenommen. Doch Josef Kreitmeir entgegnete: „Es kann nicht jeder sagen: Wir müssen den Leuten helfen, aber nicht direkt bei uns.“ Hubert Böck (SDP) ging es vor allem um die Größe der Unterbringung: „Wenn wir ein Massenlager errichten, kann das mit der Integration nicht klappen. Lieber weniger Flüchtlinge und auf zwei Standorte verteilt.“ Die Räte beschlossen, dem Landratsamt das Okay für die Grundstücke zu geben, baten jedoch um eine Begrenzung auf 40 Flüchtlinge.

Deshalb ist es so wichtig, dass alle Gemeinden zusammen helfen. „Wenn sich vier Gemeinden melden, hätte keine ein Problem“, sagt Markus Mäkler. „Dann wären es kleine Gruppen, und es gäbe keine Massenunterkünfte.“ Denn: „Wir wollen keiner Gemeinde mehr zumuten, als sie stemmen kann.“

Josef Kreitmeir ist aus Mecklers Sicht ein sehr vorbildlicher Bürgermeister. „Er hat uns rechtzeitig informiert, wo es Grundstücke und leerstehende Gebäude gibt.“ Die Mithilfe der Gemeinden ist für ihn essentiell. „Ich hab’ hier keine Liste rumliegen, die sagt: Hier gibt es eine Fläche, die der Gemeinde gehört, auf die wir Wohncontainer stellen könnten“. Wer sich also nicht meldet, ist erstmal raus. „Wir haben uns Mal ein Gebäude angeschaut - diese Möglichkeit hat sich allerdings zerschlagen“, sagt Meckler. Doch bei dieser Besichtigung entdeckten die Beamten ein anderes leerstehendes Gebäude. „Davon hatte uns aber der Bürgermeister nie etwas gesagt.“ Es fange schon bei der Bereitschaft an, die bei vielen fehlt. Lippenbekenntnisse schaffen keine Unterkünfte - darunter leiden müssen die, die sich mit dem Thema gewissenhaft auseinander setzen.

Was Meckler im Moment wirklich Bauchschmerzen bereitet, ist, wenn er ganz plötzlich Familien unterbringen muss. „Wir sind überbelegt. Wir haben alle Pensionen und Hotels nach einem Zimmer gefragt, und jedes Mal eine Absage bekommen.“

Christiane Breitenberger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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