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Anna Andlauer vor dem Banner vor dem UN-Hauptquartier

Ausstellung "Life After Survival" 

Indersdorfer Geschichte wirkt international

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Indersdorf/New York - Das kleine Indersdorf kennen jetzt auch renommierte internationale Politiker. Wegen einer Ausstellung, die dank der Weichser Heimatforscherin Anna Andlauer im UN-Hauptquartier in New York gezeigt wurde. Eine historische Ausstellung, deren Thema aktueller ist denn je.

Alle Teilnehmer der Dachauer Delegation sind sich einig: Die Ausstellung „Life After Survival" in New York zu erleben, war ein beeindruckendes, großartiges Erlebnis. Viele sprechen von einem historischen Ereignis. Die Ausstellung erzählt die Geschichte über das ehemalige UN-Kinderheim im Kloster Indersdorf (wir haben mehrfach berichtet).

Anna Andlauer hatte mit dieser Ausstellung ein Anliegen: Die Geschichten der Holocaustüberlebenden sollten international gehört werden. Zudem soll gewürdigt werden, welche Arbeit die Helfer damals in Indersdorf geleistet haben. Ähnlich wie die Arbeit, die heute die Engagierten in den Flüchtlingshelferkreisen leisten. Anna Andlauer freut sich über den großen Erfolg der Ausstellung. Sie war zusammen mit einer 20-köpfigen Delegation aus dem Landkreis vor Ort. Dort präsentierten die Dachauer bei der offiziellen Eröffnung vor 250 Gästen ein eigens dafür komponiertes Lied. „The Rage to Live“, das aus der Feder von Jürgen Rothaug stammt, wurde von Mario Deger vorgetragen, begleitet von Rothaug am Klavier. In den Refrain stimmten alle Besucher mit ein – ein berührender Moment.

Anna Andlauer war von dem Ansturm bei der Eröffnungsfeier gerührt: „Es kamen so viele Holocaustüberlebende und Angehörige auf mich zu, die mir ihre Verbindung zum Kinderzentrum Kloster Indersdorf und zu Einzelnen der in der Ausstellung abgebildeten mitteilen wollten.“ Zudem knüpften die Dachauer wertvolle Kontakte für die Zukunft: „Viele politische Persönlichkeiten, Botschaftsvertreter und Mitarbeiter von wichtigen Institutionen kamen auf uns zu, um näheren Kontakt aufzubauen“, erzählte Anna Andlauer.

Auch der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten war vor Ort. Karl Freller, konnte erstmals in New York die bayerische Erinnerungs- und Gedenkstättenarbeit vor internationalem Publikum erläutern. In seiner Rede ging er vor allem auf die Bedeutung von authentischen Erinnerungen ein: „Zeitzeugenberichte sind für die heutige Nachwelt unverzichtbar“, so Freller, der den Hauptredner und Zeitzeugen Shmuel Reinstein vorstellte. Der 1931 geborene Reinstein überlebte mehrere KZs, unter anderem Flossenbürg, und kam nach Kriegsende mit 14 Jahren ins Kloster Indersdorf. Er war extra für diese Veranstaltung mit seiner Familie aus Israel angereist und beeindruckte die Anwesenden mit seinen Worten.

Die Dachauer Nachrichten haben Menschen, die vor Ort waren, gebeten, ihre bewegenden Eindrücke zu schildern:

Dachaus Landrat Stefan Löwl

„Über 200 Gäste sind zur Eröffnung der Ausstellung gekommen, darunter viele Überlebende auch aus Israel, die damals Kinder waren, aber auch Befreier, also amerikanische Soldaten – das hat uns sehr gefreut.“ Die Kinder hatten damals im Kloster Indersdorf eine neue Heimat gefunden, „Liebe und Zuneigung nach dem Krieg erfahren, und nun haben sie der UNRRA die Ehre erwiesen“, so Löwl. Mit den Menschen zu sprechen, sei sehr bewegend gewesen. „Sie tragen eine solche Kraft in sich."

Indersdorfs Bürgermeister Franz Obesser

„Ich bin völlig beeindruckt von der Veranstaltung. Die Zeitzeugen waren sehr angetan, weil sich unsere Nachkriegsgeneration so mit diesem Thema beschäftigt. Der Holocaust Überlebende Shmuel Reinstein hat nach allem, was er erleben musste, gesagt: ,Indersdorf ist so was wie meine zweite Heimat geworden.’ Auf so einen Satz kann man stolz sein. Man kann Anna Andlauer und ihr Team nicht genug loben, das geht weit über besonderen Dank hinaus. Sehr interessant war auch ein längeres Gespräch mit Frau Under-Secretary-General, Christina Gallach, unter anderem über die derzeitigen Herausforderungen der Flüchtlingskrise.“

Realschulrektor Anton Wagatha

„Es war ein sehr bewegendes, unvergessliches Erlebnis, bei der Eröffnung der Ausstellung dabei sein zu dürfen. Es hat uns viele berührende Gespräche mit Überlebenden und ihren Kindern und Enkeln ermöglicht, deren Geschichten sonst für Indersdorf verloren gegangen wären. Die große Offenheit und die Freundlichkeit, mit der uns Menschen begegnet sind, denen durch Deutsche unvorstellbares Leid zugefügt wurde, hat uns persönlich am meisten beeindruckt. Das Vertrauen, das uns hier geschenkt wird, müssen wir – gerade in dieser Zeit – pflegen und beschützen wie ein zartes Pflänzchen. Als Indersdorfer ist es ein gutes Gefühl, dass unser Heimatdorf für diese Kinder zum Ort einer beginnenden Heilung wurde. Damals konnten wir nichts dazu beitragen – heute aber können wir helfen, ihre Geschichten lebendig zu erhalten und weiterzugeben."

Mario Deger und die Dachauer Delegation singt bei der UN "The Rage to Live".

Sänger Mario Deger aus Hebertshausen

Der Höhepunkt für mich war, die General Assembly Hall zu betreten und auf dem selben Podium zu stehen, wie auch am nächsten Tag zum „Holocaust Memorial Day“ der namhafte Politiker und UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon. Als wir unseren Auftritt mit dem Lied „The Rage to live“ hatten, empfand ich Spannung und tiefe Freude, nach wochenlanger Vorbereitung ein Teil des Projekts der Initiatorin Anna Andlauer sein zu dürfen. Es fühlte sich gut an, den Holocaust-Überlebenden, die aus aller Welt nach New York angereist waren, wieder zu begegnen und ihnen etwas geben zu dürfen, ihnen eine Freude durch unser Lied bereiten zu können."

Claudia Schlemmer, Ehrenamtliche

„Als ich plötzlich in der großen Halle stand, war ich so überwältigt, dass ich Tränen in den Augen hatte; das passierte mir während der ganzen Veranstaltung immer wieder. Außerdem spürte ich mehrmals einen Schauer über den Rücken laufen. Es war eine tolle Friedensenergie in der UN.“


Inge Kunzer, Gedenkstätten-Referentin

„Das Wiedersehen mit ehemaligen Cloister boys and girls von Kloster Indersdorf ist mir stets sehr wertvoll und wichtig. Sie hier in NY wieder zu sehen und ihre Angehörigen kennen zu lernen, ist wunderbar. Bei der Eröffnung der Ausstellung ergaben sich viele Gelegenheiten zum Gespräch. Dabei hörte ich stets eine tiefe Dankbarkeit heraus, Dankbarkeit für die von Anna Andlauer initiierte Erinnerungsarbeit. Erinnerung an den persönlichen Leidensweg dieser Überlebenden, aber auch an ihr „Aufgefangen werden“ und ihren Neustart ins Leben im Kloster Indersdorf nach 1945, ihren Neuanfang ,Zurück ins Leben’."

Christiane Breitenberger

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