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Defibrillatoren können Leben retten (hier eine Übung). Am Sonntag wurde so ein Fußballer reanimiert.

Nach Vorfall in Odelzhausen

Infarkt am Fußballplatz: Defis zu teuer für viele Vereine

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Odelzhausen - Am Sonntag ist ein Fußballer (35) in Odelzhausen mit einem Herzinfarkt auf dem Rasen zusammengebrochen. In der Folge wird deutlich: Viele Vereine sind schlecht auf solche Fälle vorbereitet. 

Sonntagnachmittag, auf dem Fußballplatz des SV Odelzhausen im Landkreis Dachau. Ein 35-jähriger Fußballspieler bricht bei einem C-Klassen-Spiel plötzlich zusammen. Kein Pulsschlag mehr. Herzinfarkt. Betreuer und Zuschauer reagieren sofort. Sie rennen auf den Platz, beginnen umgehend mit der Herz-Lungen-Massage. Nach kurzer Zeit treffen Notarzt und Sanitäter auf dem Fußballplatz ein. „Das hat nur vier, fünf Minuten gedauert“, sagt der Abteilungsleiter. Der Notarzt belebt den 35-Jährigen mit einem Defibrillator wieder.

Der Mann überlebt, wohl ohne bleibende Schäden. Weil alle unvermittelt und richtig reagiert haben. Und weil der Notarzt so schnell vor Ort war. Denn im Kampf gegen den plötzlichen Herztod zählt jede Sekunde. Im Ernstfall gilt es, sofort mit der Herzdruckmassage zu beginnen, professionelle Hilfe anzufordern und schnellstmöglich einen sogenannten „Automatisierten Externen Defibrillator“ zu organisieren – so informiert der Bayerische Fußballverband (BFV) in seiner Kampagne für einen „herzsicheren Sportplatz“.

Defibrillator in Odelzhausen wurde vor zwei Jahren gestohlen - und nie ersetzt

Eigentlich hätte auch der SV Odelzhausen einen Defibrillator am Sportplatz. Im Notfall für alle zu erreichen, aufbewahrt im Kassenhäuschen. Vor vier Jahren hatte eine Bank das Gerät zur Verfügung gestellt – mitsamt Schulung für alle Abteilungsleiter und weitere Helfer. „Aber unser Defibrillator wurde vor zwei Jahren gestohlen“, sagt Vereinsvorstand Ferdinand Grengros. Später wurde das Gerät demoliert am Sportgelände gefunden – wohl ein Fall von Vandalismus. Der Verein erstattete Anzeige, doch der Fall wurde nie aufgeklärt. „Bei so einem Notfall wie jetzt am Sonntag wird erst klar, was diese Menschen mit so einer unüberlegten Aktion anstellen.“

Grengros bemühte sich nach dem Diebstahl um ein neues Gerät: „Wir haben bei der Bank nachgefragt, ob wir nicht einen neuen Defibrillator bekommen könnten.“ Bei der nächsten Aktion, bekam er als Antwort. Sich das Gerät selbst zu besorgen, ist für viele Vereine gar nicht so einfach. „So ein Ding kostet rund 2500 Euro“, sagt Grengros. „Außerdem muss man es ja auch bedienen können.“ Obwohl die Geräte mittlerweile vergleichsweise einfach zu benutzen sind, empfiehlt auch der BFV ein Notfallreanimationstraining vor Ort. Der Verband hat vor drei Jahren eine Initiative mit dem Hersteller Physio-Control gestartet, mit der Vereine über das richtige Verhalten im Ernstfall informiert werden. Die Aufklärungsarbeit ist auch Bestandteil der BFV-Trainerfortbildungen.

Bisher haben 150 Vereine über Physio Control einen Defibrillator bestellt, wie viele der über 4000 bayerischen Fußballvereine über andere Bezugsmöglichkeit so ein Gerät bestellt haben, weiß auch der Verband nicht. Aber es dürfte eine klare Minderheit sein. Zwar bezuschusst der BFV die Geräte im Rahmen der Initiative, aber selbst dann kostet der günstigste Defibrillator noch 1369 Euro. Der Vollautmat samt Reanimationstraining kostet 1995 Euro.

Hier können viele Vereine nur aufs Spendensammeln und somit auf örtliche Unterstützer hoffen, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein.

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