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Derb, laut, draufhauen: Alle Facetten von Ludwig Thomas Werk kommen in dem Theaterstück zur Geltung. Die Mitglieder der Ludwig-Thoma-Gemeinde proben (v.l.): Angelika Mauersich als Maidi Liebermann von Wahlendorf , Dominik Härtl als Willy Liebermann von Wahlendorf, Wolfgang Möckl als Ludwig Thoma, Eduard Hörl als Verleger Albert Langen und Regisseur Ben Möckl.

Interview mit Eduard Hörl

Wenn man Ludwig Thoma noch eine Frage stellen könnte

Dachau – Zum 150. Geburtstag Ludwig Thomas, der einige Jahre in Dachau lebte, hat sich die Ludwig-Thoma-Gemeinde viel vorgenommen: Außer einer Gedenkveranstaltung und einer Geburtstagsfeier am Samstag, 21. Januar, wird ein Theaterstück aufgeführt. Im Interview spricht Vereinsvorsitzender Eduard Hörl, über seine Begeisterung für den bayerischen Schriftsteller.

-Was bedeutet Ihnen Ludwig Thoma persönlich?

In den Kinderjahren bin ich durch einen Lesewettbewerb auf Ludwig Thoma aufmerksam geworden. Waren es anfangs die „Lausbubengeschichten“, die mich begeisterten, so kamen nach und nach seine Romane, Erzählungen und Theaterstücke hinzu. So wurde er zu meinem bayerischen Lieblingsschriftsteller, der mich nun bald 60 Jahre begleitet.

-Warum engagieren Sie sich?

Zwangsläufig führte mein Weg zur Ludwig-Thoma-Gemeinde Dachau. Durch Frau Kron, „Kron-Maus“, wurde ich in jungen Jahren zum Theaterspielen gedrängt. In den folgenden Jahren wurde ich in die Vereinsarbeit integriert. Heute engagiere ich mich, um das Werk Thomas, das vielfach in Dachau verwurzelt ist, aufleben zu lassen. Zum anderen ist die Ludwig-Thoma-Gemeinde ein anspruchsvoller Kulturverein mit viel Zuspruch aus der Bevölkerung.

-Wie sieht es mit Nachwuchsdarstellern aus?

In den letzten Jahren haben wir mehrmals mit Abiturienten des Joseph-Effner-Gymnasiums zusammengearbeitet. Nicht zuletzt dadurch sind wir in der glücklichen Lage, dass immer wieder junge Mädchen und Burschen zu uns stoßen. Wir freuen uns über jeden Einzelnen und hoffen, dass es so weitergeht.

-Wie aktuell sind der Dichter und seine Werke?

Ludwig Thoma war in den 1960er und 1970er Jahren sehr präsent. Das wandelte sich 1989 fast ins Gegenteil, durch die Veröffentlichung seiner antisemitischen Beiträge im „Miesbacher Anzeiger“ während seines letzten Lebensjahres. Ich wünsche mir durch das Jubiläumsjahr eine sachlichere Betrachtungsweise für ihn. Einem sicher dunklen, verbitterten Jahr stehen 20 Jahre erfolgreiches literarisches Schaffen gegenüber. Ähnlich wie in Dachau, das mit einer 1200-jährigen Geschichte aufwarten kann und nicht nur an zwölf Jahren Konzentrationslager gemessen werden kann.

-Welche Fragen würden Sie Thoma heute stellen, wenn er noch lebte oder was würden Sie ihm sagen?

Ich würde ihm sagen, dass ich gerade seine bäuerlichen Geschichten sehr verehre: die Sprache, die Charaktere, die Handlungen, die Landschaft. Ich würde ihn fragen, ob ich ihn ein paar Tage durch „Altaich“ begleiten dürfte.

Interview: Ingrid Koch

Infos zum Theaterstück

Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler lässt in dem für das Jubiläumsjahr geschriebenen Stück „Thoma – eine Selbstzerstörung“ den Dichter selbst zu Wort kommen. Die Uraufführung findet am Freitag, 31. März, um 20 Uhr im Thoma-Haus statt. Inzwischen wird fleißig geprobt. Die Titelrolle spielt Wolfgang Möckl. Die Rolle sei nicht „einfach“, sagt er, obwohl er bereits viel Bühnenerfahrung besitzt, aber „reizvoll“, um alle Facetten bei Thoma auszuloten – „derb, laut, draufhauen und voller Widersprüche“. In der aufwendigen Inszenierung wirken 21 Darsteller mit, sieben Vereinsmitglieder arbeiten im Hintergrund. Zentrale Figuren stellen dar: Angelika Mauersich als Maidi Liebermann von Wahlendorf, die von 1918 bis 1921 Thomas Geliebte war, und Dominik Härtl als ihr Ehemann Willy Liebermann von Wahlendorf, ein jüdischer Unternehmer aus Berlin. Edi Hörl ist unter anderem als Verleger Albert Langen zu sehen. Norbert Göttler tritt als Hermann Hesse auf. Der 17-jährige Gymnasiast Ben Möckl führt Regie

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