Interview mit Vhs-Geschäftsführer Matthias Buschhaus

Vhs zwischen Verständnis und Frustration

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Die Volkshochschule Dachau findet vorerst keine Bleibe in der Ludwig-Thoma-Schule. Denn die Mittelschule Dachau-Süd wird saniert und ziehtab Herbst 2017 in dias Gebäude. Im Interview erklärt der Vhs-Geschäftsführer Matthias Buschhaus, was die Institution in der Thomaschule geplant hätte, was daraus jetzt noch wird und wie es langfristig weitergeht.

-Herr Buschhaus, wie war es für Sie, als sie die Nachricht erfahren hatten? 

Die Nachricht war eine totale Überraschung. Zu Hause habe ich erst einmal einen kleinen Wutanfall bekommen. Die Frage nach eigenen geeigneten Räumen für die Volkshochschule steht ja schon im Raum, seit ich 2002 dort angefangen habe zu arbeiten. Über viele Orte wurde schon diskutiert, zum Beispiel über das Postschulareal, die Papierfabrik oder die ehemalige Koschade-Klinik. Doch nichts hat bis jetzt geklappt. Die lange Suche ist einfach zermürbend. 

-Machen Sie da auch den Dachauer Stadträten Vorwürfe? 

Nein, der politische Wille, etwas zu finden, ist ja da. Und ich haben natürlich Verständnis dafür, dass keine Containerlösung für die Mittelschule Dachau-Süd gewählt wurde. Das wäre für die Stadt finanziell ruinös gewesen, da hat die politische Räson Vorrang. Ich selber hätte die gleiche Entscheidung getroffen. 

-Wie geht es jetzt mit den Nutzern der Thomaschule weiter? 

Der AWO-Hort und die Volkshochschule können die Thoma-Schule bis Juli 2017 nutzen. Danach kommt für zwei Jahre die Mittelschule Dachau-Süd rein. Dann wird endlich für uns umgebaut. Bis wir einziehen können, wird es aber mindestens bis 2021 dauern. 

-Wie stellte sich die Vhs die Räume in der Thomaschule vor? 

Die Schulräume sind genormte Klassenzimmer, meistens zwischen 60 und 65 Quadratmeter groß. Aber was will ich mit so großen Zimmern bei Veranstaltungen mit vielleicht sechs oder sieben Teilnehmern? Die großen Räume sollten deswegen geteilt werden, um genug Platz für kleine und größere Angebote zu haben. 

-Stand schon ein konkretes Raumkonzept fest?

Ja, das Konzept war komplett durchgeplant. Es hätte zum Beispiel eine Aula mit Infopoint gegeben und in das zweite Obergeschoss sollte die Verwaltung einziehen. In den anderen Stockwerken waren Leitzonen geplant, zum Beispiel zu den Bereichen Berufliche Bildung und EDV, Sprachkurse oder Integration. Viele Kunden interessieren sich momentan nicht mehr so für ,Kopfkurse‘, sondern eher für praktische Kurse. Gerade im Kunst- und Handwerkssegment ist die Nachfrage groß. Auch darauf hätten wir in den neuen Räumen reagieren können. 

-Wie denn? 

Wir hatten uns zum Beispiel Künstlerateliers, Werkräume oder Handarbeitsräume vorgestellt. Auch ein Repaircafe wäre nach dem Umbau geplant gewesen. Das alles kann ich aber nur machen, wenn ich die Räume dazu hab. 

-Und jetzt? 

Jetzt werden die Angebote eben nicht ausgebaut. Es geht einfach nicht. Eine Ausweitung macht nur noch im Integrationsbereich Sinn. 

-Wieso gerade hier? 

Erstens brauchen die vielen Flüchtlinge Integrations- und Deutschkurse und auch erheblich mehr Alphabetisierungskurse. Zweitens läuft ein Integrationskurs in der Regel ein Jahr, das passt zeitlich ganz gut. Wir haben bisher elf Integrationskurse in der Thomaschule, in Zukunft sind es bis zu 16. Wenn wir dann 2017 ganz draußen sind, müssen wir aber auch bei den Integrationskursen das Angebot zumindest am Vormittag wieder reduzieren. 

-Und abends?

Abends können wir die Räume hoffentlich weiter nutzen, das hängt vom Kooperationswillen der Schulen ab. Es laufen schon Gespräche mit der Mittelschule Dachau-Süd. Wir werden auch noch auf die beiden Gymnasien und die Realschule zukommen. Und generell suchen wir natürlich weiterhin nach Immobilien. 

-Mit Erfolg? 

Wir haben uns Räume im Gewerbegebiet angeschaut, daraus wurde aber nichts. Es ist schwer, da man meist Langzeitverträge abschließen oder viel umbauen muss. Das geht bei uns in der Situation nicht. 

-Was sagen denn die Kursteilnehmer zur schwierigen Raumsituation? 

Manche sind etwas frustriert, weil sie sich schon auf die neuen Räume in der Thoma-Schule gefreut hatten. Von vielen bekommen wir auch Mitleidsbekundungen. Es wäre für uns einfach eine tausendfache Erleichterung, wenn die Vhs endlich ein eigenes Gebäude hätte. 

-Warum? 

Viele Wege wären kürzer, die Verwaltung einfacher, der Kontakt zu den Teilnehmern enger. Und wir könnten natürlich unser Angebot zukunfts- und bedarfsorientiert ausbauen. 

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