Die Bauruine thront in der Altstadt – schon seit Monaten herrscht dort Stillstand. foto: dg

Investor droht mit Insolvenz

Dachau - Seit Monaten herrscht auf der Baustelle der ehemaligen Koschade-Klinik Stillstand. Es droht eine Insolvenz. Morgen soll es im Bauausschuss zum finalen Showdown kommen.

Die Stadträte stimmen am morgigen Dienstag über die mittlerweile vierte Änderung des Bauantrags für die ehemalige Koschade-Klinik in der Altstadt ab - und damit wohl auch darüber, ob das Projekt überhaupt realisiert wird.

Denn sollte der Bauausschuss den Antrag ablehnen, drohe der Kaga Dachau GmbH & Co. KG die Insolvenz, behauptet Geschäftsführer Dr. Jakob Kandler. „Die Gefahr besteht“, so Kandler, da die Merkur Bank in München sich von dem Projekt zurückgezogen hat und einen Kredit von 3,9 Millionen zurückfordert. Diesen Betrag könne nur ein neuer Investor stemmen - und den, da ist sich Kandler sicher, könne man nur mit der neuen Baugenehmigung finden. Im Falle einer Genehmigung spricht Kandler von „mehreren Alternativen“, die ihm in Sachen Investoren vorschweben. Details nennt er nicht.

Der neue Antrag sieht ein überarbeitetes Tiefgaragenkonzept vor, und die Kaga strebt ein erhöhtes Baurecht mit einer um etwa zehn Prozent vergrößerten Wohnfläche an, um in dem Gebäude drei weitere Wohnungen unterbringen zu können.

Das wiederum sorgt für Unmut bei einigen Stadträten. „Es ist nicht unsere Aufgabe, die Wirtschaftlichkeit eines Projekts sicherzustellen“, sagt Bauausschussmitglied Kai Kühnel (Bündnis). „Wir müssen uns auf die städtebaulichen und städteplanerischen Aspekte konzentrieren.“ Und da hat Kühnel eine klare Meinung: „Das Gebäude ist hässlich und fügt sich nicht in die Altstadtkrone ein.“ Er befürchtet zudem, einen Präzedenzfall zu schaffen, wenn der Stadtrat Bauträgern Zugeständnisse macht, nur weil die Bauruine schon dasteht. Und Kühnel betont, dass die Bauträger längst Baurecht haben: „Sie könnten seit Monaten anfangen, aber sie kriegen es nicht auf die Reihe.“

Der neue Änderungsantrag scheint immerhin rein baurechtlich wasserdicht zu sein. Mittlerweile. Denn lange Zeit hatte der Bauträger notwendige Unterlagen nicht eingereicht. Nun, da die Unterlagen vorliegen, gibt das Bauamt nach Informationen der Dachauer Nachrichten grünes Licht in ihrer Beschlussempfehlung. Ob sich der Bauausschuss danach richtet, ist jedoch offen, zumal sich offenbar so mancher Stadtrat vom Bauträger unter Druck gesetzt fühlt.

Die Käufer bangen derweil um ihre Investition. „Wir hatten uns verliebt in dieses Ding“, sagt eine Käuferin, die anonym bleiben möchte. Die Wohnung sei ihnen als Liebhaberstück angepriesen worden, doch mittlerweile ist die Sorge groß, dass ihre Maklerkosten von etwa 15 000 Euro völlig umsonst waren und sich das Bauvorhaben in ein Ewigkeitsprojekt verwandelt.

„Eine Insolvenz wäre für uns fatal“, sagt ein anderer Käufer. „Dann weiß keiner, wie es weiter geht“, befürchtet er, „abgesehen von einer extremen Zeitverzögerung.“ Auszusteigen war jedoch für ihn keine Option. „Ganz zu Beginn hätte es andere Möglichkeiten gegeben, aber jetzt gibt es keine Alternative.“ Seine Finanzierung laufe und lasse sich auch nicht ohne weiteres stoppen. Andere zogen die Notbremse und verabschiedeten sich aus dem Projekt. Ein Käufer schätzt, dass etwa zehn Interessenten bereits von den Verträgen zurückgetreten sind. Er vermutet außerdem, dass sich die Kaga über jeden Rückzug freue, weil so die Chance bestehe, die Wohnungen zu den mittlerweile gestiegenen Kaufpreisen an den Mann zu bringen.

Mit Frank Weber von der Real Estate Opportunities AG (REO), die 100-prozentiger Kommandantist der Kaga Dachau ist, haben die Käufer seit langem keinen Kontakt mehr. Und darüber sind einige auch ganz froh. Sie fühlen sich von ihm getäuscht, einige von ihnen suchten wegen der langen Verzögerung den Weg zum Rechtsanwalt. Ihr einziger Ansprechpartner ist Kandler. Weber tritt öffentlich nicht mehr auf und war auf für Rückfragen der DN nicht zu erreichen. Auch Kandler spricht von Spannungen mit dem Geschäftspartner, betont aber, dass er versuche, diese „auszuklammern“. Er stehe mit Weber in regelmäßigem Kontakt.

Nicht nur die Käufer haben etwas zu verlieren, auch Jakob Kandler, der sich als einer der Hauptrisikoträger bezeichnet. Im Rückblick, gibt er zu, hätte er vielleicht besser die Finger von dem Projekt der ehemaligen Koschade-Klinik gelassen.

(Domink Göttler)

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