Gnadenkirche: Aus der ehemaligen Notkirche auf dem KZ-Gelände wurde eine große Kirchengemeinde mit Filialen im Landkreis, die Pfarrerin Christiane Döring betreut. Foto: Ros

Vor 50 Jahren Grundstein gelegt

Dachau - Vor 50 Jahren wurde der Grundstein für die Gnadenkirche in Dachau Ost gelegt. Ihre Geschichte begann aber schon früher - im Flüchtlingslager des ehemaligen KZ.

Am Morgen eine Beerdigung, danach eine Besprechung im Kindergarten, danach ein Taufgespräch. So sieht ein ganz normaler Arbeitstag von Pfarrerin Christiane Döring aus. Seit dreieinhalb Jahren betreut die 39-Jährige die evangelische Gemeinde der Dachauer Gnadenkirche. Mit ihr zusammen arbeiten Pfarrerin Elisabeth Schulz und Diakon Wolfgang Muscat. Momentan ist die Grundsteinlegung der Dachauer Gnadenkirche vor 50 Jahren ein großes Thema in ihrer Gemeinde.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gehörten die in Dachau lebenden Flüchtlinge und Heimatvertriebene überwiegend dem evangelischen Glauben an. Sie waren in den Baracken auf dem Gelände des ehemaligen KZ untergebracht. Um sie seelsorgerisch betreuen zu können wurde 1951 eine Notkirche nahe der heutigen Versöhnungskirche errichtet. Die Barackenkirche erhielt den Namen Gnadenkirche. Pfarrer Ernst Daum sagte damals bei der Einweihung: „Dieser Ort soll eine bleibende Zufluchtsstätte zur Gnade werden.“ Für Flüchtlinge, die vor gnadenlosen Peinigern fliehen mussten. Zum Ersten Advent wurde dort der erste Gottesdienst gefeiert. „Nicht nur die Flüchtlinge, auch ihre Seelen brauchten ein Zuhause“, sagt Pfarrerin Christiane Döring heute.

Das Flüchtlingslager auf dem Gelände des ehemaligen KZ konnte in den 50er Jahren aufgelöst werden. Auf Initiative ehemaliger KZ-Häftlinge wurde dort die Gestaltung der Gedenkstätte vorangetrieben. Aus dem Internierungslager wurde die Wohnsiedlung Dachau-Ost: Ein neuer Stadtteil, in dem ein Pfarrhaus mit Betsaal errichtet wurde. Ein Bauplatz für eine Kirche war mitten im neuentstandenen Wohngebiet vorgesehen. Im Oktober 1962 wurde schließlich nicht weit vom Ernst-Reuther-Platz der Grundstein für die heutige Gnadenkirche gelegt.

Nach der Einweihung des Kirchengebäudes im April 1964 wurde die Kirchengemeinde zur eigenständigen Pfarrei erhoben. Zusammen mit dem bereits 1960 fertiggestellten Pfarrhaus und dem Gemeindehaus war ein evangelisches Gemeindezentrum entstanden: die Gnadenkirche an der Ludwig-Ernst-Straße. Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers wurde 1967 nahe der katholischen Sühnekapelle eine neue evangelische Kirche eingeweiht: die Versöhnungskirche.

Heute zählt die Gnadenkirche rund 3025 Gemeindemitglieder. Neben Dachau-Ost gehören zur Pfarrei außerdem noch Hebertshausen, Schönbrunn, Röhrmoos und Großinzemoos. Pfarrerin Christine Döring wohnt selbst mit ihrer Familie in Röhrmoos. Sie kümmert sich überwiegend um die Orte im Landkreis, während ihre Kollegin Elisabeth Schulz die Stadtgemeinde betreut. Gemeinsam versuchen die beiden das Thema der Grundsteinlegung auch in die Gruppenstunden mit Kindern und Jugendlichen einzubringen. Denn auch in die nächsten Generationen soll die Geschichte um die Gnadenkirche und deren Entstehung weitergetragen werden. (ros)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gottseidank hier keine Mückenplage
Am Ammersee gibt es eine fiese Mückenplage, Gaststätten am Ufer haben aus diesem Grund bereits kurzzeitig ihren Betrieb eingestellt. Im Landkreis Dachau ist das …
Gottseidank hier keine Mückenplage
Großeinsatz in Karlsfeld: Acht Senioren in Klinik gebracht
Acht Senioren im Alter von 65 bis 93 Jahren sind am Samstagvormittag bei einem Rettungsgroßeinsatz ins Krankenhaus gebracht worden. Der Verdacht: Dehydrierung.
Großeinsatz in Karlsfeld: Acht Senioren in Klinik gebracht
Tragödie am Karlsfelder See: Münchner (24) stirbt
Drei Freunde waren zusammen beim Baden im Karlsfelder See.  Einer, ein 24-jähriger Münchner, wollte zurück ans Ufer schwimmen, kam aber nie an. Die Suche endete …
Tragödie am Karlsfelder See: Münchner (24) stirbt
In Summe eine Million eingespart
Die neue Grundschule wird eine teure Angelegenheit für Karlsfeld. Nur gut, dass die Architekten noch einige Posten aufgetan haben, an denen gespart werden kann. In einem …
In Summe eine Million eingespart

Kommentare