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Jede Menge Munition und dazu Drogen

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Dachau - Wegen Gerüchten über einen geplanten Amoklauf wurde das Haus eines jungen Odelzhausers durchsucht. Dort fanden die Beamten zwar keine solchen Pläne, dafür aber jede Menge Munition im Besitz des Vaters. Doch der wollte sich mit dem folgenden Waffenbesitzverbot nicht abfinden.

Der 40-jährige Familienvater aus Odelzhausen hatte vor dem Verwaltungsgericht München gegen das Waffenbesitzverbot geklagt, das das Landratsamt Dachau im September 2011 gemeinsam mit dem Entzug seines Waffenscheins erließ. Das Waffenbesitzverbot untersagt auch den Besitz erlaubnisfreier Waffen wie Luftgewehre. Die Luftgewehre des Klägers waren nach einer Hausdurchsuchung im Frühjahr 2011 beschlagnahmt worden, bei der die Polizei insgesamt 75 Flintenlaufpatronen, 61 Schrotpatronen, mindestens zwei Schuss Munition für Pistolen und 19 Gramm explosives Pulver aus zerlegten Schrotpatronen gefunden hatte. Zudem 21 Gramm Marihuana.

Gefilzt hatten die Beamten das Haus wegen Aussagen von Schülern, nach denen bei der Polizei der Eindruck entstanden war, dass die Gefahr bestanden habe, dass der Sohn der Familie an seiner Schule einen Amoklauf plane. „Der Verdacht war völlig unbegründet“, sagte der Anwalt des Klägers gestern vor Gericht, „es gab keine Anhaltspunkte für einen Amoklauf. Die Familie hat unter den Vorverurteilungen erheblich gelitten“. Zwar habe der Sohn der Familie Bücher über Amokläufe gelesen, und es seien auch Pläne bei ihm gefunden worden. Diese seien aber keineswegs von seiner Berufsschule gewesen. „Das waren Skizzen für ein Computerspiel, in dem er sich dank ihnen leichter zurecht fand.“

Die Vorsitzende Richterin erklärte, dass für ein Waffenbesitzverbot dem Gesetz nach „auch Anhaltspunkte für eine Abhängigkeit von berauschenden Mitteln oder ein Fehlen der erforderlichen Zuverlässigkeit“ reichen. Und diese Zuverlässigkeit fehle ganz klar, wenn waffenrechtlich relevante Straftaten vorliegen. „Sie hatten Pulver aus Patronen, die sie nicht hätten zerlegen dürfen und sind zu 90 Tagessätzen verurteilt worden - für Unzuverlässigkeit reicht eine Verurteilung zu 60 Tagessätzen“, stellte die Kammervorsitzende klar. Sie halte es deshalb für sehr wahrscheinlich, dass der Kläger nicht nur vor ihrer Kammer, sondern auch in der übergeordneten Instanz, dem Verwaltungsgerichtshof, scheitern werde. „Aber fünf Jahre nach ihrer Verurteilung können Sie die Behörde prüfen lassen, ob Ihnen Waffenbesitz wieder gestattet werden kann.“ Deshalb regte sie eine Klagerücknahme an. Im Protokoll ließ sie vermerken, dass das Landratsamt nach fünf Jahren die Aufhebung des Verbots prüfen muss, wenn er dies beantragt. Damit war der Kläger einverstanden. „Das sind noch vier Jahre, die kann ich abwarten.“ Er wolle auch keine Waffe kaufen, sondern im Sportverein mit Luftdruckgewehren schießen. Dagegen spreche nichts, solange er selbst keine Waffe besitze, erklärte die Vertreterin des Landratsamts.

Schließlich sorgte sich der Mann nur noch darum, was aus seinen Luftgewehre wird: Er könne sie noch verkaufen, stellte die Beamtin klar.

(sus)

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