Jedes Gewitter war eine Herausforderung

Haimhausen - Mehr als ein halbes Jahrhundert beherbergte das Wasserhäuschen im Bründlwald die Brunnenanlage, die das Gemeindegebiet Haimhausen mit Trinkwasser versorgte. Nun wurde der Brunnen zurückgebaut. Ein Rückblick.

Neben zahlreichen Privatbrunnen gab es bis in die 50er Jahre in Haimhausen einen gemeindlichen Brunnen am Amperberg auf einem Feld der Familie Mayerbacher. Obwohl Haimhausen damals noch recht klein war, reichte die Leistung von vier Litern Trinkwasser pro Sekunde bald nicht mehr aus. Ein neuer Brunnen wurde geschlagen, der mit neun Litern pro Sekunde mehr als die doppelte Leistung brachte. Über diesen Brunnen baute die Gemeinde 1958 das Wasserhaus.

Benno Hartl bewarb sich damals für die ausgeschriebene Stelle als Wasserwart und blieb dieser verantwortungsvollen Aufgabe 38 Jahre lang bis zu seiner Rente treu. „Die Verantwortung für ein keimfreies Trinkwasser lag allein bei mir. Die Gemeinde wollte damals für Infektionsfälle keinerlei Haftung übernehmen. Wäre etwas schief gelaufen, hätte ich es alleine ausbaden müssen“, erinnert sich der heutige Rentner, den man im Ort als „Wasser-Bene“ kennt.

Jedes Gewitter und jeder Stromausfall waren eine Herausforderung. Mit seinem Fahrrad fuhr der Bene bei strömendem Regen und heftigen Gewittern mitten in der Nacht durch den Bründlwald, um das Notaggregat anzuwerfen. Bei einem Stillstand in den Leitungen wäre Luft eingedrungen- und das hätte tagelanges Entlüften des gesamten Leitungssystems gefordert, mit der Folge von Wasserknappheit in den Haushalten. Oft hatte er nur eine Badehose an, weil er ohnehin völlig durchnässt im Wasserhaus angekommen wäre. Dort hatte er für diese Fälle stets ein Handtuch und trockene Kleidung vorrätig.

Mit dem Bau der neuen Abfüllanlage der Schlossbrauerei wurden fast gleichzeitig deren betriebseigene Brunnen wegen der Nähe zur Amper geschlossen. Der erhöhte Wasserbedarf des damals größten Arbeitgebers im Ort ließ das Trinkwasser knapp werden. Während des Kanalbaus wurde das Problem behoben, und es wurden größere Leitungen verlegt.

Dabei hätte Benno Hartl seinen Job beinahe mit dem Leben bezahlt. Als sich in einer regenstarken Nacht die Baugrube an der Dorfstraße aus allen Richtungen komplett mit Wasser füllte, stieg er rasch noch hinein, um den Wasserschieber zuzudrehen. In dieser Sekunde hielten die Seitenwände den hereinströmenden Wassermassen nicht mehr stand, die Seitenwände brachen ein, und ein in der Grube stehender Bagger wurde weggespült. Geradewegs auf Benno Hartl zu, der von seinem persönlichen „Schutzengel“ Anton Renner von der damaligen Kanalbaufirma Wadle gerade noch rechtzeitig aus den Fluten herausgezogen wurde.

Nachdem der langjährige Wasserwart reich an Erlebnissen 1996 in den wohl verdienten Ruhestand ging, wurde im Jahr 2002 der Brunnen im Wasserhäusl wegen massiver Überkeimung außer Betrieb genommen. Den Rückbau und die Verfüllung vor zwei Monaten bedauert mit Hartl auch Franz Rauch als der heutige Geschäftsführer des Wasserzweckverbandes Freising-Süd. „Mir wäre der Erhalt des Brunnens lieber gewesen. Neben dem Hintertürchen, dass man sich damit die Wasserversorgung in Katastrophenfällen offen hielte, ist der Rückbau auch eine finanzielle Angelegenheit. Doch die Entscheidungen des Wasserwirtschaftsamtes müssen wir akzeptieren, auch wenn der Brunnen seit zwölf Jahren gar nicht mehr am Netz war.“

Heute hat das Wasserhäuschen ausgedient. Noch immer steht es malerisch mitten im Wald. Hin und wieder nutzen es Mitarbeiter des Wasserzweckverbandes bei schlechtem Wetter für ihre Brotzeitpause. Doch unser Trinkwasser sprudelt schon längst aus anderen Quellen.

Siglinde Haaf

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