Vier junge Männer nebeneinander
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Haben in Jetzendorf Fuß gefasst, halten es aufgrund ihrer Erfahrungen aber für fatal, wenn weitere Geflüchtete im Ort aufgenommen werden würden: Ahmad Faisal Burhan, Zekria Joya, Bashir Ahmadi und Sayeed Mosawi (von links).

Junge Afghanen über ihr Leben in Jetzendorf

„Wir zahlen Miete und Steuern!“

Sie fühlen sich wohl in Bayern, die vier jungen Afghanen. Aber seit ihrer Aufnahme 2015 haben die Flüchtlinge auch wenig Erfreuliches erlebt.

Jetzendorf – Die Forderung des Jetzendorfer Asylhelferkreises an die Gemeinde Jetzendorf, die Initiative „Sicherer Hafen“ zu unterstützten und aus Seenot gerettete Menschen aufzunehmen (wir berichteten), stößt bei den seit 2015 in Jetzendorf lebenden zehn jungen Afghanen auf wenig Gegenliebe. Die in der Asyl-Unterkunft in der Mittleren Priel-Straße lebenden Männern, die gut Deutsch sprechen, äußerten sich diesbezüglich in einem Gespräch mit der Heimatzeitung.

„Wenn Flüchtlinge nach Deutschland oder auch Europa kommen, verbinden sie damit ein besseres Leben. Ein eigenes Leben in Freiheit und Selbstbestimmung, ohne um sein Leben fürchten zu müssen. Leider müssen wir uns der Illusion stellen, dass bei einigen von uns auch nach fünf Jahren die Asylverfahren immer noch nicht abgeschlossen sind und eine Lebensplanung somit durch die unsichere Bleibeperspektive nicht möglich ist“, so die Männer. Im ständigen Wartezustand zu verweilen, zermürbe und mache es leider nicht gerade einfach, sich zu hundert Prozent auf den eigenen eingeschlagenen beruflichen Werdegang zu konzentrieren. Die Männer halten es deshalb „für fatal, weitere Menschen aus unserer Heimat nach Deutschland zu holen“. Die vielen Jahre im Wartezustand zu verbringen sei „unmenschlich und enorm belastend“.

Die Neubürger in der Asyl-Unterkunft machen auch kein Hehl daraus, dass sie die eine oder andere ernüchternde Erfahrung gemacht haben, was einige sogenannte „Unterstützer“ angeht. Denn von ihnen fühlen sie sich alleine gelassen.

Wer sich nach wie vor regelmäßig um die Asylbewerber kümmert und das beste Verhältnis zu ihnen hat, ist der 35-jährige Jetzendorfer Andreas Strixner. Er hat sich nach einem „Donnerwetter“ Anfang 2017 vom offiziellen Helferkreis immer mehr entfernt und kommt heute zu der Erkenntnis: „Die Wohnsituation für die Bewohner in der Mittleren Priel-Straße hat sich entspannt, aber wenn jetzt noch weitere Geflüchtete kommen würden, geht es drunter und drüber“. Strixner, der im Hauptberuf bei einer großen Firma im Controlling tätig ist, sieht sich als Mittelsmann und hält wie die Geflüchteten von „Helfern, die nur auf dem Papier stehen“, nicht viel. Bedenken müsse man, dass die Afghanen in Jetzendorf aus einem zerrütteten Land kommen, in dem seit 40 Jahren ein Bürgerkrieg herrsche, so Strixner.

Der Krieg werde „nicht zuletzt weiter befeuert durch die radikal-islamischen Talibanmilizen, die es entgegen der allgemeinen medialen Darstellung in Deutschland nicht nur auf die afghanischen Sicherheitskräfte, sondern vor allem auf die Zivilbevölkerung und hier auf die Hazaras und Tadschiken abgesehen haben“, ergänzen Ahmad Faisal Burhan, Zekria Joya, Bashir Ahmadi und Sayeed Mosawi. Insbesondere dann, wenn diese eine Schulbildung genossen hätten und einen westlichen Lebensstil führten. Sie selbst seien gut in Deutschland aufgenommen wurden. „Jedes Land ist deutlich besser als die bürgerkriegsähnlichen Zustände in unserem Heimatland“, so die einhellige Aussage.

Dem Ziel, langsam aber sicher auf eigenen Füßen zu stehen, sei man mit Hilfe so mancher Gemeindebürger einen deutlichen Schritt näher gekommen. Einige der Männer haben mittlerweile auch schon die Führerscheinprüfung abgelegt und ihr eigenes Auto. Bei anderen steht die Führerscheinprüfung in den nächsten Monaten an. Freilich wollen sie den Gerüchten entgegentreten, der Führerschein und das Auto würden vom deutschen Staat finanziert. Viele haben seit 2017 eine Vollbeschäftigung und finanzieren den Führerschein und das Auto über ihr Angespartes.

Faisal (24) macht eine Berufsausbildung zum Holzbearbeitungsmechaniker im Sägewerk Christoph in Asbach bei Petershausen. Holz ist Natur, und als Naturbursche fühlt er sich dem Holz sehr verbunden.

Zekria (27) befindet sich in der Ausbildung zum Verkäufer bei Kaufland in Pfaffenhofen und möchte nach der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann die Ausbildung komplettieren und später gerne in die Organisation ins Büro wechseln.

Bashir (25) arbeitet als Produktionsmitarbeiter beim Jetzendorfer Sportschuh-Hersteller Lowa. Ihn interessiert die handwerkliche Bearbeitung von Materialien, er will eine Ausbildung beginnen.

Sayeed (23) ist aktuell als Verkäufer an einem Imbiss in Dachau tätig. Er möchte gerne eine Ausbildung als Verkäufer im Einzelhandel absolvieren.

Wichtig ist den Geflüchteten, dass die Öffentlichkeit erfährt, dass sie für ihre Unterkunft Miete bezahlen und nicht wie manche vermuten, das Landratsamt die Kosten für die Unterbringung übernimmt. Sie weisen darauf hin, dass sie zudem Steuern und Sozialabgaben abführen und deshalb der Gesellschaft nicht auf der Tasche liegen. Eine Herausforderung sei es allerdings für sie – ebenso wie für viele Deutsche –, eine bezahlbare Wohnung oder einen Platz in einer Wohngemeinschaft zu finden.

Josef Ostermair

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