Gemeinderat Jetzendorf

Traum vom Naturbad ist ausgeträumt

Das haben sich die Jetzendorfer Gemeinderäte zu einfach vorgestellt: Sie wollten ohne großen Aufwand ein Naturbad an der Ilm. Nun aber wissen sie, dass der Traum vom Naturbad ausgeträumt ist.

Jetzendorf – In Jetzendorf wird es kein Naturbad geben. Das ist das Fazit der von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie, die die Landschaftsarchitektin Christina Schubert aus Pfaffenhofen im Gemeinderat präsentierte. Ausschlaggebend für das klare Nein sind die ablehnende Haltung des Wasserwirtschaftsamtes und des Naturschutzes. Nicht zuletzt sind es auch die Herstellungskosten für ein Naturbad mit biologischer Wasseraufbereitung, die mit 1,13 Millionen Euro beziffert wurden. Weitere 150 000 Euro würden allein die Planungskosten verschlingen. Auch die hohen Unterhaltskosten von jährlich 110 000 Euro trugen dazu bei, dass keiner im Gemeinderat glaubte, solche Summen problemlos stemmen zu können.

Der Gemeinderat ließ zwei Standorte für so ein Naturbad untersuchen. Einmal eine Fläche in Höhe des neuen Baugebiets „Ilmblick“ unterhalb des Verkehrskreisels und zum zweiten eine Fläche in Höhe Sportplatz/Schule auf Prieler Seite. Die zuständigen Fachbehörden lassen, so war zu hören, aber auf der gesamten Ilmlänge im Gemeindegebiet kein Naturbad zu, das ohnehin nicht mit Ilmwasser gespeist werden dürfte. Auch eine Grundwasserspeisung scheide aus, sodass nur die Speisung mit Trinkwasser genehmigungsfähig sei.

In Frage kommt laut Schubert nur ein Standort abseits der Ilm, und auch hier wären die Auflagen enorm. Es müssten sämtliche Vorschriften aus dem Bäderbau eingehalten werden.

Dass man bei so einem Naturbad so viele Auflagen einhalten muss, wie die allwöchentliche Überprüfung der Wasserqualität und die Bestellung eines Bademeisters sowie die Beachtung der Haftungsfrage, war nicht im ursprünglichen Sinn von Bürgermeister Manfred Betzin (CSU): „Wir wissen jetzt, dass aufgrund der rechtlichen, teils übertriebenen Vorschriften es nicht möglich ist, eine Bademöglichkeit an der Ilm zu realisieren.“ Auch sei es Ehrenamtlichen nicht aufzubürden, Verantwortung für so ein Naturbad zu übernehmen. Würde man Personal aus dem gemeindeeigenen Bauhof rekrutieren, würden diese Mitarbeiter an anderer Stelle wieder fehlen.

Auf die Frage von Freie Wähler-Gemeinderätin Ruth Kudorfer, ob man nicht doch noch einen Vorstoß auf einer Fläche abseits der Ilm machen sollte, erklärte Betzin, dass er sich nicht vorstellen könne, wo man geeigneten und bezahlbaren Grund finden könnte.

„Der Traum vom Naturbad ist ausgeträumt“, stellte 2. Bürgermeister Leonhard Sedlmeier (Parteiunabhängige) nüchtern fest. „Aber unsere Jugend hätte sich so eine Einrichtung doch so gewünscht“, wusste Gemeinderat Stefan Gottschalk (Wählervereinigung Lampertshausen). Gottschalk könnte sich aufgrund der neuen Situation mehr Zusammenarbeit mit dem Freibad Ainhofen vorstellen. Rupert Leimberger (Parteiunabhängige) erklärte, dass das Geld für die Studie nicht hinausgeworfen worden sei, weil nun Klarheit bestehe. Sein Fraktionskollege Simon Fotter bedauerte zwar auch die Entscheidung der Fachbehörden, gab aber auch zu bedenken, dass die hohen Kosten abschreckend seien. Er erinnerte daran, dass in der Gemeinde hohe Investitionen anstehen, beispielsweise die Schulhaussanierung und der Breitbandausbau. Da müsse man viel Geld in die Hand nehmen. So beschloss der Gemeinderat schließlich einstimmig, das Projekt Naturbad für die nächsten Jahre auf Eis zu legen. ost

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