Restaurator Andreas Moosdorf bei der mühsamen Arbeit der Deckenreinigung im Spiegelsaal.
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Restaurator Andreas Moosdorf bei der mühsamen Arbeit der Deckenreinigung im Spiegelsaal.

Das Schloss Jetzendorf wird aufwändig und in Millionenhöhe renoviert

Feiern künftig hinter barocken Mauern

Das Schloss Jetzendorf wird derzeit renoviert und restauriert. Gerade geht es um den Westflügel des Schlosses, der im Innenbereich noch eine große Baustelle ist.

Jetzendorf - Besonders das künftige Nutzungskonzept für den Spiegelsaal und die beiden Salons wird die Menschen aus Jetzendorf und darüber hinaus interessieren. Die im Schloss lebenden Familien haben eine Organisation gegründet, die sich „Schlossfamilie“ nennt und künftig für den Eventbereich zuständig ist. So können die Jetzendorfer hoffen, dass es doch nochmal zu den unvergessenen Schlosskonzerten kommen könnte. „Im Saal sollen auch standesamtliche Hochzeiten, kleine Empfänge und verschiedene Kulturveranstaltungen möglich werden“, unterstreicht Gutsverwalter Thomas Wenger. Er betont, dass die Nutzung für die Öffentlichkeit bei den Baukosten besonders ins Geld geht. Allein der geforderte Brandschutz samt Fluchttreppen sei sehr kostenintensiv.

Die weitere Nutzung der zum Schlossareal gehörenden ehemaligen Brauerei stehe noch in den Sternen. Der historische Teil der Brauerei aus dem Jahre 1756 müsse nämlich aufgrund des Denkmalschutzes erhalten werden, nur für den Ende der 1960er-Jahre entstandenen Anbau (Flaschenabfüllanlage) könne man über einen Abriss nachdenken – der laut dem Pfaffenhofener Architektenbüro Bergmann aber 450 000 Euro Entsorgungskosten verursachen würde. Deshalb habe sich die Schlossverwaltung dazu entschieden, vorerst nur Maßnahmen zur Erhaltung des Gebäudes zu tätigen.

Das Schloss befindet sich im Privatbesitz von Sebastian Freiherr von Freyberg. Um die Handwerker im Schloss arbeiten zu lassen, begannen schon im Jahr 2015 die notwendigen Ausräumarbeiten. 2016 wurde das Hochschloss renoviert, und von 2017 bis 2018 war der Südflügel dran. „Dann sind die finanziellen Mittel ausgegangen, und der Westflügel mit Spiegelsaal wurde deshalb hinten angestellt“, erklärte Gutsverwalter Thomas Wenger.

Muss noch saniert werden: die Turmzwiebel der Schlosskapelle.

Doch es gab schlechte Nachrichten: Wegen später festgestellter Schäden kam es „zur Kostenexplosion“, so Wenger. Besonders im Dach- und Fensterbereich waren die Kosten deutlich höher als ursprünglich erwartet. Denn: Wegen des Denkmalschutzes können keine Kunststoff-Fenster eingesetzt werden, sondern es sind handwerklich gefertigte Fenster aus Eichenholz gefordert.

2013 lagen die geschätzten Renovierungs- und Restaurierungskosten bei 2,7 Millionen Euro, aktuell liegt man mit Abschluss des 3. Bauabschnitts aber schon bei 3,5 Millionen Euro Kosten. Die Restaurierung der repräsentativen Räume, wie der geschichtsträchtige Spiegelsaal und die angrenzenden Salons, soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Auch die dringend notwendige Sanierung der Turmzwiebel der Schlosskapelle gehört noch zum dritten und vorläufig letzten Bauabschnitt, für den ein Kostenaufwand zwischen 350 000 und 400 000 Euro ermittelt wurde.

Hauptförderer der Schlossrestaurierung ist der Entschädigungsfonds der Bayerischen Staatsregierung, der aber nur den denkmalpflegerischen Mehraufwand – wie die historischen Fenster und Türen – bezuschusst. Finanzielle Mittel gab es auch von der Landesstiftung Denkmalschutz und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), die sich aktuell für die Restaurierung des Saalbereiches im Westflügel mit 15 000 Euro erkenntlich zeigte, aber auch schon vor ein paar Jahren die Sanierungsmaßnahmen mit zahlreichen Spenden unterstützte.

Auch Landkreis und Gemeinde haben ihr Scherflein beigetragen. Wenger legt auch Wert auf die Feststellung, dass trotz der Zuschüsse der Baron, wie Freyberg in Jetzendorf genannt wird, den Bärenanteil der Kosten über ein hohes Darlehen selbst zu tragen hat.

Vor den kusntvollen Wänden des Spiegelsaals: Gutsverwalter Thomas Wenger.

Was die Zuschussgeber besonders begeistert, ist die Tatsache, dass sich aus der gotischen Zeit im zweiten und dritten Obergeschoss des Schlosses nahezu das gesamte Mauerwerk, Putze, Decken, einzelne Türstöcke und Treppen erhalten ließen. „Es ist faszinierend, dass die Ausstattung so erhalten ist, wie es nach dem 30-jährigen Krieg war. Das liegt daran, dass die beiden Geschosse seither nicht in Gebrauch waren. Erdgeschoss und erstes Obergeschoss wurden 1733 barock überarbeitet, bis heute haben diese Räume ihre qualitätvollen Raumausstattungen erhalten“, so die Fachleute der DSD.

Die Rede ist von der spätbarocken Ausstattung, die zwischen 1730 und 1740 entstand, und einer weiteren Ausstattung von 1894 im Stil des Neurokoko. Besonders die zweite Ausstattungsphase sei wegen ihrer Vollständigkeit und dem authentischen Erhaltungszustand von großer Bedeutung. 1812 ging das Schloss an die Freiherren von Freyberg über, die seit 1848 hier die niedere Gerichtsbarkeit ausübten.

Der Restaurator Andreas Moosdorf stieß während seiner Arbeiten unter einer Tapete auf eine alte Zeitung aus dem Jahre 1895. Damals war der Spiegelsaal noch viel größer, bevor er dreigeteilt wurde. Gutsverwalter Wenger hat aus alten Aufzeichnungen entnommen, dass 1894 nach einer Maiandacht die Decke einstürzte. Bei den anschließenden Restaurierungsarbeiten versuchten die Verantwortlichen 1895 und 1896, den Barock im Schloss aufleben zu lassen.

ost

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