Zieht sich aus der Kommunalpolitik zurück: Ruth Kudorfer. 
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Zieht sich aus der Kommunalpolitik zurück: Ruth Kudorfer. 

Nach 36 Jahren

Die Freien Bürger sind Geschichte

  • vonJosef Ostermair
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Nach 36 Jahren lösen sich die Freien Bürger in Jetzendorfs auf. Gemeinderätin Ruth Kudorfer erklärt warum sie und Gemeinderat Markus Horner aufhören. 

  • Nach 36 Jahren in der Jetzendorfer Gemeindepolitik hören die Freien Bürger auf.
  • Bis zum Ende dieser Legislaturperiode werden sie noch im Gemeinderat vertreten sein.
  • Danach ist für Ruth Kudorfer und Markus Horner Schluss. 

Jetzendorf – Die Wählergruppe der Freien Bürger, die 36 Jahre kräftig in der Jetzendorfer Gemeindepolitik mitmischte, löst sich auf.

Ruth Kudorfer sitzt bereits seit fast 18 Jahren im Jetzendorfer Gemeinderat und vertrat hier immer in aller Deutlichkeit ihre Meinung. Zusammen mit Markus Horner ist sie in dieser Legislaturperiode noch am Sitzungstisch vertreten – aber beide wollen nun einen Schlussstrich in der Gemeindepolitik ziehen.

Kudorfer, Rechtsanwältin in Pfaffenhofen, war in den vielen Gemeinderatsjahren nicht immer bequem für die CSU-Bürgermeister in Jetzendorf. Sie betonte, dass sich die Verantwortlichen durchaus Gedanken um die Zukunft der Freien Bürger gemacht haben, letztlich sei das Aufstellen einer Gemeinderatsliste aber an zu wenigen Kandidaten gescheitert. „Das liegt aber erfreulicherweise nicht daran, dass in den Medien verstärkt über Angriffe auf Kommunalpolitiker berichtet wird“, betont Kudorfer.

Freien Bürger hören auf: Nicht mehr im Jetzendorfer Gemeinderat vertreten

Die Geschichte der Freien Bürger verdient einen Rückblick: An der Gründung waren maßgeblich der bereits verstorbene Hans Nauderer und die spätere Gemeinderätin Johanna Horner beteiligt. Beide traten 1984 erstmals auf Liste 2 in einer Listenverbindung mit der SPD zu einer Wahl an. Über diese Listenverbindung brachte die SPD zwei Leute in den Gemeinderat, von den Freien Bürgern wurde Hans Nauderer gewählt. Nachdem in der Folgezeit der zweite SPD-Gemeinderat Alfred Hagn aus dem Gemeindegebiet weggezogen war, rückte von den Freien Bürgern Johanna Horner in den Gemeinderat nach. Damit war ab Februar 1985 erstmals eine Frau im Gemeinderat vertreten.

In dieser ersten Wahlperiode von Johanna Horner gab es zunächst scharfe Auseinandersetzungen um den Prielweiher mit einer gerichtlichen Auseinandersetzung bis hin zum Bundesverwaltungsgericht in Berlin. Großes Thema in jener Wahlperiode war auch die Dorferneuerung im Zusammenhang mit dem Flurbereinigungsverfahren. In diese Zeit fiel auch der Neubau der Ilmbrücke in Volkersdorf und eine Verkehrsberuhigung mit durchgehendem Tempo 30 in den Siedlungsstraßen.

Schluss für Freie Bürger: 36 Jahre im Gemeinderat vertreten gewesen

Nach der Kommunalwahl 1996 wurde Johanna Horner, die den Sprung in den Gemeinderat nicht mehr geschafft hatte, vom damaligen Bürgermeister Richard Schnell verabschiedet, die Freien Bürger aber waren weiterhin mit Hans Nauderer im Gemeindeparlament vertreten.

Bei der Kommunalwahl 2002 trat erstmals Ruth Kudorfer als Listenführerin der Freien Bürger an – zudem als Bürgermeisterkandidatin. Bei dieser Wahl setzten die Freien Bürger das erste Mal konsequent auf eine Reißverschlussliste, also Frauen und Männer im Wechsel. Auch bei den beiden folgenden Kommunalwahlen 2008 und 2014 führte Ruth Kudorfer die Reißverschlussliste erneut an und kandidierte jeweils wieder für das Bürgermeisteramt. Die Stimmen bei der Gemeinderatswahl reichten aus, um ab 2014 mit Markus Horner einen zweiten Gemeinderat für die Freien Bürger stellen zu können.

Kudorfer war ab 2002 Mitglied im Finanzausschuss und führte ab 2008 auch den Vorsitz im Rechnungsprüfungsausschuss. In diesen Wahlperioden setzte sie sich immer insbesondere für niedrige Kindergarten- und später auch Kinderkrippengebühren ein, nicht zuletzt, weil sie aus ihrer beruflichen Praxis die Probleme gerade bei allein erziehenden Müttern kennt.

Nach 36 Jahren ist Schluss: Was die Freien Bürger alles in Jetzendorf erreicht haben

Wichtig war Kudorfer auch, dass der neue Bauhof von Jetzendorf eine Photovoltaikanlage bekam. Beim neuen Baugebiet „Ilmblick“ setzte sich Kudorfer engagiert für die Verkehrsanbindung des Baugebiets mittels eines Kreisels ein, gegen die ursprünglich geplante bloße Abbiegespur. Denn nach Einschätzungen der Freien Bürger wäre eine Abbiegespur in der Nähe des Kinderhauses deutlich unfallträchtiger gewesen.

„Nicht umgesetzt werden konnte die von den Freien Bürgern eingebrachte Anregung zur Errichtung eines Jugendzentrums oder zumindest die Errichtung von Jugendräumen“, sagt Kudorfer. Sie bedauert es auch, dass aus dem gewünschten Dorfplatz „nicht viel mehr als ein gepflasterter Parkplatz wurde“.

Zuletzt umstritten war die Schaffung eines weiteren kleinen Gewerbegebiets hinter dem Bauhof. „Wir sind der Auffassung, dass dieses Gewerbegebiet – abgesehen vom Landschaftsverbrauch – an der falschen Stelle ist, nicht nur wegen der umgebenen Landwirtschaft, sondern weil sich die Gemeinde so mit Gewerbegebieten einkreist und eine weitere Wohnentwicklung in diesem Gemeindebereich unterbindet“, erklärt Kudorfer.

Zu ihrem persönlichen Fazit befragt, erklärte sie, dass die Zeit im Gemeinderat aufregend, und lehrreich – und manchmal frustrierend – gewesen sei. Sie versichert: Den Gemeinderat verlässt sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Nachdem das Gemeinderatsmandat für sie jedoch Auftrag der Bürger und nicht der Verwirklichung ihres eigenen Egos diente, könne sie sich „schmerzfrei“ von dem Mandat trennen.

ost

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