Jetzendorf

Klärschlamm nach Gerolsbach

  • vonJosef Ostermair
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Hinsichtlich der Trocknung und Pelletierung von gepresstem Klärschlamm in der Nachbargemeinde Gerolsbach strebt Jetzendorf eine interkommunale Zusammenarbeit an. Das hat der Gemeinderat einstimmig entschieden, nachdem Gerolsbachs Bürgermeister Martin Seitz das vom dortigen Kommunalunternehmen geplante Projekt bei der Sitzung in der Jetzendorfer Schulturnhalle eingehend erklärt hatte.

Seitz zeigte auf, dass eine Anlage, wie man sie in Bissingen besichtigt habe, durchaus Realisierungschancen für die interkommunale Zusammenarbeit der Gemeinden Gerolsbach, Jetzendorf und Reichertshausen hätte. Jetzendorf und Reichertshausen seien ja ohnehin schon im Abwasserzweckverband Oberes Ilmtal verbunden.

Die enorme Kostensteigerung bei Klärschlamm sei der Grund dafür, dass man sich schon seit fünf Jahren um eine praktikable Lösung der Klärschlammentsorgung bemühe. „Denn auf Landkreisebene tut sich da wenig“, fuhr Seitz fort. Und so habe man sich nun für die kleinere Lösung entschieden.

In Gerolsbach habe man den Vorteil, dass bereits ein Betriebsgebäude für die Klärschlammtrocknung zur Verfügung stehen würde. „Wir brauchen also nichts Neues erfinden“, so Seitz, der sich nicht anstrengen musste, um Zustimmung beim Jetzendorfer Gemeinderat für eine Zweckvereinbarung zu bekommen. Die Trocknung und Pelletierung von abgepressten Klärschlamm soll nicht über die Gemeinde Gerolsbach sondern über deren Kommunalunternehmen erfolgen.

Die Kosten für die Trocknungsanlage einschließlich Umbauarbeiten des Bestandsgebäudes, Wasseranschluss, Abluft-Anschluss, Druckluftanschluss und Gasanschluss bezifferte Seitz mit 430 000 Euro brutto. Man rechne mit einem Einsparungspotenzial dank der Kooperation von 26 500 Euro pro Jahr. Davon sollen 8000 Euro auf Gerolsbach und 18 500 Euro auf den Abwasserzweckverband Oberes Ilmtal entfallen. Zur Deckung der Investitionskosten hofft Seitz auf 50 000 Euro Zuschuss aus dem bayerischen Fördertopf für interkommunale Zusammenarbeit.

Die Finanzierung sieht so aus, dass sich bei jährlich 1000 Tonnen getrocknetem Klärschlamm die geplante Anlage innerhalb von zehn Jahren abzahlt. Bestellt werde die Anlage erst, wenn die Planung steht. Man wolle diesen Sonderweg vorbereiten, ihn aber erst gehen, wenn sich landkreismäßig keine bessere Lösung abzeichnet. „Jetzt geht es erst mal um eine Absichtserklärung“, unterstrich Seitz.

Sollte sich keine andere Lösung abzeichnen, könnte die Anlage in Gerolsbach aber schon heuer im Herbst oder spätestens im Frühjahr 2022 in Betrieb gehen. Wenngleich zunächst der Betrieb mittels Erdgas erfolgen werde, könne schon in spätestens fünf Jahren auf Biogas umgestellt werden. Eine Entsorgung nach dem Trocknungsprozess (Pellets) werde für mindestens vier Jahre zugesichert.

Zur Frage der Gemeinderätin Birgit Brajdic (Grüne), wo die Klärschlammpellets verbrannt würden, gab Seitz zu verstehen, dass dies in Zementwerken geschehe. Bei der Herstellung der Pellets in Gerolsbach seien laut Fachleuten keine Schadstoffe zu befürchten.

Jetzendorfs Gemeindechef Manfred Betzin ist wichtig, „dass mit der angestrebten Lösung der Klärschlamm nicht über lange Strecken mit einem Großteil Wasser herumkutschiert werden muss“. Betzin sprach von einem Schlüssel zum Erfolg. Außer Verbrennung gebe es EU-weit kein anderes Entsorgungskonzept.

Auch Gemeinderat Stefan Gottschalk (Wählergruppe Lampertshausen) meldete sich zu Wort und erklärte, dass er von der gemeinsamen Idee einer Anlage in Gerolsbach begeistert sei. „Denn ich bin erschrocken, als ich bei der Kassenprüfung im AZV Oberes Ilmtal gesehen habe, wie die Kosten für die Klärschlammentsorgung im Laufe der Jahre explodiert sind“.

Es sei nur schade, dass die Nachbargemeinde Hilgertshausen-Tandern nicht mitmacht. Laut Seitz habe der Bürgermeister von Hilgertshausen-Tandern, Markus Hertlein, aber schon signalisiert, ein gewisses Kontingent zu sichern, „denn wir könnten noch 400 Tonnen aufnehmen“.

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