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Bild mit Seltenheitswert: Brechend voll war der Ottilinger-Saal bei der Bürgerversammlung.

Bürgerversammlung im brechend vollen Ottilinger-Saal

Jetzendorf steht hinter Bürgermeister Betzin

  • VonJosef Ostermair
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150 Besucher auf einer Bürgerversammlung – und das an einem Sonntagabend. So etwas hat Seltenheitswert in Jetzendorf. Im brechend vollen Ottilinger-Saal erwarteten die Bürger natürlich ein paar Worte von Bürgermeister Manfred Betzin zu dessen Anklage wegen Vorteilsannahme.

Jetzendorf Wie berichtet hatte Jetzendorfs Bürgermeister Manfred Betzin ein paar Flaschen Wein als Geschenk angenommen. Das führte zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die nun in einem Prozess wegen Vorteilsannahme am 11. Dezember vor dem Amtsgericht in Pfaffenhofen mündeten. Betzin nahm dazu in der Jetzendorfer Bürgerversammlung im brechend vollen Ottilinger-Saal nach seinem Rechenschaftsbericht über das Gemeindegeschehen Stellung.

Betzin meinte, er sei sich keiner Schuld bewusst. Wichtig sei dem Gemeindechef, dass er von keinem Gemeindebürger „hingehängt“ worden sei, sondern das Einschalten der Staatsanwaltschaft auf Ermittlungen im Zusammenhang gegen ein Ingenieurbüro im Landshuter Raum zurückgeht.

Sogar Anton Hirschau, der bei früheren Bürgerversammlungen die Jetzendorfer Gemeindepolitik oft schwer kritisiert hatte, stellte sich im Aussprache-Teil der Versammlung voll hinter Betzin. Er forderte die Gemeindebürger auf, zum Verhandlungstermin nach Pfaffenhofen zu kommen, um so dem Bürgermeister den Rücken zu stärken. Hirschau erwartet, dass zu dem Termin auch Landrat Wolf, der Landtagsabgeordnete Karl Straub und der Bundestagsabgeordnete Erich Irlstorfer, „praktisch alle Brüder aus der Partei mit dem C vorne dran“, am Amtsgericht ihre Unterstützung für Betzin bezeugen. Dass es im Saal keinen Besucher gab, der an Betzins Unschuld zweifelt, bewies der donnernde Beifall für den Bürgermeister.

Hirschau sprach überdies weitere Reizthemen an. So schimpfte er über die Hundehaufen im Gemeindegebiet, die „eine Anhebung der Hundesteuer auf bis zu 1000 Euro rechtfertigen würden“. Die Hundebesitzerin Marianne Huber hielt entgegen, dass Hirschau nicht alle Hundebesitzer unter Generalverdacht stellen dürfe. So sieht das auch der Bürgermeister, der allerdings erwartet, dass die zur Verfügung gestellten Tüten für den Hundekot nicht im Gebüsch landen.

Wie so oft bei Bürgerversammlungen war auch diesmal der Verkehr ein Thema. So beklagte Bernd Gollwitzer, dass im Siedlungsgebiet Jetzendorf-Süd viele Verkehrsteilnehmer das hier angeordnete Tempo 30 ignorieren würden. Es sei fast ein Wunder, dass in diesem kinderreichen Gebiet bisher kein Kind das Opfer rücksichtsloser Autofahrer geworden sei. Gollwitzer fordert von der Gemeinde Maßnahmen, um die Autos zu bremsen. Johannes Schreiber wies dazu darauf hin, dass bereits 122 Unterschriften von Anwohnern vorlägen, sprich von 99 Prozent der Befragten in diesem Siedlungsbereich, die Maßnahmen zur Einhaltung von Tempo 30 verbrieften.

Der Bürgermeister zeigte Verständnis, bat aber auch zu bedenken, dass in Siedlungen kein Durchgangsverkehr gegeben sei, also oft auch die Leute, die hier wohnen, zu schnell fahren. Er sicherte zu, die Geschwindigkeitsmessanlage aufzustellen. Betzin wies allerdings gleichzeitig darauf hin, dass „bei der letzten Messung Tempo 30 nur in wenigen Fällen überschritten wurde“. Zudem würden verkehrsrechtliche Auflagen der Gemeinde Einhalt gebieten.

Ein weiteres Verkehrsproblem sprach Uli Weick an: Kinder, die zu Fuß über die Staatsstaße zum Kinderhaus Regenbogen gehen müssen. Laut Betzin sei diese ungute Situation bekannt, „andererseits muss man hier auch mit dem Verkehrsfluss vorsichtig umgehen“.

Dass er ein vernünftiges Umweltschutz-Konzept in der Gemeinde vermisse, sagte André Klimsch, der sich für Blühwiesen aussprach. „Konkrete Maßnahmen sind mir wichtiger als ein Konzept“, widersprach das Gemeindeoberhaupt und wies dabei auf die beschlossene Hackschnitzelheizung für die Schule und das Nahwärmenetz hin. Weitere Maßnahmen zum Schutze der Umwelt seien die drei PV-Anlagen der Gemeinde. Jetzendorf sei auch dabei, stromsparende Pumpen für die Wasserversorgung einzusetzen und die Straßenbeleuchtung auf LED umzurüsten. Ein Projekt mit der Jetzendorfer Forstverwaltung münde in einer Baumpflanzaktion mit möglichen Baumpatenschaften, so Betzin.

Theresia Fritsch fragte, ob es sein muss, dass ein Handymasten mitten im Ort steht. Hier gehe es laut Bürgermeister aber um einen genehmigungsfreien Masten auf Privatgrund. In anderen Gemeindeteilen sei ein solcher Mast für einen besseren Empfang erwünscht, ergänzte Sepp Mooseder aus Habertshausen.

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