Gemeinde verbucht bei der Kinderbetreuung jährlich ein Defizit von rund 700 000 Euro

Jetzt wieder Kita-Gebühren

  • vonJosef Ostermair
    schließen

Der Gemeinderat von Jetzendorf hat einstimmig eine Erhöhung der Gebühren für Kindergarten und Kinderkrippe beschlossen. Betroffen sind der Kindergarten „Spatzennest“ in Jetzendorf und das Kinderhaus „Regenbogen“ in Priel.

Jetzendorf - Bürgermeister Manfred Betzin erklärte, dass die Anhebung unausweichlich sei. „Denn wir fahren derzeit pro Kind ein Defizit von 4400 Euro ein. Was die gesamte Kinderbetreuung in der Gemeinde angeht, kommen wir auf ein Jahresdefizit von fast 700 000 Euro, und das wird jedes Jahr mehr.“

Es sei unverständlich, wie sich die Bayerische Staatsregierung die Finanzierung im Kindergartenbereich künftig vorstellt, „denn auch der Freistaat schwimmt nicht in Geld“. Selbst eine Gebührenanhebung von 30 Prozent würde das Defizit der Gemeinde nicht deutlich mindern. Die logische Konsequenz: Die Eltern müssen mehr bezahlen.

In Jetzendorf kommt dies einer Wiedereinführung der Betreuungsgebühren gleich. Denn seit Einführung der staatlichen Zuschüsse hat die Gemeinde im Bereich Kindergarten nahezu keine Elternbeiträge mehr erhalten. Der vom Freistaat Bayern gewährte Zuschuss von 100 Euro pro Kind wurde mit den gültigen Gebührensätzen verrechnet.

Ab 1. September nun ist der Betrag, der real von den Eltern zu zahlen ist, der gleiche Betrag, der vor Neueinführung der staatlichen Förderung galt. Als Beispiel führte Betzin an: Die Eltern bezahlen für die Betreuungsstunde neun und zehn real 101 Euro (201 Euro minus 100 Euro staatlicher Zuschuss). „Mit den wieder zu entrichtenden Elternbeiträgen liegen wir immer noch stark unter dem Durchschnitt der meisten Kindergärten im Ballungsraum München“, unterstrich Betzin.

Der Bürgermeister teilte mit, dass derzeit rund 60 Prozent der Kosten für die Kinderbetreuung alleine von der Gemeinde getragen würden. Die Personalkostensteigerung, die Zahlung der Ballungsraumzulage und höhere Aufwendungen in den Einrichtungen seien nur einige Faktoren, die eine ständige Kostensteigerung mit sich brächten.

„Unsere Forderung ist, die Finanzierung der Kindergärten und Krippen langfristig auf andere Beine zu stellen“, betonte Betzin. Der Jetzendorfer Bürgermeister schlägt vor, ein Modell wie im Schulbetrieb einzuführen. Die Finanzierung des Betriebes samt der Personalkosten müsste dann der Freistaat übernehmen, die Gemeinde werde Sachaufwandsträger und für die Gebäude zuständig. „Nur so ist die Betreuung langfristig überhaupt noch finanzierbar“, ist Betzin überzeugt.

Im Krippenbereich schaut es etwas anders aus. Hier wurde eine Anpassung vorgenommen, die sich für die einzelnen Betreuungsstunden bei rund 50 Euro pro Monat bewegt. Die Arbeit in den Krippengruppen (nur zwölf Kinder, aber erhöhter Personalansatz) sei schließlich mit extremen Aufwand verbunden, sagte Betzin. Aus diesem Grund sei hier eine Anhebung der Gebühren unausweichlich.

Der Bürgermeister gibt zu bedenken, dass mit der Neugestaltung der Gebühren nicht ansatzweise die auflaufenden Überhangkosten abgedeckt werden, allerdings könne man zumindest den rasanten Anstieg bremsen. Mit den neuen Gebührensätzen liege Jetzendorf immer noch in einem sehr moderaten Bereich, was sich im Vergleich der Krippenkosten deutlich zeigt: Eltern aus der Nachbargemeinde Petershausen zahlen bei einer Buchungszeit von neun bis zehn Stunden monatlich 360 Euro, in Jetzendorf sei man hier bei 256 Euro. Betzin verspricht: „Wir werden unsere Anstrengungen weiter intensivieren, um die Kindergarten- und Krippenfinanzierung langfristig auf andere Beine zu stellen.“

André Klimsch (Grüne) erklärte, dass man mehr an Einkommensschwache denken sollte. Diese Familien würden aber Unterstützung vom Staat erhalten, antwortete Betzin. Zudem gebe es 50 Prozent Rabatt für Geschwister-Kinder, und ab dem dritten Kind fallen überhaupt keine Gebühren mehr an.

Bildung und Betreuung müssten weiterhin qualitativ hochwertig sein, da dürfe nicht am Geld gespart werden, gab der Bürgermeister zu verstehen.

JOSEF OSTERMAIR

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare