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Die neuen Landkreis-Oberhäupter Albert Gürtner (2.v.l.) und Karl Huber (r.) kamen mit den Jetzendorfer Gemeinde-Chefs Manfred Betzin (2.v.r.) und Leonhard Sedlmeier (l.) sowie einer Reihe von Gemeinderäten ins Gespräch. 

Pfaffenhofener Landrat besucht Gemeinderat Jetzendorf

Zusammenarbeit mit dem Landkreis Dachau vertiefen

  • vonJosef Ostermair
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Der neue Pfaffenhofener Landrat hat den Gemeinderat Jetzendorf besucht. Albert Gürtner (Freie Wähler) will in einigen Bereichen mehr mit dem Landkreis Dachau zusammenarbeiten. Jetzendorfs Bürgermeister Manfred Betzin sagte, wo der Schuh drückt.

Jetzendorf Der neue Landrat von Pfaffenhofen/Ilm, Albert Gürtner (Freie Wähler), und dessen Stellvertreter Karl Huber (Bürgerliste) statteten dem Jetzendorfer Gemeinderat ihren Antrittsbesuch ab. Dass Jetzendorf die erste Gemeinde im Landkreis Pfaffenhofen/Ilm ist, die von den neuen Landkreis-Chefs besucht wurden, freute Bürgermeister Manfred Betzin (CSU) und dessen Stellvertreter Leonhard Sedlmeier (Parteiunabhängige), besonders.

Sie und auch mehrere Gemeinderäte nutzten im Dachgeschoss der Grundschule die Möglichkeit, zu sagen, wo der Schuh drückt. Da ging es in erster Linie um die langen Bearbeitungszeiten von Bauanträgen im Landratsamt, die zum Teil unerträglich seien. Betzin zeigte auf, dass man allein für die Genehmigung des Vorbescheids für das Feuerwehrhaus in Hirschenhausen neun Monate warten musste. Gemeinderat Ludwig Pfleger (CSU) erklärte, dass man es nicht hinnehmen könne, dass der Genehmigungsbehörde erst nach drei Monaten auffällt, dass etwas nachgereicht werden muss. „Die Planungssicherheit ist für jeden Bauwilligen sehr wichtig, oft scheitert es nur an der Dachneigung“, so Pfleger. Gürtner sicherte zu, dass er im Baubereich für eine Änderung sorgen werde. Man könne das aber nicht von heute auf morgen erwarten.

Gürtner und Huber erklärten, dass sie sich Bürgerfreundlichkeit auf die Fahne geschrieben haben und deshalb Abhilfe schaffen wollen. Man dürfe aber nicht vergessen, dass sich die Bearbeiter im Landratsamt nur an vorhandene Gesetze halten und nur deshalb so akkurat arbeiten, um ja nicht angreifbar zu sein. Dennoch sehe man gute Möglichkeiten, das Baugenehmigungsverfahren zu verkürzen, vor allem in Fällen, in denen die Gemeinde und die betroffenen Nachbarn zugestimmt haben. „Teile der Baugesetzgebung sind durchaus reformbedürftig, vielleicht muss man da mal nach München fahren, da fahre ich gerne mit“, so unterstützte Betzin die Anregungen aus dem Gemeindeparlament.

Dass Gürtner im neuen Kreistag eine offene Zusammenarbeit anstrebt und auch die CSU als größte Fraktion im Boot haben will, begrüßte Betzin und sagte: „Die Partei darf sowohl in der Gemeinde als auch im Kreistag keine Rolle spielen. Hier müssen Sachentscheidungen getroffen werden.“

Als „gute Geschichte“ bezeichnete es der neue Landrat, dass der fünfte Rettungswagen im Landkreis in Jetzendorf stationiert wird und von hier aus auch Teile des nördlichen Landkreises Dachau versorgt werden. Gürtner habe sich auch schon die ins Auge gefasste Strecke für den dringend notwendigen Radweg von Jetzendorf nach Petershausen angeschaut und wolle diesbezüglich noch mit Petershausens Bürgermeister Marcel Fath und dem Dachauer Landrat Stefan Löwl ins Gespräch kommen, „denn es ist wichtig, die Radwege über den jeweiligen Landkreis hinaus zu vernetzen“.

Dass man durchaus auch im Bereich der Abwasserbeseitigung mit den Nachbargemeinden im Landkreis Dachau besser zusammenarbeiten sollte, regte Gemeinderat Simon Fottner (Parteiunabhängige) wegen der Kläranlagen-Situation in Hilgertshausen-Tandern an. Landrat Gürtner will mit seinem Dachauer Landratskollegen auch wegen notwendiger Kreisstraßensanierungen ins Gespräch kommen.

Freilich hofft Gürtner, dass wegen Corona die Steuereinnahmen nicht brutal einbrechen. Prognosen zufolge müsse man laut Vize-Landrat Huber mit 25 Prozent Einnahmeausfällen rechnen. Die Kreisumlage werde im Einvernehmen mit den Bürgermeistern festgelegt. Hier müssten viele beschlossene Maßnahmen berücksicht werden. Der Landkreis Pfaffenhofen habe schon viele freiwillige Leistungen zurückgefahren, um weiterhin mit der niedrigsten Kreisumlage in ganz Oberbayern auskommen zu können.

Jetzendorfs Vize-Bürgermeister Leo Sedlmeier bat ebenso wie Gemeindechef Betzin darum, die Gemeinden im Süden des Landkreises Pfaffenhofen differenziert zu betrachten. Es sei kein Geheimnis, dass Jetzendorf größtenteils in Richtung München auspendelt. Das kenne man sowohl beim ÖPNV als auch im Bereich Landschaftspflegeverband. Die Region Ingolstadt spiele in der Gemeinde Jetzendorf kaum eine Rolle. Als Vorteil für die künftige Entwicklung erachtet es Manfred Betzin, dass mit Gürtner und Huber nun zwei Kommunalpolitiker an der Landkreisspitze stehen, die viel Bürgermeister-Erfahrung mitbringen. JOSEF OSTERMAIR

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