+
Die Schwarze Madonna erinnert noch an die Entstehung des großen Frautag-Marktes.

Der größte eintägige Jahrmarkt Bayerns

Der große Durst der Gläubigen

Wie aus einem religiösen Fest der größte eintägige Jahrmarkt in Bayern wurde - der Frautag in Jetzendorf steht an.

Jetzendorf – Dass aus einem rein religiösen Fest mal Bayerns größter eintägiger Jahrmarkt wird, hätte sich am 15. August 1713 sicher keiner träumen lassen: Der Himmelfahrtstag des Jahres 1713 gilt als Geburtsstunde des großen Jetzendorfer Frautag-Marktes. An diesem Tag stellte der Abt von Scheyern auf Anregung des damaligen Jetzendorfer Schlossherrn Ferdinand Franz von Stromer eine Statue der Altöttinger Muttergottes auf dem nördlichen Seitenaltar der Jetzendorfer Pfarrkirche auf.

Die Muttergottes aus Lindenholz hatte zuvor auf dem Kapellenplatz in Altötting gestanden. Da es vor 1713 keine Marien-Bruderschaft in Jetzendorf gab, entschloss man sich, eine „Erz-Bruderschaft unserer lieben Frau von Altötting“ einzuführen. Als Hauptzwecke der Bruderschaft werden in alten Statuten der Erhalt und die Förderung des Glaubens genannt. Wer sich in diese Bruderschaft aufnehmen ließ, musste nach streng religiösen Vorgaben leben. Er musste unter anderem verbotene Bücher und ketzerische Schriften, die sich in seinem Besitz befanden, sofort vernichten und das Glaubensbekenntnis ablegen. Der Zutritt zur Bruderschaft war allen möglich, auch ein finanzieller Beitrag wurde nicht erhoben. Wichtig war vor allem, dass jedes Mitglied wöchentlich einen Rosenkranz betet und an Mariä Himmelfahrt und Lichtmess in die Kirche zum gemeinsamen Gebet kommt.

Der tiefe Glaube soll laut einem im Pfarrarchiv enthaltenen „Mirakelbuch“ innerhalb weniger Jahre 1212 „Wunder“ oder Gebetserhörungen ausgelöst haben. Noch Ende des 19. Jahrhunderts hingen viele Votivbilder in der Kirche, die aber bei einer Innenrenovierung im Jahre 1903 entfernt wurden.

Jahrzehnte hindurch kamen aus den umliegenden Orten viele Marienverehrer, ja sogar ganze Pilgerprozessionen, vor allem am Hauptfest der Bruderschaft an Mariä Himmelfahrt. So entstand für die örtlichen Gastronomen ein Problem mit der Verköstigung der vielen Wallfahrer. Zum Empfang der hl. Kommunion mussten die Gäste nüchtern sein, es gab erst ab Mittag etwas zu essen und zu trinken. So kann man sich gut vorstellen, dass sich großer Hunger und Durst einstellte.

Weil die einheimischen Geschäftsleute und Wirte überfordert waren, sahen bald wandernde Händler im Frautag eine gute Gelegenheit zum Geldverdienen, zumal die bäuerlichen Dienstboten an diesem Tag meistens schon ihr Erntegeld in der Tasche hatten. So entstanden am Kirchberg die ersten Stände für den Frautag-Markt, der von Jahr zu Jahr größer wurde. Freilich konnte man damals neben Andachtsgegenständen nur Dinge des täglichen Bedarfs kaufen. Doch bald durften Süßigkeiten für Kinder und der Met für die Frauen genauso wenig fehlen, wie das Bier für die Männer.

In der Neuzeit entwickelte sich aus dem einst rein religiösen Fest ein mehr und mehr weltlicher Jahrmarkt, der nun schon seit vielen Jahren der größte eintägige Markt in ganz Bayern ist. Heute steht das Feiern in den Bierburgen und das Partymachen am Abend im Vordergrund. Nach guter Tradition geht es schon um 7 Uhr morgens mit dem Frühstück der Honoratioren los.

Jetzendorfs Pfarrvikar Florian Regner will keinem das fröhliche Fest bis 3 Uhr früh verwehren, ist aber davon überzeugt, dass der kirchliche Ursprung des Frautags ebenso gefeiert werden sollte. Nach wie vor kommen das ganze Jahr über Gläubige mit ihren Anliegen zur Schwarzen Madonna von Jetzendorf.

Schon am morgigen Dienstag wird eine Lichterprozession mit musikalischer Begleitung gefeiert, die um 20 Uhr am Kriegerdenkmal beginnt. Die Vorabendmesse am Mittwoch, 14. August, beginnt um 18.30 Uhr, hier werden die Kräuterbüschl gesegnet und vom Katholischen Frauenbund gegen eine Spende abgegeben. Der Festgottesdienst am Donnerstag, 15. August (Frautag), beginnt um 10 Uhr. Um 15 Uhr gibt es eine Kirchenführung und um 18 Uhr eine feierliche Vesper.

ost

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach Kartrennen: Zehn Personenschlagen mit Helmen zu
Zwei Gruppen junger Erwachsener sind Freitagnacht im Kartpalast in Bergkirchen aneinander geratenund prügelten aufeinander ein. Drei junge Männer wurden leicht verletzt, …
Nach Kartrennen: Zehn Personenschlagen mit Helmen zu
Unbekannter legt Stein auf Straße:Polizei sucht Zeugen
Eine aufgerissene Ölwanne an einem Seat und ein Feuerwehreinsatz: Das sind die Folgen einer Verkehrsstraftat: Unbekannte platzierten einen Stein mit einem Durchmesser …
Unbekannter legt Stein auf Straße:Polizei sucht Zeugen
Heute 444, bald 666
79 neue Sozialwohnungen hat die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises Dachau (WLD) in nicht einmal zwei Jahren in Karlsfeld gebaut, davon sind 16 Wohnungen für …
Heute 444, bald 666
Stockschützen des SV Weichs wollen neue Hütte
Ein Vorbescheidsantrag der Stockschützenabteilung des SV Weichs auf die Errichtung einer Hütte stieß im Bauausschuss nicht nur auf Befürworter.
Stockschützen des SV Weichs wollen neue Hütte

Kommentare