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Die LOWA-Chefs Werner Riethmann (links), Alexander Nikolai (rechts) und Matthias Wanner (Zweiter v.r.) begrüßten Extrem-Bergsteiger Robert Jasper (Zweiter v.l.)

Jetzendorfer Wanderschuhhersteller

An der Lowa-Spitze steht ein Wechsel bevor

Knabbert LOWA heuer an der Drei-Millionen-Marke? Beim Jetzendorfer Wanderschuhhersteller gab es einen zweistelligen Umsatzanstieg. 2,7 Millionen Paar Schuhe wurden vergangenes Jahr verkauft.

Jetzendorf – Im Vergleich zum Menschenleben ist man mit 95 nicht unbedingt rüstig, der Jetzendorfer Wanderschuhhersteller LOWA kann von sich aber behaupten, mit 95 Jahren noch neue Meilensteine zu setzen. Das war bei einer Pressekonferenz von Gesellschafter-Geschäftsführer Werner Riethmann zu erfahren, der von einem sehr positiven Geschäftsergebnis 2017 berichtete. Es gab einen Umsatzanstieg von 11 Prozent.

Das Outdoor-Unternehmen, das in Jetzendorf mit 250 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber ist, baut seine internationale Marktstellung kontinuierlich aus. Mittlerweile verkauft das Unternehmen etwas mehr als 2,7 Millionen Paar Schuhe, davon 340 000 in der Schweiz und 215 000 in Österreich.

Wie Riethmann erklärte, sei die zweistellige Umsatzsteigerung vor allem auf das Wachstum im Bereich der sportlichen Multifunktionsschuhe zurückzuführen. Durch die breite Verteilung der Umsatzsteigerung auf unterschiedliche Produktsegmente und Märkte stehe der Schuhhersteller aus Jetzendorf auf einem soliden Wachstumsfundament.

Das hört Jetzendorfs Bürgermeister Manfred Betzin natürlich gerne: Erstens, weil so die Arbeitsplätze im Ort nicht in Gefahr sind, und zweitens, weil die Gemeinde weiterhin mit hoher Gewerbesteuer rechnen kann.

LOWA ist aus kleinen Anfängen heraus 1923 von Lorenz Wagner gegründet worden. Er begann mit der Produktion von Haferlschuhen. Die hohe Qualität der in reiner Handarbeit hergestellten „Zwiegenähnten“ – eine Fertigungsart aus dem Gebirge – machte bereits Ende der Zwanziger-Jahre den ersten Ausbau des Unternehmens nötig. In zweiter Generation haben Wagners Tochter Berti, die heute noch in Jetzendorf lebt, und deren verstorbener Mann und Ehrenbürger von Jetzendorf, Sepp Lederer, ab 1955 die Firma Schritt für Schritt ausgebaut.

Im Laufe der Jahre zogen nicht nur neue Technologien ein, 1992 hat ein Schweizer, nämlich Werner Riethmann, die Geschäftsleitung übernommen. 1993 übernahm die italienische Firmengruppe Tecnica den Betrieb, aber als Produktionsstandort blieb Jetzendorf dank Riethmann, erhalten. Hier ist auch Sitz des Managements sowie der Forschung und Entwicklung.

2010 hatte das Unternehmen ein lange verfolgtes Etappenziel, nämlich den Verkauf von jährlich mehr als 2 Millionen Paar Schuhe, geschafft. Acht Jahre später träumt Riethmann von 3 Millionen Paar Schuhen und weil innerhalb eines Jahres über 200 000 Paar Schuhe mehr verkauft wurden, könnte aus Riehtmanns Traum vielleicht schon heuer Realität werden.

Über 50 Prozent der verkauften Schuhe blieben 2017 im Inland, wenngleich auch 340 000 Paar Schuhe in die Schweiz und 215 000 Paar nach Österreich gingen. Wie Verkaufsleiter Matthias Wanner versicherte, sei der Online-Anteil in Deutschland unter 20 Prozent. Der Leiter der Entwicklung, Alex Nikolai, stellte heraus, dass 100 Prozent der verkauften Schuhe in Europa produziert werden. LOWA sei weltweit an 55 Märkten vertreten.

Dass es zum Jahreswechsel zu einem Wechsel an der Spitze des Jetzendorfer Schuhherstellers kommt, verhehlte der 69-jährige Riethmann nicht. Er wolle sich sukzessive aus dem operativen Geschäft zurückziehen, aber vorerst noch in der Geschäftsführung bleiben. Nach den Sommerferien beabsichtigt Riethmann der Öffentlichkeit die künftige personelle Besetzung an der Firmenspitze zu benennen. Schon jetzt könne er versichern, dass es eine interne Lösung geben wird und keine neuen Mitarbeiter den Ton angeben werden.

Als Ehrengast auf der Pressekonferenz begrüßte Riethmann den Extrem-Bergsteiger Robert Jasper, der mit Schuhen aus Jetzendorf 1991 die drei größten Nordwände der Alpen – Eiger, Matterhorn und Grandes Jorasses – solo in Rekordzeit durchstieg. 2016 machte er sich mit seinem LOWA-Pro-Team-Kollegen Stefan Glowacz auf den Weg, eine Big Wall im Sam Ford Fjord von Baffin Island zu klettern – komplett autark. Alles, was die Kletterer an Material und Verpflegung für eine Ein-Monats-Expedition benötigen, transportierten sie aus eigener Kraft – in eine der menschenfeindlichsten Regionen der Erde.

ost

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