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Staatspreis für den Wald des Barons

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 Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung
Forstministerin Michaela Kaniber und Kathrin Kresser vom Forstamt Pfaffenhofen (von links) sowie Maximilian Stöger vom Forstministerium (rechts) gratulierten Thomas Wenger (Zweiter von rechts) zum Staatspreis. Fotos: ost © Ost

Jetzendorf – Für die vorbildliche Bewirtschaftung und Pflege ihrer Wälder hat Forstministerin Michaela Kaniber 14 private und kommunale Waldbesitzer sowie einen forstwirtschaftlichen Zusammenschluss aus ganz Bayern mit dem Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung im Rahmen eines Festaktes in der Münchner Residenz ausgezeichnet. Unter den ausgezeichneten Betrieben befindet sich auch das Schlossgut des Jetzendorfer Barons Sebastian Freiherr von Freyberg.

Freyberg, der als Regisseur beim Fernsehen arbeitet, wollte die Staatsmedaille und das Preisgeld von 1000 Euro nicht persönlich in Empfang nehmen, weil er weiß, dass diese Auszeichnung sein Gutsverwalter von Schloss Jetzendorf, Thomas Wenger, verdient. So durfte Wenger die Glückwünsche der Ministerin entgegennehmen. „Unsere bayerischen Waldbesitzerinnen und -besitzer sind der Schlüssel zum Erfolg, wenn es um den Aufbau klimastabiler Zukunftswälder geht. Der Staatspreis würdigt in besonderem Maß das langjährige und persönliche Engagement der Preisträger ihn ihren Wäldern“, lobte Kaniber. Die Auszeichnung wird bereits seit 1997 im zweijährigen Turnus vergeben.

Der Staatspreis steht in diesem Jahr unter dem Motto „Heute für den Wald von morgen!“ „Unsere Wälder zählen zu den Hauptbetroffenen des Klimawandels. Deswegen ist es so enorm wichtig, sie fit für die Zukunft zu machen. Die Preisträger sind dabei echte Vorbilder, denn sie leisten Großartiges beim Waldumbau“, unterstrich die Ministerin. Durch das Pflanzen klimatoleranter Bäumchen, die Pflege ihrer Wälder und die Vermarktung des heimischen Öko-Rohstoffs Holz leisten die Waldbesitzer einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. „Gleichzeitig erhalten sie Bayerns grüne Lunge auch für die kommende Generation“, so Kaniber.  

Das Eigentum der Jetzendorfer Familie Freyberg umfasst 101 Hektar Landwirtschaft, 313 Hektar Waldfläche und das Schloss Jetzendorf, das nun zu einem Teil saniert ist. Allein die Bewältigung einiger forstlicher Kalamitäten durch Sturmwurf und Borkenkäfer erfordert da schon besonderes Engagement. „Bewusst wurden aber die Ziele der nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes und der Waldumbau durch standortgerechte Baumarten vorangetrieben“, war von Gutsverwalter Wenger zu erfahren. „Im Kern geht es darum, dass Baron Freyberg mit mir zusammen von zehn Jahren als Ziel einen stabilen, zukunftsfähigen Wald definiert hat, der in allen Belangen neben der Wirtschaftlichkeit auch der Ökologie und dem Naturschutz dienen soll.“ Aus diesem Grund belasse man beispielsweise auch stehendes und liegendes Totholz im Wald. Das fördere viele Organismen, die im Verborgenen dienen.

„Für solches, der Nutzung entgangenes Holz stellt keiner eine Spendenquittung aus. Das ist reine Eigentümerentscheidung und muss aus Überzeugung geschehen“, unterstreicht der Diplom-Ingenieur im Forst. Das Schlossgut wolle rund um Jetzendorf die standortgerechten Baum-Arten fördern, und es unterbaue Fichtenbestände mit Buche und Tanne. Auf Windwurf- und Käferflächen pflanzt das Gut Eiche, Kirsche, Elsbeere und Ahorn. Als Ergänzung dienen Lärchen und Duglasien.

„Unser großer Vorteil ist, dass wir die Eigenjagd selbst ausüben und dadurch das große Potenzial der Naturverjüngung ausschöpfen können. Tanne und Buche, gemischt mit Fichte, stellt sich je nach Lichtregelung selbstständig ein. Das Spiel mit dem Licht und die konsequente Erfüllung der Abschusspläne haben das Gesicht unseres Waldes in nur zehn Jahren sichtbar verändert“, freut sich Wenger.

Viele Waldbesitzervereinigungen, Jagdgenossenschaften und Besucher auf Führungen durch den Wald konnten das Gesehene bereits als Inspiration und Beispiel für ihr eigenes Handeln nutzen.

Sechs Hektar des sogenannten Purrbachtales, ein vom Biber beeinflusster Lebensraum entlang eines Baches, wurden im Übrigen aus der Nutzung genommen.

Weitere sieben Hektar mit Eichen und Buchenmischbeständen sind für ein Vertragsnaturschutzprogramm vorgesehen. Alle Erträge, die die Freiherr von Freyberg‘sche Gutsverwaltung erzielt, sollen dem Unterhalt des Schlosses dienen. „So streben wir auch zusätzliche Einnahmequellen an wie Kurse für Kinder, Erwachsene und Unternehmen mit der Wildnisschule Wildniswissen“, erklärt Wenger. Ebenso stellt das Gut Flächen, die aus der Nutzung genommen werden, für Natureingriffe zur Verfügung. Der Betrieb soll sich auf viele verschiedene Säulen stützen. Eine beachtliche Leistung ist es, dass in den vergangenen zehn Jahren rund 50 Hektar Fichtenbestände mit Mischbaumarten in Naturverjüngung und durch Pflanzungen unterbaut wurden.

„Wir sind auf dem Weg zu einem komplexen, strukturierten, stabilen Mischwald“, ist Wenger überzeugt, der Forstfachmann mit Leib und Seele ist. Zum Glück gibt es im Jetzendorfer Wald viele alte Buchen, Tannen, Eichen und Lärchen, deren Verjüngungspotenziale er nutzen kann und zusammen mit seiner Mannschaft an Forstarbeitern auch ausschöpft.

Josef Ostermair

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