Portrait Frau mit kurzen Haaren
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Sandra Gamperl konnte mit ihrer Präsentation nicht überzeugen.

Kinderbetreuungsplätze in Jetzendorf reichen nicht mehr aus

Standort für neuen Kindergarten ungewiss

Jetzendorf braucht weitere Kinderbetreuungsplätze. Nur: Wo sollen die entstehen?

Jetzendorf – Bedingt durch den starken Zuzug junger Familien, reichen in Jetzendorf die Kinderbetreuungsplätze im Kinderhaus „Regenbogen“ und im Kindergarten „Spatzennest“ nicht mehr aus. Bürgermeister Manfred Betzin und der Gemeinderat gehen davon aus, dass langfristig Bedarf für bis zu fünf neuen Gruppen, davon drei Krippengruppen, vorhanden ist. So sucht man schon seit längerer Zeit nach Möglichkeiten, die baulichen Voraussetzungen zu schaffen. Es stellt sich nur die Frage, wo gebaut werden soll.

Wie Betzin ausführte, habe sich die Verwaltung mit 17 Standort-Vorschlägen befasst, wovon allerdings nur neun in die engere Auswahl kommen. SPD-Gemeinderätin Sandra Gamperl hat sich deshalb intensiv mit Möglichkeiten zur Schaffung von Raumkapazitäten für die Kindertagesstätten beschäftigt und das Ergebnis ihrer Arbeit nun dem Rathausparlament vorgestellt. Ihren Vorstellungen zufolge sollten Synergien aus mehreren notwendigen Projekten genutzt werden.

Wie ihre Präsentation im Gemeinderat zeigte, sollte deshalb die Frage nach der künftigen Kinderbetreuung im Zusammenhang mit Bedarf der neben dem „Regenbogen“ untergebrachten Feuerwehr und dem derzeit noch im Feuerwehrhaus untergebrachten BRK-Rettungsdienst gesehen werden, „denn nur so lassen sich Synergien vernünftig nutzen“. Gamperl, der Gemeindechef Betzin für ihr Engagement besonderen Dank aussprach, kommt zu dem Schluss, dass der neue Kindergarten am jetzigen Standort der Feuerwehr gebaut werden und die Wehr einen neuen Standort bekommen sollte. Priorität müsse ihrer Meinung nach klar die Kinderbetreuung haben.

Für diese mit hohen Kosten verbundene Lösung fand sie aber im Gemeinderat wenig Gehör. „Es ist gut, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, aber wir haben keinen Bedarf für ein neues Feuerwehrhaus“, sagte der Bürgermeister. Man befürchte auch, dass das Feuerwehr-Grundstück (460 Quadratmeter) für den Kindergarten nicht ausreichen würde.

Das sieht Gamperl nicht so. Sie verweist auf energetische Probleme wegen der undichten Tore im Gerätehaus, beengte Platzverhältnisse, den fehlenden Sozialraum und nicht optimale Wege im Einsatzfall. Allein im Gemeindehaushalt 2021 seien schon rund 78 000 Euro für eine bessere Unterbringung der Feuerwehr vorgesehen.

Warum der Gemeinderat auch nicht am Feuerwehrstandort rütteln will, ist der am Feuerwehr-Gerätehaus geplante Anbau für den BRK-Rettungswagenstandort, der schon in wenigen Tagen beginnen soll und im Haushalt der Gemeinde mit Kosten von 195 500 Euro vorgesehen ist. Den Vorschlag Gamperls, ein neues Feuerwehrhaus im Gewerbegebiet westlich von Jetzendorf zu bauen, lehnte das Gemeindeparlament mit der Begründung, dass hier Platz für Gewerbetreibende geschaffen werden soll, rigoros ab.

Damit gibt sich Gamperl aber nicht zufrieden: „Das Feuerwehrhaus im Gewerbegebiet zu bauen und den Kindergarten auf dem jetzigen Feuerwehrgrundstück zu erstellen, wäre nicht viel teurer als ein Grundstück für den Kindergarten zu kaufen.“ Die hauptberufliche Bauingenieurin weist auch darauf hin, dass sich mit dem Anbau der Rettungswache am bestehenden Feuerwehrhaus nie mehr eine Erweiterungsmöglichkeit für die Rettungswache bildet. Laut Bürgermeister könne der Rettungsdienst aber nicht warten, bis die von Gamperl vorgeschlagene Kombination von Baumaßnahmen möglich ist.

Weil es im Gemeinderat nur Birgit Brajdic von den Grünen war, die Gamperls Pläne unterstützte, wird weiter nach einem Kindergartenstandort gesucht werden müssen. Der Bürgermeister hat da ein Grundstück nördlich des „Regenbogens“, einen Anbau am „Spatzennest“ oder einen völlig neuen Standort, wo man das „Spatzennest“ integrieren könnte, im Visier, will aber nicht über „ungelegte Eier“ sprechen. Er schließt auch nicht aus, eine Waldkindergartengruppe zu schaffen, wie man das aus den Nachbargemeinden Petershausen und Indersdorf kennt.

Zum Favoritenkreis gehört nach wie vor das Grundstück neben dem „Regenbogen“ das einer Erbengemeinschaft gehört, mit der bisher keine Einigung über den Verkauf erzielt werden konnte. Daher Gamperls berechtigte Frage: „Ist es sinnvoll, mit einem Grundstück zu planen, das uns nicht gehört, es keinen Zeitplan gibt und nicht unerhebliche Kosten für den Grunderwerb auf die Gemeinde zukommen?“

Josef Ostermair

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