Marterl an  Baum
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Vor dem Bruder-Konrad-Marterl können Wanderer meditieren oder einfach nur die Stille genießen.

Sechs Kilometer langer Wanderweg soll durch und rund um Jetzendorf führen

Vor der Haustür wandern gehen

Jetzendorf schafft einen eigenen Wanderweg. Das geht auch gut ohne EU-Förderung

Jetzendorf– Zum Wandern weit wegfahren – das ist schon bald nicht mehr nötig. Die Gemeinde Jetzendorf möchte einen Wanderweg rund um das Gemeindegebiet gestalten. Ursprünglich war geplant, dass der Wanderweg ein Leader-Projekt mit Förderung durch die EU werden sollte. Doch das war dem Gemeinderat zu bürokratisch und zu unbeweglich. Deshalb entschied er sich im vergangenen Jahr dafür, die Schaffung des Weges selbst in die Hand zu nehmen.

Dass sich Jetzendorf mit der von vielen alten Bäumen umgebenen Schlossanlage für eine Dorf-Wanderrunde eignet, haben die örtlichen Vereine schnell erkannt. Darum haben sie ihre Hilfe zur Schaffung des insgesamt sechs Kilometer langen Wanderweges zugesichert.

„Ziel unseres Projektes ist es, dass die Leute mehr Gespür für die herrliche Natur in unseren Breitengraden entwickeln“, sagt der zweite Bürgermeister Leonhard Sedlmeier. Er hatte bereits alle Interessierten zum „Wandern dahoam“ gebeten und bekam dabei große Resonanz. „Nach dem Urlaub und den Ferien geht es mit guten Vorsätzen zurück in den Alltag. Einer der Vorsätze ist, mehr zu wandern“, sagt er. „Das kann man von der eigenen Haustüre aus, und so ist unser Weg mit vielen Einstiegs-und Ausstiegsmöglichkeiten entstanden.“ Der Wanderweg rund um Jetzendorf sei durchaus noch ausbaubar, gerne nehme man noch Anregungen für Verbesserungen auf. Die Schlossverwaltung, der Obst-und Gartenbauverein, die Trachtler, der Anglerclub und der Gewerbeverein hätten bereits ihre Unterstützung zugesagt. Es sei geplant, sofern nicht schon vorhanden, an historischen Gebäuden, Feldkreuzen, Marterln und wertvollen, uralten Bäumen Infotafeln aufzustellen.

Die Verantwortlichen sehen den Wanderweg nicht als kommerzielles Freizeitangebot der Gemeinde Jetzendorf, denn es muss an die Verkehrssicherungspflicht und Haftung bei Unfällen gedacht werden. Der Weg soll vielmehr frei benutzbar sein, „und wir versuchen dazu gemeinsam mit Bürgern und Vereinen die Runde Stück für Stück als persönlichen Spaziergang attraktiv zu machen“, sagt Sedlmeier. „Eine einheitliche Beschilderung soll noch heuer erfolgen. Am Hochbehälter in Priel planen die örtlichen Imker eine Bienenweide mit Bienenstand und entsprechender Info.“ Für die Beschreibung der Geschichte von Jetzendorf auf der Infotafel am Kletterpark wolle der Gewerbeverein sorgen. Auch die Pfarrgemeinde arbeite mit. „Sie will die Gestaltung mit einer Art Blickfenster auf die Pfarrkirche St. Johannes übernehmen und hier auch die Kirchengeschichte beschreiben“, sagt Sedlmeier. Ob sich der Wunsch von Gemeinderat Stefan Gottschalk (Wählergruppe Lampertshausen) nach einem Kneipp-Becken in der Ilm verwirklichen lässt, ist noch fraglich.

Der Wanderweg durch und um Jetzendorf könnte am Rathaus beginnen und über den Kirchberg, vorbei an Schloss und Kirche, über den Parkweg zum Schlosspark führen. Am Schlosspark geht die Wanderung rechts Richtung Friedhof weiter bis zueiner Ruhebank, mit Blick auf den Südhang von Priel. Weiter geht es durch den Schlosspark, vorbei an uralten, mächtigen Bäumen, zu sehenswerten Holzskulpturen. Dort gibt es Platz zum Ausruhen.

Über einen kleinen Pfad gelangen die Wanderer in das nächste Wäldchen, zum sogenannten Bruder-Konrad-Marterl. Wie der Name schon sagt, steht dort am Fuße einer mächtigen Buche ein Marterl, das die Baronin von Freyberg 1930 anlässlich der Seligsprechung von Bruder Konrad anbringen ließ. Auf einer Bank können Wanderer dort die Stille genießen.

Dann führt der Wanderweg am Hang entlang zum Waldausgang. Dort findet man einen Rastplatz mit Blick auf Thallern. Das ist ein unscheinbares Wäldchen mit Eichen und Buchen, in dem eine Wasserstelle versteckt liegt. In diesem Bereich lebten bis circa 1860 Schäfer und Abdecker.

Vorbei am Brunnen und den Tennisplätzen gehen die Wanderer zur Jetzendorfer Schule, wo sie die Ilm überqueren und in den Ortsteil Priel gelangen. An der Aichacher Straße führt der Wanderweg nach links ans Ortsende, mit Blick auf das ehemalige Schacherlweiher-Gebiet. Man folgt dem Flurweg nach Eck, bis man ein Insektenhotel, ein Biotop und eine Bank am Waldrand zum Verweilen erreicht. Der kürzere Weg geht über einen Pfad am Biotop vorbei, hinauf nach Priel bis zur Eichenstraße und dann Richtung Wasser-Hochdruckanlage.

Der einfachere Weg für Familien führt zurück auf den Flurweg und dann bis zur Kreisstraße mit Blick auf Eck. Rechts weiter auf dem Radweg sehen die Wanderer in nordöstlicher Richtung den Turm der evangelisch-lutherischen Kirche von Kemmoden, bevor es zur Kremshofer Kapelle geht. Auf dem Weg zum Kletterpark im Prieler Holz genießen die Wanderer schließlich den Blick auf Jetzendorf und das Schloss. Der Kletterpark bietet auch die Möglichkeit zum Minigolfspielen.

Über den Kreuzweg zur Kohlstattstraße gelangt man schließlich zum Kinderhaus „Regenbogen“, von wo aus ein Weg über die Ilm, vorbei an der Infotafel des Anglerclubs zurück zum Ausgangspunkt Rathaus führt.

Josef Ostermair

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