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45.000 Fahrzeuge befahren täglich die Münchner Straße. 

Münchner Straße Karlsfeld

Ärger übers Tunnel-Aus

Karlsfeld - Aus für den Karlsfelder Tunnel: Das Projekt fand im aktuellen Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan keine Berücksichtigung. „Wir müssen eine Reaktion zeigen“, forderte Bürgermeister Stefan Kolbe jetzt im Gemeinderat. Doch mehr als eine Unmutsgeste wird’s nicht werden.

Die Nachricht überraschte nicht wirklich, aber sie nervt Bürgermeister Stefan Kolbe und den Karlsfelder Gemeinderat: Im aktuellen Entwurf des Bundesverkehrswegeplans ist der Karlsfelder Tunnel nicht enthalten (wir berichteten). Eine Untertunnelung der Münchner Straße habe mangels Wirtschaftlichkeit keine Berücksichtigung gefunden, teilte die Bundestagsabgeordnete Gerda Hasselfeldt (CSU) mit.

Die Tunnelidee ist Jahrzehnte alt. Sie galt einst als beste Alternative zu einer Umgehungsstraße. Eine Umsetzung kam aus Kostengründen nie in Gang. Die jüngste Entscheidung aus dem Bundesvekehrsministerium bedeutet das endgültige Aus. Denn der Verkehrswegeplan wird nur alle zehn Jahre aufgelegt.

Auch wenn die Chancen gering waren, aufgegeben hatten die Karlsfelder ihren Wunsch nach einem Tunnel nie. Zuletzt hatten Bürgermeister Kolbe und Landrat Stefan Löwl (CSU) einen Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt geschrieben. Auf eine Antwort warten sie heute noch.

„Dass wir im Entwurf gänzlich ausgespart sind, ist für mich nicht nachvollziehbar“ , schimpfte Kolbe in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Was ihn besonders wurmt: Im Verkehrswegeplan sind viele Maßnahmen in Orten berücksichtigt, die weitaus weniger unter Verkehrsbelastungen zu leiden haben als Karlsfeld. 45 000 Fahrzeuge befahren das Nadelöhr Münchner Straße in Karlsfeld täglich. Schadstoffwerte werden so deutlich überschritten, dass sogar Umweltbehörden tätig werden.

Dobrindts Ministerium hat zum Bundesverkehrswegeplan erstmals ein Anhörungsverfahren ermöglicht. Vom kommenden Montag an haben Beteiligte – Kommunen ebenso wie Privatpersonen – sechs Wochen lang die Möglichkeit, zum Entwurf Stellung zu nehmen.

Das wird die Gemeinde tun, kündigte Bürgermeister Kolbe an. Mehr als eine Unmutsäußerung wird das aber nicht werden, räumte Kolbe im Gemeinderat ein. Am Aus für den Tunnel lässt sich nicht mehr ändern. Kolbe: „Wir sind raus, das muss man sagen.“

Bernd Wanka, Fraktionschef der CSU im Gemeinderat und zudem Verkehrsreferent der Gemeinde, bezweifelt sogar, dass die Einwendungen im Bundesverkehrsministerium überhaupt alle gelesen werden. „Aber trotzdem werden wir uns äußern, das ist so etwas wie der letzte Protest.“ Seine Einschätzung auf die Frage, wie hoch die Chancen auf einen Tunnel noch seien: „Null!“

Im selben Schreiben, in dem Hasselfeldt die Nichtberücksichtigung des Karlsfelder Tunnels verkündete, versprach sie, „alle Alternativvorschläge zu unterstützen, damit die Karlsfelder und die Pendler entlastet werden“.

Welche Alternativen das sein sollen, schrieb Hasselfeldt nicht. Auch Wanka rätselt, der Verkehrsreferent weiß nicht, von welchen Alternativen da die Rede sein soll. „Das würde uns auch interessieren, was Frau Hasselfeldt da meint, wir nehmen sie beim Wort.“ Kolbe äußert sich ähnlich: „Ich bin gespannt, was Frau Hasselfeldt da im Köcher hat.“

Eine große Lösung wird es nicht sein. In Karlsfeld befasst man sich ohnehin mit kleineren Maßnahmen, die Entlastung bringen könnten. Wanka nennt als Beispiel eine spezielle Busspur auf der Münchner Straße, „wir wollen den Öffentlichen Personennahverkehr stärken“. Weitere mögliche Maßnahmen wird Verkehrsplaner Dr. Christoph Hessel bekannt geben, wenn er im April im Gemeinderat den Verkehrsentwicklungsplan vorstellt.

Große Hoffnungen setzt Verkehrsreferent Wanka in den Ausbau der Autobahnen ringsum, etwa der A99. Wanka: „Ziel muss es sein, die Autofahrer auf diese Wege zu schicken.“

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