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Jetzt werd boarisch gredt im Kindergarten!

Zum Tag der Muttersprache

Jetzt werd boarisch gredt im Klosterkindergarten!

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Dachau - Der Klosterkindergarten möchte den Dialekt fördern. Einmal in der Woche gibt es für einige Kindern einen besonderen Kurs. Sie lernen bairisch. Mit Geschichten, Liedern und einem „Zaubersackal“.

Liab schauns aus, de drei Buam und vier Madln vom Klosterkindergarten. Heid sans bsonders fesch, mit ihre Dirndl und Lederhosn. „Oba grias di, oba grias di, i hob di so gern“ singen Ludwig (4), Magdalena (4), Tristan (5), Annalena (5) und Kathi (4) und winken sich zu. Das Lied kennen alle auswendig, sie singen es jede Woche: Es ist das Begrüßungslied zum Bairischunterricht.

Seit Oktober gibt es im Dachauer Klosterkindergarten ein Projekt, bei dem eine kleine Gruppe von acht Kindern Bairisch lernt. Die Idee dazu hatte Kindergartenleiterin Kathrin Geczy: „Wir sind in Bayern, aber die bayerische Sprache tritt immer mehr in den Hintergrund“, sagt sie.

Es schaut ned guad aus für’s Boarisch. 2009 hat die Unesco den bairischen Dialekt in den Weltatlas der bedrohten Sprachen aufgenommen. Eine Sprache gilt als bedroht, wenn sie von weniger als 30 Prozent der Kinder in diesem Bereich gesprochen wird. In München beherrschen laut dem Bund der bairischen Sprache nur zwei Prozent der Kinder bairisch, auf dem Land sind es etwas mehr. Zumindest die Kinder vom Klosterkindergarten werden durch die Aktion besser im Dialekt. „Es bleibt schon etwas hängen“, sagt Geczy.

Diese Woche hat Erzieherin Tamara Heyne zum Kurs ein „Zaubersackal“ mitgebracht. Ludwig zieht eine Bilderkarte heraus. „Eine Karotte“, sagt er. „Und auf boarisch?“ fragt Tamara Heyne. Amelie, grünes Dirndl, geflochtene Zöpfe, meldet sich. „A goibe Ruam.“

Beim Bairischkurs sollen die Kinder spielerisch an die Sprache herangeführt werden. „Ich mache normale pädagogische Angebote – nur eben auf bairisch“, erklärt Kursleiterin Heyne. „Ich bin mit dem Dialekt aufgewachsen“, erzählt sie. Mit den Kindern redet sie im Alltag natürlich Hochdeutsch. Da war es für einige ein bisschen ungewohnt, als sie im Kurs plötzlich Dialekt sprach: „Am Anfang haben im Kurs schon welche gefragt: Warum sprichst du so komisch?“

Mittlerweile wissen die Kinder: Des is ned komisch, des g’heart se oamoi in da Woch’ so. Der Kindergarten hat die Kinder für den Kurs bewusst ausgewählt. Ein Großteil ihrer Eltern hat eine Beziehung zum Bairischen und möchten den Dialekt bei ihren Kindern fördern. „Mein Papa kann bairisch“, erzählt Ludwig. Er selbst spricht meistens Hochdeutsch, hat aber ein bairisches Lieblingswort: „A Oa“. Ein Ei. „I mog lieber Leberkaas“ sagt Annalena. Der schmeckt ihr besonders gut.

Wenn Annalena und die anderen Kinder das nächste Mal eine bayerische Brotzeit machen, kennen sie alle bairischen Begriffe für die Speisen. Zum Üben dürfen sie Memory spielen. Tristan mit dem grünen Laiberl hat gerade einen Lauf. Er deckt ein Kartenpaar nach dem anderen auf. „A Birn. A Brezn. A Radieserl“, sagt er. Dann: eine Pflaume. Aber wie war nochmal das bairische Wort dafür? Tristan überlegt. „A Quetsche?“ Eine Zwetschgn, verbessert ihn Tamara Heyne. Wieder etwas gelernt.

Was Tristan beim Bairischkurs am besten gefällt? „Das Singen“, sagt er. Vor Weihnachten haben die Kinder ein bairisches Weihnachtslied eingeübt und aufgeführt. Das fand er toll. Magdalena dagegen macht es am meisten Spaß, Geschichten zu hören. „Das Hasenbuch war gut“, erzählt sie. „Woaßt du ibahapts, wia gern i di mog?“ hieß die Geschichte über die Freundschaft zweier Hasen.

Für jede Stunde überlegt sich Erzieherin Tamara Heyne ein anderes Thema. „Ich arbeite mit verschiedenen Materalien“, erzählt sie. Der Kurs wird immer anders gestaltet. Wenn etwas Besonderes ansteht, bittet Heyne die Kinder, Tracht anzuziehen. A gscheide Gaudi is des dann.

Auch wie heute. Nach einer halben Stunde ist der Kurs vorbei. Zum Schluss wird wieder gesungen: „Oba pfiadi, oba pfiadi, i hob di so gern.“

Kennts ihr a so guad boarisch wia de Kinder vom Klosterkindergarten?De Gschicht zum Fuim gibt's do: http://goo.gl/noUDHA

Posted by Dachauer Nachrichten on Sonntag, 21. Februar 2016

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