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Karl maria Benemann treibt die Irnoie auf die Spitze.

Ein fauler Apfel mit Botschaft

Mit Liebesliedern ist das so eine Sache. Das kann textlich ganz schnell nach hinten losgehen. Wie bei Karl Maria Beneman. Bei ihm allerdings mit Absicht.

„Wär ich König, mein Volk müsste hungern, nur für Dich“, singt der Mann mit den langen Dreadlocks mit einem Schmunzeln. Überhaupt schmunzelt er ziemlich viel, bei seinem Gastspiel in der Dachauer Kulturschranne. Man hat den Eindruck, er muss selbst ab und an über seine Texte lachen. Wer kann es ihm verdenken, denn nur wenigen gelingt es, politische Botschaften mit soviel Humor zu vermitteln, wie diesem Münchner Studenten. Dabei beschränkt er sich nicht auf ein bestimmtes Thema, er rackert einfach alles ab, was ihm gegen den Strich geht: Despotismus, Konsumwahn, Korruption, Faschismus, Schönheits-OPs, alles in allem ein ironischer Feldzug gegen das „marode System“. Denn „das Problem in unserem Staat ist, dass das Volk keine Lobby hat“, schlussfolgert Beneman mit markant nasaler Stimme. Und um die Ironie auf die Spitze zu treiben, sind seine kritischen Texte in eine Hülle aus ansteckender Gute-Laune-Musik verpackt. Begleitet wird Gitarrist und Reimemonster Beneman vom „unglaublichen Party-Schorsch“ am Kontrabass, Ras Monjane an den Percussions und dem tantrischen Gesangszirkel, der ganz nebenbei auch noch als ultimatives Flöten-Duo fungiert. Zur Einstimmung waren kurzfristig Lupin Gitarrist Lukas Hefner und Sängerin Julia Nagele mit einem Acoustic-Set eingesprungen. Sein Programm „Laserlieder“ hat Beneman im vergangenen Jahr schon im Dachauer Freiraum präsentiert. Viele der damaligen Zuhörer pilgerten nun auch in die Kulturschranne, über hundert Gäste waren erschienen. Und das junge Publikum machte Stimmung, jedes noch so kleine Flötensolo erntete tosenden Applaus, Benemans absurde Textkompositionen sowieso. Seit 10 Jahren gastiert der Reggae-Lyriker auf deutschen Bühnen. Auch in Dachau ist er schon mehrmals aufgetreten. Vor allem als Frontmann der Band Irie Invaders hat er sich in den Köpfen einer breiten Hörerschaft dauerhaft eingebrannt.

So schnell werden ihn die Gäste in der Kulturschranne auch nicht vergessen. Und das obwohl die Musik an diesem Abend nur die Nebenrolle spielte. Karl Maria Benemans Botschaft sind seine Texte, selbst wenn eines seiner letzten Lieder dann wieder in aller Breite vom Verzehr eines faulen Apfels erzählt. Aber vielleicht ist ja sogar da noch ein versteckter Sinn enthalten. Und wenn nicht, lustig war es trotzdem.

Dominik Göttler

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