Praktisch ein echter Dachauer: Tim McMillan.
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Praktisch ein echter Dachauer: Tim McMillan.

Der gemietete Musiker

Biete: Ein-Zimmer, Wohnküche, Bad; O Euro warm. Suche: Musiker (kein Punk/Metal), sauber, fröhlich, unprätentiös, für eventuelle Aufbesserung des Stadt-Images.Die Stadt Dachau

Als Tim McMillan nach Deutschland kam, hatte er nichts weiter dabei als seine Rollerblades, ein paar T-Shirts und seine Gitarre. Obwohl er wusste, dass er ein halbes Jahr dort leben würde. Der Australier wollte einfach nicht mehr Gepäck mitnehmen. „Außer meiner Gitarre war mir nichts wichtig“, sagt er. „Ich habe mir einfach alles, was ich sonst noch gebraucht habe, in Deutschland gekauft.“

Ziemlich unprätentiös, der Mann.

Viel schmückt aber auch seine neue Wohnung nicht. Weiße, leere Wände, ein einfaches Regal, ein Kleiderschrank, eine Schlafcouch und ein zierlicher Tisch mit zwei Stühlen zieren den kargen Raum, in dem Tim McMillan schläft. Daneben steht die kleine Einbauküche. „Ich brauch nicht mehr, um mich hier wohl zu fühlen.“

Hach, so eine Einstellung, die hat was Existentialistisches... Schön.

Obwohl er schon beinahe seine Küche in Brand gesetzt hat.

Mist.

„Ich wusste nicht, dass es in der Küche keine Dunstabzugshaube gibt. Also wollte ich meine schlechten Kochkünste unter Beweis stellen und ein American BBQ grillen“, erklärt er. Dann ging der Rauchmelder los. „Ich konnte ihn alleine nicht abstellen.“ Tim rief einen Elektriker – aus München. Er hatte natürlich keine Ahnung, dass fünf Minuten von der Villa entfernt ein Elektriker ist. „Seit dem kleinen Unfall koche ich nur noch mit offenem Fenster“, sagt er und lacht.

Puh, das ging ja noch mal gut...

Tim teilt sich die Atelierwohnung seit Juli mit seinem Bassisten, Brad Lewis. „Wir beide touren schon seit drei Jahren zusammen“, sagt Tim. Er kennt Brad schon, seit er fünf Jahre alt war. „Ich habe früher mit Brads Schwester in einer Band gespielt“, erzählt Tim. „Als seine Schwester Umweltwissenschaften studierte, haben Brad und ich zusammen Musik gemacht.“ Auch Brad studierte damals, aber er brach sein Studium ab. „Ich habe sein Leben ruiniert“, lacht Tim.

Fröhlich ist er also auch.

Die Wohnung haben die Musiker aber bisher noch nicht ruiniert – außer dem kleinen Brandzwischenfall. „Wir haben hier noch keine wilden Partys gefeiert und auch noch keine Löcher in die Wand gemacht“, witzelt Tim.

Toll!!!

Eigentlich wollte der Australier auch gar nicht Musiker werden, sondern Maler. Wie seine Oma.

Uhh, das wär ja eigentlich auch nicht schlecht... die Malerstadt Dachau und so...

Doch als er zum ersten Mal eine Gitarre in der Hand hielt, wusste er, dass darin seine Berufung lag. Mit 13 Jahren fing Tim also an, Gitarre zu spielen. „Ich hatte früher eine Metal-Band. Beim Schreien hab ich mir einen Leistenbruch zugezogen. Deswegen bin ich dann auf die Akustik-Gitarre umgestiegen.“

Da haben wir ja noch mal Glück gehabt...

Nun nehmen Tim und Brad schon ihre dritte CD auf, in Berlin, geben Konzerte und bieten Workshops für Musiker an. Vor kurzem waren Tim und Brad eine Woche in Bautzen, dort unterrichteten sie 14 Bands. Auch die Dachauer Gruppen wie Orange Fizz oder Lupin haben die beiden Musiker schon kennengelernt.

Der mischt sich auch noch unters Volk, wie sympathisch.

Fast jeden Abend gehen Brad und Tim aus, und treffen sich mit Freunden, die sie auf ihren Konzerten kennengelernt haben. „Dachau ist unsere Basis, um neue Songs aufzunehmen, uns mit anderen Musikern zu treffen und Konzerte zu geben“, erklärt Tim. Der liebste Ort der Beiden: Das Gramsci in der Altstadt.

Ach?

Auch das Volksfest ließ Tim sich nicht entgehen. Für die Bierprobe hat sich der Australier sogar extra eine Lederhosn ausgeliehen.

Besser kanns ja gar nicht laufen!

Viel kann der Australier noch nicht auf Deutsch sagen. Aber er gibt sich große Mühe, Deutsch zu lernen. „Mein Deutsch ist noch sehr ungünstig“, sagt er mit englischem Akzent. Sein bayerisches Lieblingswort: Oachkatzlschwoaf.

Hach!!!

Tim und Brad wollen in Deutschland bleiben.

Deutschland??? Wieso nicht Dachau???

Vielleicht sogar in Dachau, so gut gefällt es Tim hier.

Puh.

„Wir haben ein Plattenlabel in Berlin gefunden.

Na super...

und in Deutschland Konzerte zu geben macht uns viel Spaß.“

Ja, gell, zum Beispiel in der Ruckteschellvilla. 16. September.

Im Winter will Tim nach Österreich zum Skifahren fahren.

Ja, wieso denn nicht in Garmisch?

„Wirklichen Schnee habe ich noch nie gesehen“, sagt er.

Oder Nesselwang?

„In Australien gibt es nur einen Berg, auf dem man Skifahren kann. Knapp drei Stunden muss man anstehen um dann etwa fünf Minuten den Berg runterdüsen zu können.“

In Lenggries gibts so was nicht.

Die Zeit in der Ruckteschell-Villa werden Tim und Brad jedenfalls bis zum letzten Tag genießen.

Ja, hoffentlich, diese Schmarotzer...

Und wer weiß, mit wie viel Gepäck Tim McMillan wieder nach Australien reisen wird: Vielleicht ist diesmal auch das eine oder andere Souvenir dabei.

Okay, wieder versöhnt.

Aus seiner zweiten Heimat: Dachau.

Ja! Es hat sich gelohnt! Tim, we love you!

Zu Besuch bei Tim war:

Regina Peter

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