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Jugendliche, die sich begegnen - und ihren eigenen Geschichten

Geschichte, die verändert

Jedes Jahr kommen Jugendliche aus der ganzen Welt nach Dachau, um sich mit Geschichte auseinanderzusetzen. So auch Yuval Libermann. Sie wollte Veränderung sehen – und hat sie selbst erfahren.

Die Israelin Yuval Libermann wollte es einfach sehen: das Deutschland von heute. Mit eigenen Augen. Sie wollte sehen, dass sich das Land verändert hat. Dass es anders ist, als das Land, von dem ihre Großeltern berichtet haben. Von einem Reich, in dem sie verfolgt wurden. In Lager gepfercht wurden. In dem sie Dinge miterleben mussten, über die sie bis heute kaum reden können. „Wir müssen eben einfach mit unserer Geschichte ins Reine kommen“, das hatte Yuval für sich beschlossen. Und ist los, nach Deutschland.

„Meine Großeltern, meine ganze Familie hat mich bei dieser Entscheidung sehr unterstützt“, sagt Yuval. „Sie wissen alle, dass das nicht mehr dasselbe Land ist wie damals.“

Nun ist Yuval bei der Internationalen Jugendbegegnung in Dachau. Sie sitzt im Jugendgästehaus, einfach so auf dem Boden, in einem Gang, der auf die Terrasse hinausführt. Draußen scheint die Sonne, und um sie herum sitzen einige Mädchen, alle in ihrem Alter, um die 16, alle von weit her. Sie warten auf die Mittagspause, quatschen ein wenig, zwischendurch schauen sie kurz auf ihre Laptops – Facebook und E-Mails überprüfen.

Die jugendlichen Gäste aus aller Welt

Gäste aus aller Welt

Yuval hat blonde lange Haare, ein strahlend weißes Lächeln und eine klare, weiche Stimme. Sie lacht gerne und sie redet wie ein Wasserfall. Von all ihren Erlebnissen in den letzten Wochen: Von der Austauschfamilie in Gauting, bei der sie gewohnt hat, von ihrer Austauschschwester Malina, die nun eine echte Freundin ist.

Sie spricht auch von den Zeitzeugen, die sie getroffen hat. Max Mannheimer, Abba Naor und Leslie Schwartz – die Überlebenden haben Yuval tief beeindruckt. „Sie opfern sich, indem sie über ihre Schmerzen reden. Das hat mich sehr berührt.“ Und eines hat Yuval besonders beeindruckt: „Sie wollen einfach sicher gehen, dass so etwas nie wieder passiert. Niemals. An keinem Ort der Welt, keinem menschlichen Wesen.“

Und dann redet Yuval von Deutschland. Sie ist mit Freunden unterwegs gewesen, in Dachau und in München, und hat nur nette Leute getroffen. „Alles ist so anders“, sagt Yuval. „Die Menschen hier versuchen wirklich, gute Menschen zu sein.“ Deutschland hat sich verändert. Das hat Yuval mit eigenen Augen gesehen. „Nichts ist wie damals.“ Yuval lacht. „Meine Erlebnisse waren lebensverändernd.“ Die 16-jährige Israelin Yuval Libermann ist mit ihrer Geschichte im Reinen.

von Nina Praun

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