Schlager-Star Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals gestorben: Vermutung zu Todesursache

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So schön kann die Hölle sein

Hellsongs. Der Name ist Programm. Eine Cover-Band, die sich dem 80er-Jahre-Metal gewidmet hat. Ozzy, Metallica, Alice Cooper.

Das Klischee: Ein Haufen bärtiger, langhaariger Kerle mit schwarzen Band-Shirts und breitem Kreuz, die mit aufgedrehten Verstärkern den Soundtrack für ein abendliches Saufgelage liefern. Die Realität: Ein ausgeflipptes schwedisches Trio, das Metal-Klassiker sanft und als Akustikversionen ins Lounge-Gewand verpackt. Mit so viel Liebe, dass das Publikum es feiert, als wären es die Stars von damals.

Kalle Karlsson hat zu jedem Song eine Geschichte. Der spindeldürre Blondschopf ist der „Motor der Hellsongs“, gibt Sängerin My Engström Renman zu. Und jedes Stück enthält eine Botschaft. Zum Beispiel gegen die rechtspopulistische Partei der Schwedendemokraten, die 2010 in den schwedischen Reichstag eingezogen ist. „Die wollen ein Schweden nur für 100-prozentige Schweden“, erklärt Karlsson in seinem leicht gebrochenen Deutsch und urteil: „Diese Definition ist doch scheiße.“ Seine ironische Antwort gibt der selbsterklärte Pazifist mit den Worten von Metallica: Seek and Destroy – Suchen und Zerstören.

Wie bei allen Hellsongs-Stücken bleibt vom Original nur der Text, gesungen von My Engström Renman mit ihrer Gänsehaut-Stimme. Ein würdiger Ersatz, für die eigentlich unersetzbare und bezaubernde Siri Bergnéhr, die noch beim Stadelkonzert in Walpertshofen vor drei Jahren das Mikrofon in der Hand hatte. Ein Schlaganfall zwang die junge Sängerin, kürzer zu treten. Und fast hätte dies auch das Ende der Hellsongs bedeutet. Die Auflösung war schon verkündet, als die neue Leadsängerin die Band wieder zum Leben erweckte.

Der Originaltext also, begleitet vom stoisch-ruhigen, aber brillianten Johan Bringhed am Flügel und Karlsson an der Akustik-Gitarre. Beide helfen auch als Background-Sänger aus. Ob AC/DCs Thunderstruck, Alice Coopers Schools Out oder Walk von Pantera, kein Klassiker bleibt verschont. Dass die alten Metal-Nummern textlich nicht nur von Drachen, Monstern und Zerstörung handeln, beweisen die Hellsongs mit Slayers Skeleton of Society, dass die Thrash-Metal Kultband in Gedenken an Margaret Thatchers Politik verfasste.

Es ist der erste Gig in Dachau für die drei Künstler aus Göteborg. Aber die Hellsongs haben bereits eine treue Anhängerschaft, und so ist in der Kulturschranne jeder Platz besetzt, beim letzten Prittlstock-Konzert der Frühjahrs-Saison. „Im Herbst geht es dann mit fünf Konzerten wieder weiter“, kündigt Organisator Peter Lenk an.

Es ist ein würdiger Abschied in die Sommerpause, den die Hellsongs den Prittlstock-Besuchern bieten. Bei der Zugabe leistet Karlsson sogar noch Unterstützungsarbeit für seinen ebenfalls aus Göteborg stammenden Künstlerkollegen „The Tallest Man On Earth“, der am 7. Juli ein Open-Air-Konzert am Dachauer Rathausplatz spielt. Den Zuschauern bringt er bei, wie sie auf schwedisch eine Zugabe fordern können. Und dann verabschieden sie sich, mit Symphony of Destruction von Megadeth, aber nicht ohne auf die „ökologischen Unterhosen“ an ihrem Merchandise-Tisch hinzuweisen. Höllisch heiß und entgegen jedem Klischee.

von Dominik Göttler

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