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Fotografie als Kunst: Die Schüler des P-Seminars am JEG haben sich mit der Kamera künstlerisch verwirklicht.

Gemalt wie fotografiert

Es ist ein Thema, das vor 20 Jahren so nicht möglich gewesen wäre. „Fotografieren, das ist doch keine Kunst, hätte man damals gesagt“, berichtet Kunstlehrerin Karin Kottmeir. Heute ist das anders. Und deshalb lautete das Motto in diesem Jahr „Gemalt wie fotografiert – fotografiert wie gemalt“.

Dachau – Zum ersten Mal durften sich die zwölf Schüler des Kunst-Seminars am Josef-Effner-Gymnasium in ihren Arbeiten der Fotografie widmen. Für die meisten waren es die ersten Schritte im komplexen Bereich der Digitalfotografie.

Lukas Walcher etwa hat sich der Unschärfe gewidmet. Seine „Schnappschüsse per Zufall“ zeigt er bei der Vernissage als Bildpräsentation. Das Motiv: willkürlich. „Ich habe anfangs einfach drauflos fotografiert“, erzählt der 18-Jährige. Erst später habe er sich besonders Spiegelungen und der Sonne als Bildelement gewidmet. Über 1500 Fotos hat er für sein Projekt geschossen, aus denen er schlussendlich 130 für seine Präsentation auswählte. Zusätzlich ließ er Fotos für mehrere Serien nach Farbe und Thema sortiert entwickeln.

Das Motto hat sich Seminarleiterin Karin Kottmeir überlegt: „Die Idee ist mir bei einer Ausstellung des kanadischen Fotokünstlers Jeff Hall in Hamburg gekommen.“ Das genaue Thema konnte jeder Schüler dann selbst wählen. Die korrekte Technik bei der Fotografie sollte dabei nicht im Vordergrund stehen. „Es ging viel mehr um Komposition, um Ausdruck und vor allem um die richtige Auswahl der Bilder“, erklärt die Kunstlehrerin, die ihre Schüler auf dem Weg zur fertigen Arbeit begleitete. Die Schüler mussten Protokolle führen und den Fortschritt der eigenen Arbeit regelmäßig präsentieren. „Man spielt mit den Fotos, das schult den Blick“, weiß Kottmeir. Wichtig seien ihr zudem Referenzen zur Kunstgeschichte gewesen.

Alina Schwarz hat sich deshalb Paarbildnisse zum Thema gemacht. In Anlehnung an bekannte Werke von Rubens und Rembrandt fotografierte sie aktuelle Pärchen. „Es sollte ungezwungen sein, ich wollte sie nicht in ihrer Intimität stören“, erklärt die 17-Jährige. Das bedeutet: der Schnappschuss musste geheim entstehen. „Die meisten waren überrascht, manche beleidigt und andere erzählen einem sofort ihre Lebensgeschichte.“ Wie etwa das alte Ehepaar, das Alina knutschend hinter einer Säule am Marienplatz ablichtete. Einen ganz anderen Weg wählte Yannik Hilla. Er nahm sich Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ als Vorlage und dokumentierte fotografisch, was er sich beim Lesen des Textes vorstellte. Die entstandenen Bilder, bei der Freunde und Familie als Protagonisten herhalten mussten, legte der 18-jährige Schüler über den Text der Erzählung.

Die Vernissage im JEG zeigt jedoch nicht nur die Arbeiten des W-Seminars. Am schwarzen Brett, wo sonst nur die viel beachtete Ausfallliste die Laune der Schüler hebt, hängt nun eine Plakatserie mit dem Namen „Tanz in den Mai“. Unter der Leitung von Gerhard Amelang skizzierten Schüler den Weg in den Frühling. Außerdem sind über alle Stockwerke verteilt vier Gruppenarbeiten aus dem P-Seminar zu sehen, etwa eine großflächige Street- Art-Leinwand mit Bob-Marley- Konterfei oder ein dreidimensionales Combine-Painting. Das überholte Argument, Fotografie sei keine Kunst, haben die Schüler eindrucksvoll widerlegt. Was in 20 Jahren als Kunst gelten wird, können allerdings auch sie nicht voraussagen.

Dominik Göttler

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