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Die Meisterin des Dinge-leicht-Nehmens

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Kirstie Handel ist professionell witzig. Sie ist Clowness. © kn

Kirstie Handel ist witzig. Schon von Berufs wegen. Sie verdient ihr Geld damit zu lachen und andere zum Lachen zu bringen. Als Clowness, Komikerin, Stelzenkünstlerin. Nicht immer eine lustige Aufgabe – aber für Kirstie die schönste der Welt.

Keiner weiß mehr ganz genau, wann Glucks geboren wurde. Vielleicht war es an diesem einen kalten Wintertag im Jahr 2001. Damals blickte Kirstie Handel in das irritierte Gesicht einer Mitarbeiterin im Münchner Arbeitsamt. Sie war die erste, die sich bei der Dame erkundigte, wie man eigentlich Clown wird. Und vermutlich kamen nicht allzu viele nach. An jenem kalten Wintertag recherchierten die damals 22-jährige Kirstie und die Frau vom Arbeitsamt gemeinsam – solange, bis sie die Schule für Clownerie, Komik und Theater in Hannover gefunden hatten.

Aber vielleicht gab es Glucks schon viel früher. Vielleicht steckte sie schon immer in Kirstie. Und wartete nur darauf, endlich herausgelockt zu werden. Viel Arbeit war das nicht. Das merkte die Münchnerin schon bei ihrem ersten Vorsprechen an einer Schauspielschule. „Sie sollten Komikerin werden“, hieß es damals. Wo Kirstie ist, wird gelacht – so war das eben schon immer.

Inzwischen ist die 32-Jährige professionell witzig. Sie hat die Clown-Schule in Hannover besucht und sich anschließend viele Bühnen gesucht. Kirstie Handel alias Glucks wird inizwischen bundesweit gebucht, knapp 90 Mal pro Jahr. Für Schulfeste, Weihnachtsfeiern, Firmen-Events oder Geburtstage. Jedes Publikum ist anders, jeder Auftritt eine neue Herausforderung.

Heute ist sie mit ihrem großen, mysteriösen, braunen Koffer und ihrer knallroten Clownsnase nach Dachau gereist. Eine Feier für die Asylbewerber, sie soll die Kinder unterhalten. Kirstie hat keine Ahnung, wie gut die Mädchen und Buben Deutsch sprechen. Ob sie schon jemals einen Clown gesehen haben. Aber sie weiß, was Kinder lustig finden. Lässt zu Beginn erst einmal eine große Confettibombe explodieren. Die Ersten kichern. Das Eis beginnt zu brechen. Das sind die Momente, die Kirstie an ihrem Beruf ganz besonders liebt.

„Manchmal, wenn ich eine Bühne betrete, spüre ich richtig die Schwere im Raum“, sagt sie. Dass gerade niemandem nach Lachen zumute ist. Neugier spürt sie manchmal. Oder Skepsis. Das sind Augenblicke, in denen sich Kirstie ganz auf ihr Talent verlässt. In denen sie Glucks herauszaubert, die etwas tolpatischige Clowness mit den bunten Ringelsocken und der witzigen Frisur. Glucks ist eine Mitreißerin. Eine Meisterin des Dinge-leicht-Nehmens. Kinder lieben sie, Erwachsene bewundern sie. Sie alle lassen sich heute mitnehmen auf eine Reise ins Schneeland. Ein buntes Hilfsmittel nach dem anderen zieht Glucks dafür aus ihrem braunen Koffer – und mit ihnen jede Menge Fröhlichkeit.

Sie hat kein Geheimrezept für Humor und keine Masche. Aber ein gutes Gespür dafür, was amüsiert. „Natürlich klappt das auch nicht immer auf Anhieb“, sagt sie. Als Clowness braucht man eben auch starke Nerven. Und viel Spontanität. „Ich muss jederzeit auf alle Zwischenrufe und Gegebenheiten reagieren können“, sagt sie. Ein Anfänger kann da schon mal nervös werden.

Kirstie Handel ist schon lange kein Anfänger mehr. Aber sie erinnert sich noch gut an das mulmige Gefühl vor ihren ersten Auftritten. Daran wie groß Kinder aussehen können. „Einmal stand ich mit großem Liebeskummer auf der Bühne“, erinnert sie sich. Lange hatte sie damals hin und her überlegt, ob sie es schaffen würde, Spaß zu verbreiten, wenn ihr selbst so gar nicht nach lachen zu mute ist. Das war der Moment, in dem Kirstie gemerkt hat, dass sie sich auf Glucks verlassen kann. „Als ich auf der Bühne stand, waren alle anderen Gefühle komplett ausgeschaltet“, erzählt sie. „Das war für mich die Bestätigung, dass ich den richtigen Beruf habe.“

Kirstie Handel wusste es von Anfang an: Bei der Clownerie geht es nicht um Gelächter. „Es geht darum, Freude zu verbreiten.“ Egal, ob Glucks Reisen ins Schneeland führen oder an einen anderen Phantasie-Ort – sie führen in jedem Fall hinaus aus der Schwere des Alltags. „Ich mag diese Schwere“, sagt sie. „Aber ich mag auch die Leichtigkeit.“ Weil das eine ohne das andere nicht funktioniert. Weil Tragik und Komik manchmal gar nicht so weit auseinanderliegen. Genau deshalb ist das Lachen manchmal so heilsam. Und so wichtig. Und sogar dann möglich, wenn man Liebeskummer hat. Das hat Kirstie von Glucks gelernt. Und außer ihr noch viele andere.

von Katrin Woitsch

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