+
Wer die Zeichen der Zeit erkannt hat, verlässt Partys auf polnische Art...

Der polnische Abgang

Die alternative Methode auf Partys im Gespräch zu bleiben: der polnische Abgang.

Zu später Stunde bei einer ausufernden Party. Ein euphorisierter Gast fragt: „Du sag mal, wo ist eigentlich der Andy? Der war doch gerade noch da.“

Der Andy ist weg. Er hat die Zeichen der Zeit erkannt und sich aufgrund immer kritischer werdender körperlicher Defizite still und heimlich auf den Heimweg gemacht. „Ach, der hat ’nen Polnischen gemacht“, erwidert ein anderer gelangweilt.

Ein polnischer Abgang bedeutet also, unerwartet und ohne Verabschiedung zu verschwinden. Eine eigens auf Facebook gegründete Polnischer-Abgang-Gruppe hat mittlerweile fast 80.000 Mitglieder. Dort finden sich sieben goldene Regeln für einen perfekten polnischen Abgang:

1. Verhalte Dich unauffällig.

2. Kein schlechtes Gewissen.

3. Weihe niemanden ein.

4. Nutze den Moment.

5. Ein angekündigter polnischer Abgang ist ein tschechischer Abgang.

6. Dreh Dich nicht um.

7. Handy aus.

 Doch woher kommt die populäre Redewendung? Die Erklärung ist leicht, aber nicht ganz frei von Vorurteilen gegenüber unseren Nachbarn im Osten. Der polnische Abgang ist eine Abwandlung von dem Verb „sich davonstehlen“. Der Zusammenhang sollte jedem einleuchten. In Polen und Frankreich heißt unser Sprichwort übrigens englischer Abgang. Und die Briten sind deswegen beleidigt und sagen: „I take a French leave“. Dort hat der Spruch eine längere Tradition. Er stammt ursprünglich aus dem Militärwesen und spielt auf Fahnenflucht während des Hundertjährigen Krieges an.

Die verschiedenen Nationen schieben sich also gegenseitig den schwarzen Peter zu. Das wäre dann auch schon der nächste belastete Spruch.

von Dominik Göttler

Auch interessant

Kommentare