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Sie haben Dachau gerockt: Lem Motlow in der Roxibar

Testosteron am Mikrophon

Die Dachauer Band Lem Motlow ist in der Roxibar aufgetreten - mit krachenen Gitarrenriffs, einem mitreißenden Schlagzeug und jeder Menge Testosteron.

Es war ein Hardrock-Feuerwerk, das die Dachauer Band Lem Motlow in der Roxibar abbrannte. Krachende Gitarrenriffs, Hochgeschwindigkeitssoli, ein treibendes Schlagzeug und die unverschämt gute Stimme von Sänger Toni Sarcinella sorgten für einen testosterongeladenen Konzertabend der Extraklasse.

Die Verstärker sind bis zur Decke gestapelt, aus den Boxen dröhnen zur Einstimmung Hardrock-Klassiker aus den vergangenen Jahrzehnten, nach und nach füllt sich der kleine Raum in der Dachauer Altstadt. Ein Blick ins Publikum zeigt bereits, dass dies ein etwas anderer Abend werden wird, gemessen an den wöchentlichen Diskoabenden in der Spitalgasse. Von zierlichen 18-jährigen Mädels bis zu Mittvierzigern mit langen Haaren und Schlaghosen aus Schlangenleder ist alles vertreten.

Sie alle erleben mit Tanertill eine erstklassige Vorband. Das Alternative-Metal Duo aus Ottobrunn hat seinen eigenen, harten Stil gefunden: Wenig Gesang, kräftiger Gitarrensound und ein besessener Schlagzeuger – ein kompromissloser Einstieg in den Abend.

Und dann betreten die fünf Rocker von Lem Motlow die enge Bühne. Zwar ist ein Teil der Jungs schon seit 2004 musikalisch gemeinsam unterwegs (damals noch als Kiss of Dynamite, ehe sie sich Ende 2009 nach einem amerikanischen Whiskey benannten), in der aktuellen Besetzung spielen sie aber erst seit knapp zwei Jahren.

Der Titel ihrer ersten EP „Beer, Bikes And Bitches“ verrät viel über Sound und Auftreten der Musiker: Jedes Klischee wird bedient, und das mit viel Humor. Hautenge Jeans, entblößte Oberkörper und eine schon nach zwei Songs nassgeschwitzte Haarpracht – nichts passt besser zu dem schnörkellosen, blueslastigen 70er Jahre Hardrock.

Da dem frisch gekürten besten Nachwuchsgitarristen Deutschlands Michi Wagner (wir berichteten) auch der Rest der Band qualitativ in nichts nachsteht – neben der Chefstimme Sarcinella noch Jake Suthern, Jules Jupiter und Sly Bamboule (normale Namen wären ja langweilig) – ist das Spektakel garantiert. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass die Jungs auf sich aufmerksam machen. In Kürze nehmen Lem Motlow ihr erstes Album auf. Und die Altrocker von AC/DC können nun endlich in den wohlverdienten Ruhestand gehen.

Von Dominik Göttler

 

Bühnengeflüster

eine Anmerkung von Rolf Gercke, der sich beim  Lem Motlow Konzert an seine ewige Jugendliebe, den Rock’n’Roll, erinnert hat und sich mehr davon wünscht

Rock’n’Roll is here to stay... Wenn ein Aaron hüpft wie ein Känguru, das einen Gummiball gefrühstückt hat... Wenn ein turkmenischer Teufelsdrummer neben den Sticks auch noch allerlei elektronisches Zubehör steuert... Wenn auf der Bühne mehr Marshalls stehen als bei den berühmt-berüchtigten Kundgebungen des Motor City Madman und National Rifle Association-Befürworters Ted Nugent... Wenn junge und angegraute Fans der gepflegt-ungepflegten Rockmusik aller Schattierungen – von progressiv-heavy bis alternativ-speedig – Seite an Seite, die Mano cornuta (gehörnte Hand) in die Höhe gereckt, zu den Gitarrensoli von Tanertill und Lem Motlow headbangen... Wenn eine junge, nach einem eher unbekannten Spross der US-amerikanisch Whiskey-Dynastie Jack Daniels benannte Combo die Stage so nachhaltig erbeben lässt, dass hinter der Theke sogar die Flaschen rhythmisch mitwippen... Wenn die Luft – trotz fehlender Rauchschwaden – so dick ist, dass man sie in Scheiben schneiden und mit nach Hause nehmen könnte... Wenn sich nach dem Gig in der Raucherzone alle vor der Tür zum fröhlichen Schwatz treffen... Ja dann weiß man: Der Name sollte Programm sein. Rock sie, Roxi – auch in der Zukunft. Und zwar regelmäßig, nicht sporadisch, wenn gerade mal Rock in der Luft liegt. Praise the Lord – Halleluja.

 

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