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Applaus nimmt er erst am Schluss entgegen, dafür feiert die Fan-Gemeinde den gebürtigen Dachauer Phil Vetter dann umso lauter.

Ein Hut und der Mann darunter

Der Hut ist geblieben, aber der Mensch darunter scheint von Jahr zu Jahr ein anderer zu werden. Knapp ein Jahr ist es her, dass Phil Vetter in seiner Geburtsstadt zu Gast war. Jetzt kam er wieder. Mit einer neuen Scheibe, neuem Look und – wieder einmal – mit neuem Stil.

Dachau – Ganz in schwarz und mit frechem Schnauzer betritt Phil Vetter die Bühne. Ein knappes „Hallo“ und der gebürtige Dachauer zupft leise eine Melodie auf seiner Gitarre. Immer und immer wieder wiederholt er die kurze Passage, bis er schließlich die volle Aufmerksamkeit der zahlreichen Gäste in der Kultur-Schranne auf sich gezogen hat. Dann setzt seine unverwechselbare Stimme ein.

Phil Vetter beginnt, seine in Songs verpackten Geschichten zu erzählen. Geschichten, die er auf seinem neuen Album „42“ wieder ausschließlich auf Deutsch erzählt. Geschichten wie „Totschlag“, ein Song, über den Vetter sagt, er sei in Erinnerung an seinen letzten Bürojob enstanden. Der dürfte allerdings schon etwas länger zurückliegen, denn der in Weßling in einer Musiker-WG lebende Künstler hat sich als Singer-Songwriter seit langem in der Münchner Musikszene einen Namen gemacht.

Der Einfluss seiner Mitbewohner von der Band Jamaram ist bei den neuen Stücken nicht zu überhören. Reggae und Rock hielten wieder Einzug bei Phil Vetters neuem Album, dessen Titel „42“ das Alter des Künstlers verrät. Die Fröhlichkeit des Vorgänger-Longplayers „Karate“ muss allerdings beim Auftritt in Dachau etwas hinten anstehen. Deutlich melancholischer als im Vorjahr präsentiert sich der kantig-charismatische Geschichtenerzähler – dafür wieder mit einer Menge Loops und Elektro-Effekten.

Für einen angemessenen Sound sorgen außerdem Dominik Scholz an den Drums und der Argentinier Francisco Perez Mazon am Bass, der gleichzeitig bei der Dachauer Band Lupin die Seiten zupft und auch Vetters neues Album mitproduziert hat. Auf Applaus können die drei Musiker offenbar verzichten, denn sie reihen ihre Songs lückenlos aneinander, ohne dem Publikum Gelegenheit zur Honoration zu geben. Erst bei Phil Vetters obligatorischer Publikumsaufgabe, der allgemeinen Tanzaufforderung, zeigt sich die treue Anhängerschaft. Ein Großteil der sitzenden Gäste schiebt die Stühle beiseite und schwingt die Hüften. Mission erfüllt, Herr Vetter.

Dominik Göttler

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