+
Manuel Ott ist Fußballnationalspieler - auf den Philippinen

Wie wird man eigentlich Nationalspieler?

Manuel Ott ist 19 Jahre alt, Petershauser, und Fußballer. Nicht nur beim FC Ingolstadt, mit dessen U23 er gerade in die Regionalliga aufgestiegen ist – sondern auch Nationalspieler: Auf den Philippinen.

Wie hast Du erfahren, dass Du in der Nationalmannschaft der Philippinen spielen darfst?

Ich hab die Einladung per Post bekommen. Am Anfang war ich total überrascht, ich wusste nicht mal, dass es dort überhaupt eine Nationalmannschaft gibt. Ein Sichter hatte mich mal beim Training angesprochen. Als ich dann erfahren hab, dass ich ausgewählt wurde, hab ich mich natürlich total gefreut.

Deine Mutter stammt von den Philippinen. Kanntest Du das Land schon?

In meiner Kindheit war ich immer in den Sommerferien dort. Aber in letzter Zeit nicht mehr so oft, wegen der Schule und dem Fußball hatte ich dafür nicht mehr viel Zeit.

Sprichst Du denn die Sprache?

Ich konnte sie mal, hab sie aber leider inzwischen verlernt. Das meiste versteh ich aber noch ganz gut. Ich hoffe, dass ich das Sprechen nun schnell wieder lerne, wenn ich wieder öfters dort bin.

Für viele Fußballer ist es der größte Traum, einmal in einer Nationalmannschaft zu spielen. War das bei Dir auch so?

Klar, vor allem weil meine Mutter so stolz war. Sie hat sich unglaublich gefreut. Und für mich ist es eine große Ehre für mein Heimatland zu spielen.

Wann hast Du mit dem Fußball angefangen?

Im Verein spiele ich, seit ich fünf Jahre alt bin. Aber auch davor hab ich schon gekickt. Also eigentlich mein ganzes Leben lang.

Wie wichtig war Dir dabei der Erfolg?

Am Anfang hab ich natürlich vor allem wegen dem Spaß gespielt. Zum Beispiel mit Freunden auf dem Fußballplatz. Dann hat sich alles von selber weiterentwickelt. Zuerst hab ich in der Jugendmannschaft in meinem Dorfverein gespielt. Mit zwölf Jahren bin ich dann zu Sechzig gekommen. Spaß gemacht hat es aber noch genauso wie am Anfang.

Inzwischen spielst du beim FC Ingolstadt. Musst Du jetzt ständig hin und her fahren?

Ich pendel immer zwischen Ingolstadt und Petershausen. Das bin ich ja schon gewohnt. Und jetzt kommen eben noch die Philippinen dazu.

Auf welcher Position spielst Du?

Mittlerweile rechts außen. Ausgebildet worden bin ich bei Sechzig als Sechser, normalerweise spiele ich im zentralen Mittelfeld – inzwischen aber eigentlich überall.

Das erste Mal bist Du für ein Trainingscamp auf die Philippinen gefahren. Wie war das?

Damals hab ich zum ersten Mal die anderen Spieler kennengelernt. Sie haben mich alle sehr herzlich aufgenommen, wir haben uns gleich gut verstanden. Sprechen müssen wir natürlich auf Englisch, weil ich die Sprache nicht gut kann. Aber ich war froh, dass ich nicht der Einzige war. Auch andere Spieler kommen aus anderen Ländern. Die Sprache lernt man dort glaub ich schnell.

Ist es schwieriger mit Leuten aus unterschiedlichen Ländern in einer Mannschaft zusammenzuspielen?

Es ist nicht schwieriger, aber man sammelt mehr Erfahrungen. Jeder spielt Fußball auf seine eigene Weise. Zum Glück übernimmt es der Trainer, eine gemeinsame Taktik zu finden. Ich profitiere davon, weil ich neue Impulse für mein eigenes Spiel bekomme.

War es eine große Umgewöhnung auf philippinischem Rasen zu spielen?

Der Rasen ist natürlich nicht so hochwertig wie hier in Deutschland. Und vor allem das Klima ist natürlich ganz anders. Viel wärmer. Fußballspielen kann man gut, aber eben nicht unter den gleichen Bedingungen wie in Deutschland.

Wie oft musst Du jetzt hinfliegen?

Nach meinem Abi im Juni werde ich ins Trainingslager fahren, das findet allerdings in Deutschland statt. Dann absolvieren wir eine paar Vorbereitungsspiele gegen Drittligisten, um uns vorzubereiten auf das WM-Qualifikationsspiel Ende Juni, ein Hin- und Rückspiel gegen Sri Lanka.

Bereitest Du Dich auf solche Spiele anders vor, als bisher?

Mir sind die Spiele in der Nationalmannschaft, aber auch die in der Bayernliga, und nächstes Jahr in der Regionalliga wichtig. Hier in Ingolstadt will ich meine Profikarriere anstreben. Die Nationalmannschaft ist natürlich eine große Chance und eine tolle Erfahrung. Ich nehme jedes Spiel ernst.

Wie sehen Deine Pläne nach dem Abi aus? Steht der Fußball dann an erster Stelle?

Nach den Prüfungen will ich mich ein Jahr voll auf den Fußball konzentrieren. Momentan habe ich einen Amateursvertrag beim FC Ingolstadt, der läuft noch ein Jahr. Vielleicht fange ich danach ein Studium an. So weit habe ich noch nicht vorausgeplant.

Wie schaffst Du es, den Abi-Stress und das Fußball-Training unter einen Hut zu bekommen?

Ich gehe ganz normal ins Training und in meiner wenigen Freizeit lerne ich. Ich muss eben gut planen, aber das bin ich ja gewohnt seit ich zwölf bin und bei Sechzig angefangen habe.

Unterstützen Deine Ingolstädter Teamkollegen Deine Spiele auf den Philippinen?

Ja, die Ingolstädter unterstützen mich sehr und beraten mich auch. Der Verein steht hinter mir und gibt mir viel Rückhalt. Meine Teamkollegen haben sich sogar über die Philippinen informiert, das fand ich toll.

Hast Du Ihnen nach dem ersten Trainingscamp etwas beibringen können?

Nein, das nicht. Aber sie wollten genau wissen, wie dort Fußball gespielt wird. Die Fotos habe ich ihnen gezeigt.

Und Deine Mutter, hat sie Dich schon mal als Nationalspieler kicken gesehen?

Ich war letztes Jahr im November in Laos beim Länderspiel. Da war meine Mutter dabei, zum ersten Mal – und hat vom Spielfeldrand aus zugeschaut.

Hast Du einen Tipp für junge Fußballer, die auch von einer Karriere als Nationalspieler träumen?

Man sollte Spaß haben, an dem was man macht. Und man sollte sein Ziel klar vor Augen haben und seinem Traum hinterher sein. Ohne Disziplin geht das nicht.

Interview:

Katrin Woitsch

Auch interessant

Kommentare